„Mrs. Robinson, Sie versuchen, mich zu verführen“, stammelte Dustin Hoffman nervös, als sich Anne Bancroft in Die Reifeprüfung (1967) aus ihren Seidenstrümpfen schälte. Es ist eine richtige Kultszene, die da auf meinem Lieblingsfilmplakat abgebildet ist. Doch wäre das Ganze genauso verführerisch gewesen, wenn Mrs. Robinson sich einfach nackt präsentiert hätte? In einem berühmten Essay mit dem Titel Striptease spricht der französische Philosoph Roland Barthes von der „Erotik des teilweise verdeckten Körpers“. Seiner Ansicht nach steckt die Sinnlichkeit in der Enthüllung, im Zusammenspiel zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren.
Später verstand ich die Macht der Verführung und erkannte sie nur zu gut in Marlene Dietrichs Auftritt als Lola in Der blaue Engel, als sie mit einem Zylinder auf dem Kopf in Dessous, Strapsen und schwarzen Netzstrümpfen Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt hauchte. Auch Catherine Deneuve verkörperte die Macht der Verführung, und zwar in dem Spielfilm Schöne des Tages, in dem sie als Bürgerfrau ein Doppelleben führte und als Prostituierte in atemberaubenden Strapsen und passenden Strümpfen aus dem Hause Yves Saint Laurent daherkam. Und da waren natürlich die ikonischen Bilder von Bettie Page, dem weltberühmten Pin-up-Girl aus den 50ern (apropos herrliche Oberschenkel!), das sich vornüberbeugte und nichts anderes trug als halterlose Netzstrümpfe und ein freches Lächeln im Gesicht.
Heute sind meine Beine oft in sinnliche Strümpfe gehüllt, Tag und Nacht. Und immer, wenn ich zarte Nylons, sportlich geringelte Overknee- oder halterlose Strümpfe (die trotzdem einen Abend auf der Tanzfläche und die anschließende wilde Nacht überleben) anziehe, fühle ich die gleiche Erregung wie vor vielen Jahren in meinen ersten, ungeschickt handgefertigten Exemplaren. Und ich weiß: Wichtig ist, dass man sich selbst verführt. Wieder und wieder.

