Chrisalis (Köln)
Gepostet am 11.11.2019 15:57
Unter Strom – Gefangen zwischen Heim- und Fernweh
Jetzt bin ich seit zwei Wochen wieder in Dresden, und dieses unbestimmbare Gefühl; das mich in der Nacht nicht gänzlich zur Ruhe kommen lässt, schleicht noch immer in meinem Kopf herum. Raubt mir den Schlaf, trotz dessen das meine Augen zu später Stunde von selbst zufallen wollen, da ich noch immer gedanklich von dem beharrlichen Gefühl gedanklich in dieser Welt gehalten werde.
Ich kann es nicht festmachen ob es Heimweh ist, oder doch Fernweh. Es flüstert mir zu das es Zeit wird wieder meinen Hintern hoch zu bekommen und Bewegung in mein Leben zu bringen. Zu fahren und nicht hinter mich zu blicken; egal wie sehr ich Dresden mit seinem Charme liebe wenn ich durch die Straßen laufe. Auch wenn ich sehr aktiv bin, und gefühlt jeden Tag etwas auf mich wartet, seien es Fotoshootings oder wundervolle prickelnde Dates, schleicht sich dieses Gefühl des Stillstands in meinen Nacken. Kratzt an meiner Schädeldecke und braucht Veränderung, nach der es unabdinglich verlangt. Heute holt es mich schneller und eindringlicher als in der Vergangenheit ein. Früher hat mich dieser Trieb, das ungeduldige Kribbeln, zu warten während man weiter kommen will in den Wahnsinn getrieben, und in Unzufriedenheit beinahe ertrinken lassen. Heutzutage treibt es mich zu einem anderen Entschluss; dann ändere ich eben etwas und gebe ihm nach. Einer der Gründe warum ich beschlossen habe ein Jahr mich auf einen Roadtrip zu begeben, auch wenn er mich immer wieder „Nachhause“ führt, um zu verschnaufen wie derzeit.
Also bin ich mal wieder dem Drängen des Gefühls gefolgt, und dachte mir das eine Auflockerung gut tun könnte in denen ich mich zwei Tage in Berlin herum treibe, bevor es in meine Heimat geht. Dort prickelnde Stunden erlebe, Freunde treffe und mir die Stadt näher ansehen kann. Ich liebe es in fremden Städten unterwegs zu sein, neue Orte kennenzulernen und auf Personen zu treffen die meinen Horizont erweitern. Mich frei zu fühlen, da in einer Fremden Stadt keine bekannten Augen auf mir liegen, vor denen ich mich manchmal schlichtweg verstecken will. Nicht gesehen werden, und einfach vor mich hin treiben; frei sein.
Gesagt getan, Hotel und Fahrt mit Vorfreude gebucht, doch der Gedanke an Zuhause, das Gefühl von Heimweh lässt mich nicht los; sondern sitzt mir fest im Nacken. Lässt mich grübeln ob denn ein Kurztrip denn die gewünschte Linderung meiner Ruhelosigkeit bringt. Manchmal ist es wie ein kleines (Trost)Pflaster für mich, das sich bei der Bewegung jedoch leicht löst, und einen Einblick schenkt, auf das was ich eigentlich versuche hinter mir zu lassen; das Heimweh; von dem ich froh bin wenn es endlich abnimmt.
Nach manchen Reisen „reicht“ es mir in Dresden die Koffer zu öffnen, und mich auszubreiten um mich wieder Zuhause zu fühlen; während nach anderen eine tiefere Dunkelheit und Sehnsucht auf mich lauert, wenn ich in die dunkle Wohnung nach Wochen wo ich unterwegs war komme. Kein Heimkommen sondern nur einen Zwischenstopp sehen kann; und nicht das gewohnte schöne Zuhause das ich mir geschaffen habe.
Wenn mein Zuhause immer wieder fernab scheint, kommt irgendwann die Frage auf, wo ist mein zuhause? Für mich lässt es sich nicht wirklich leicht beantworten, da mein Herz irgendwo zwischen Dresden und Österreich hängt, und dort im Schwanken, zu keiner klaren Entscheidung fähig ist.
Es ist ein Wechselspiel, wenn ich wieder an die langen Spaziergänge in meiner Heimat denke, das saftige Grün und die frische Luft. Wie ich mir die Nächte in meiner Heimatstadt in jüngeren Jahren, um die Ohren geschlagen habe, und die vielen bekannten Gesichter, die mir hier fehlen. An einem Tag fühlt es sich an als würde die Welt ohne die Heimat, die Familie und alten Freunde für mich zerbrechen. Während ich an anderen froh bin fern ab von diesen Pflichten und Erfahrungen zu sein, und mein Leben zu gestalten wie mir gerade die Nase gewachsen ist.
Oh liebstes Heimweh, so oft ich auch über dich nachdenke, werde ich dich nie ganz loslassen oder verstehen können. Da sich Fernweh für mich oftmals wie die Sucht nach Nachhause kommen anfühlt. Und eben jenes Gefühl einen ganz eigenen Kick zurück lässt, der für mich eines klar bestimmt: Fernweh ist die Vorfreude auf gestilltes Heimweh.

Chrisalis (Köln)
16.11.2019 13:39
Hey, sind wir nicht alle ein kleines bisschen Maso? *gg* das kenn ich tatsächlich noch nicht, aber ich werds mir mal ansehen! Bin gespannt