Was bedeutet es eigentlich Escort zu sein?

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Escort Mia Elysia hat sich einige Gedanken dazu gemacht, was es für sie bedeutet Escort zu sein. Dabei hat sie sich von der Schriftstellerin Anais Nin inspirieren lassen, die auch hocherotische Texte schreibt. Aber liest selbst!
Über die Antwort auf diese Frage habe ich in den letzten Jahren viel nachgedacht und bin nun zu dem Schluss gekommen, dass es für mich an der Zeit ist einen kleinen Artikel darüber zu schreiben:

Anais Nin  hat mit dem Besuch eines Bordells wenig gemein. In einem Bordell geht es um Sex – käufliche Liebe und die Befriedigung der sexuellen Triebe. Triebe – dieses Wort verwende ich in diesem Kontext ganz gewählt. Beim Escort geht es vielmehr um die Befriedigung der sexuellen Bedürfnisse und die Erfüllung von sexuellen Fantasien. Escort Damen sind Musen und Inspiration für die Sexualität. Hier geht es nicht um den Geschlechtsakt an sich, sondern um die Bedeutung und die Verheißungen der Erotik. Es geht um etwas Echtes, um echte Erfahrungen und um die Erweiterung des sexuellen Horizontes.

Aber wie beschreibe ich das Ganze? Wie finde ich die richtigen Worte? Vor einiger Zeit bin ich auf einen Roman gestoßen, der mich in seinen Bann gezogen hat: Das Delta der Venus – von Anais Nin.
Die Beschreibungen von Erotik und Sexualität haben mir in manchen Passagen einfach aus der Seele gesprochen! Jeder Satz kann allein für sich schon als starkes Zitat gesehen und verstanden werden. Aber was macht ein erfüllendes und erotisches Sexualleben aus und welche Aspekte davon kann der Escort bedienen?  Meiner Meinung nach ist es die vielschichtige Leidenschaft, welche Nin so wunderbar zu beschreiben weiß:

„In der Eintönigkeit kann Sexualität nicht gedeihen, nicht ohne Gefühl, Einfälle, Launen, Überraschungen im Bett.“ Das kann die Sexualität tatsächlich nicht.. wachsen und gedeihen, ohne angeregt zu werden, ohne neue Nahrung zu bekommen. Denn dann verliert die Sexualität nach und nach an Substanz und irgendwann verschwindet sie vermutlich komplett – wie sie es in so vielen lieblosen Beziehungen tut oder in zu tiefer Einsamkeit.

Aus diesem Grund ist es so essentiell die sexuelle Fantasie anzuregen. Denn die Sexualität braucht ausreichend Zündstoff, um nicht abzustumpfen. „Das sexuelle Geschehen muss sich mit Tränen mischen, mit Gelächter, mit Worten, Versprechungen, Szenen, Eifersucht, Neid, allen Gewürzen der Angst, der Reisen in ferne Länder, der neuen Gesichter, der Romane, Geschichten, Träume, Phantasiegebilde, der Musik, des Tanzes, des Opiums, des Weins.“

Erneut beschreibt Nin treffend, was es für ein ausgefülltes Sexualleben alles braucht. Es geht bei der Sexualität nämlich nicht nur um den Sex, sondern um viel mehr. Es geht vor allem um eine leidenschaftliche, ausgefüllte Art zu leben, welche alle Spektren bedient: Realität, Fantasie, Fiktion, Emotion und Genuss (um nur einige zu nennen). Das ist es, wonach ich suche und das ist es, was ich anderen mitgeben will.

„Lassen Sie alles Poetische weg. Keine Haut hat die gleiche Textur, wie die andere, immer wieder ändert sich die Beleuchtung […] Das Geschlechtliche verliert alle Macht und Magie, wenn es überdeutlich, übertrieben und mechanisch dargestellt, wenn es zur fixen Idee wird. Es wird stumpfsinnig.”

Außerdem geht es um den Kontext und um die Abwechslung. Nin geht sogar soweit und spricht von Magie – etwas, das man weder begreifen, noch erklären oder erfassen kann. Anais Nin spricht mir in vielerlei Hinsicht aus der Seele. Während des Lesens habe ich häufig innehalten müssen, um nachzudenken, was Sexualität, Leidenschaft, Erotik und auch Liebe für mich bedeuten. Dabei ist mir (unter anderem) auch noch klarer geworden, warum ich so leidenschaftlich gerne als Escort arbeite:

Es sind die Abwechslung, die Verheißung und eben diese Magie der Erotik, die meinen Beruf so spannend für mich machen. Und diese Abwechslung, diese Verheißung und diese Magie erlebe ich nicht nur für mich selbst. Ich erlebe Sie auch mit meinen Kunden, welche vielleicht genauso empfinden wie ich und auch eben diese Form der Lust und der Sexualität in ihrem Leben suchen und die wir gemeinsam in unseren Abenteuern finden.

Das bedeutet es Escort zu sein. Man ist gleichzeitig Inspiration und Muse, ein Objekt der Begierde und die Begehrende. Man gibt und empfängt das Feuer der Leidenschaft, lebt seine Fantasie aus und hilft anderen beim Ausleben der eigenen Fantasie. Man ist nichts Alltägliches sondern sucht Erfüllung im Einzigartigen. Und jeder Kontakt ist einzigartig, jeder Sexualpartner etwas Besonderes. Und so mischt sich in meinem Leben als Escort das sexuelle Geschehen mit allem: Mit Tränen, mit Gelächter, mit Worten, Versprechungen, Szenen… allen Gewürzen der Angst, der Reisen in ferne Länder, der neuen Gesichter, der Romane, Geschichten, Träume, Phantasiegebilde, der Musik, dem Tanz und dem Wein. Das tut es teilweise tatsächlich und teilweise in der Fantasie – und immer ist es eine Bereicherung und eine Inspiration, sowohl für mich als auch für meine Kunden:

„Mehr als durch irgendeinen Menschen meiner Bekanntschaft haben wir durch sie erfahren, wie falsch es ist, das Geschlechtliche von der Emotion, dem Hunger, der Lust, der Begierde, von Stimmungen, Launen, persönlichen Bindungen zu trennen, die seine Farbe, seinen Geschmack, seinen Rhythmus, seine Identität verändern.“

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