Bilder blanker Geschlechtsteile - wer kennt sie nicht? Oft sind sie Teil eines heißen Onlinechats, aber leider kommen sie viel zu oft auch komplett ohne Ankündigung und von Personen die man noch nicht einmal persönlich kennt.
Whitney Bell hat in ihrem Leben schon das ein oder andere Schwanzbild bekommen. Einige Bilder wollte sie haben, die meisten allerdings hat sie bekommen, ohne danach gefragt zu haben. Und das findet sie nicht ok. Deshalb hat die junge Amerikanerin im April diesen Jahres die Ausstellung mit dem Titel 'I Didn’t Ask For This' (deutsch: Danach hab ich nicht gefragt) in L.A. eröffnet, in der rund 200 Bilder von Penissen ausgestellt wurden, die sie und andere Frauen ungefragt erhalten haben. Der Ausstellungsraum, der einer Wohnung nachempfunden war, wurde so konzipiert, wie es im richtigen Leben auch ist - Man ist nirgendwo sicher vor ungewollten Penisbildern, sie sind alltäglich wie die eigenen vier Wände. In einem Interview sagt die Künstlerin, dass die Idee zu der Ausstellung kam, als sie eines Tages (auf Nachfrage) ein wunderschönes Bild eines Penisses geschickt bekommen hat und eine Freundin zu ihr sagte: Dieses Bild ist so schön, es gehört eigentlich in ein Museum.
Penisbilder sind toll! Aber bitte nicht ungefragt.
Ja, das ist richtig. Whitney Bell ist keine Penishasserin und sie hat auch nichts gegen Schwanzbilder. Sie möchte diese nur eben nicht ungefragt zugeschickt bekommen, von einem Mann, den sie noch nie gesehen hat oder einem verkappten Date. Sie macht sich stark für Weiblichkeit in jeder Form, aber sie ist keine Männerhasserin. Sie ist für Gleichberechtigung. Aber, so die Künstlerin weiter, wenn sie sexy Bilder aufnimmt und diese verschickt, zeigt sie meist mehr als nur ihre Geschlechtsteile. Sie präsentiert sich als Person und sie denkt, vielen Frauen geht es ähnlich. Mit ihrer Ausstellung möchte sie, dass sich diese Männer schämen, die einer Frau ein solches Bild ungefragt zuschicken, ohne zu wissen, ob sich diese damit wohlfühlt oder nicht.
Der schmale Grat zwischen Flirten und Belästigung

Whitney Bell setzt sich für Gleichberechtigung von Männern und Frauen ein (c)
Whitney Bell
Sie selbst hat versucht zu ergründen, was genau so viele Männer veranlasst, Frauen ungefragt Bilder ihres besten Stückes zu zu schicken. Was sie herausgefunden hat, ist, dass es den meisten Männern nicht um Sex geht oder darum, mit den Frauen ein Date zu bekommen. Diese Männer wissen, dass die Reaktion nicht sein wird “Hey, geiles Bild! Lass uns auf ein Date gehen!”. Es geht ihnen dabei um die Demonstration ihrer Macht. Es macht sie an, dass sie eine Frau in diesem Moment dazu gebracht haben, einen Blick auf ihr blankes Geschlecht zu werfen. Und das ist eine Form der Belästigung.
Machogehabe im anonymen Raum
Es versteht sich von selbst, dass die moderne Kommunikationstechnologie vor allem mit der Option ständig vollkommen anonym zu agieren diese Belästigungen fördert. Von kaum einem der Männer, die schon mal ungefragt ein solches Bild verschickt haben, kann man erwarten, dass er auch im echten Leben, also abseits des virtuellen Raums, hinter einem Gebüsch hervor springen würde, um vor einer unbekannten Frau blank zu ziehen. Der amerikanische Anbieter für Onlinedating Match.com veröffentlicht jährlich Studien, die unter anderem das Schreibverhalten von Singles analysiert. Eine der Erkenntnisse war, dass ungefragte Penisbilder der Abturner Nummer Eins bei Frauen sind.
Am Ende geht es um nur um eines: Macht
Auf der Suche nach einem Grund dafür, weshalb Penisbilder ohne Anfrage verschickt werden, wurden in verschiedenen Foren Männer genau danach gefragt. Viele Männer bestätigten, dass es ihnen dabei um das Unterbeweisstellen ihrer Männlichkeit geht und sie sich auch darüber im Klaren sind, dass es sich dabei um eine Form der Belästigung handelt. Darüber hinaus wird argumentiert, dass es ein rein menschliches Verhalten sei, von sich auf andere zu schließen und man(n) davon ausginge, dass Frauen sich genauso wenig über ein kontextbefreites Penisbild entrüsten, wie sich ein Mann nicht von einem ungefragten Bild von Brüsten oder Vaginas angegriffen fühlt - das kennt man schließlich aus Pornos.
“Schick einfach ein Penisbild zurück…”
Ob man sich von dieser Art des Sexting angegriffen fühlt oder nicht und wie man damit umgeht ist sicherlich von Person zu Person unterschiedlich und dieses Beispiel wird auch in umgekehrter Geschlechterverteilung anwendbar sein. Die Künstlerin Whitney Bell hat jedenfalls ihre eigene Art auf ungefragte Penisbilder zu reagieren: Wenn Du ein ungefragtes Schwanzbild bekommst - schick einfach ein Schwanzbild zurück. Von einem schöneren, fotogeneren Schwanz. Ein Schwanz mit Zukunft (“A boy sends you an unsolicited dick pic… Send back a picture of a better looking dick. A more photogenic dick. A dick with a future.”).
Wie geht Ihr mit einer solchen Situation um? Fühlt ihr euch angegriffen? Oder habt Ihr schon mal ungefragt solche Bilder verschickt? Wie sind diese angekommen? Schreibt uns eure Meinung und Geschichten in die Kommentare, wir sind gespannt.