Das Leben im Club: die Heilung

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Selten wird über das Innenleben eines Clubs berichtet. Escort GodmotherOfSluts beschreibt den Club Alltag in ihrer nachdenklichen Geschichte. 

Der Club ist mein zweites Zuhause

Die ersten Monate waren vergangen. Die Außenwelt zog an mir vorbei, denn ich kannte nichts mehr, abgesehen vom Club, der schon zu meinem zweiten Zuhause zu mutieren vermochte und dem Leben mit 50 ehrgeizigen Frauen, die jeweils kein gutes Haar an den 49 anderen lassen konnten.

Das Leben im Club ist hart und keine gönnt der anderen auch nur einen einzigen Euro. Darum hieß es jeden Tag, so gut wie möglich für einen selbst zu nutzen und sich von allen anderen nicht beirren zu lassen. Es gab Tage, da fiel es schwer die anderen auszublenden. Es gab Tage, da flogen nur böse Worte und es gab Tage, da flogen auch Fäuste.

Zuhälter kamen wie Ameisen

Zuhälter kamen wie die Ameisen, versuchten uns alle vom arbeiten für sie zu begeistern. Doch eine Frau, die so viel über sich ergehen ließ, arbeitet nicht für andere. Mit dem Schmerz in ihrer Seele kämpft sie jeden Tag allein. Also warum dann für einen Mann arbeiten, der ihr Schutz verspricht und sie im Club selbst nicht beschützen kann? Der nicht genau in dem Moment da sein kann, wenn etwas passiert? Für Rache? Vergeltung? Nein. Dafür lohnte es sich nicht Geld zu zahlen, für das sie so geblutet hatte innerlich. Für das sie immer wieder ein kleines Stück innen drin zerbrach. Für das sie das tat, was sie nie hat tun wollen. Für das sie ihren Körper den Männern zeigte, die ihn sehen wollten und letztlich für das sie ihre Seele verkaufte.

Sie schlug sich alleine durch

Kein Preis war höher als der, den sie eh bereits gezahlt hatte. Darum erschien sowas wie ein Zuhälter ihr nicht sinnvoll. Sie schlug sich alleine durch, jeden Tag wieder. Und alles, was sie bisher kannte, verschwamm und ihre Vergangenheit wurde nur noch eine erleuchtete Erinnerung an Zeiten, in denen das Leben noch voll von Freude war, in denen man ihr Liebe gezeigt hatte und in denen man die Tage noch genoss. Jetzt waren diese Zeiten nur noch eine blasse Erinnerung, denn sie hatte so viel Böses gehört und gesehen, was ja immer wieder präsent war. Jetzt waren andere Zeiten angebrochen. Das Böse hatte einen Weg in das kleine, behütete Mädchen gefunden und seinen tief eingebrannten Platz in ihr bekommen..

Die Tage im Club waren gezählt

Und sie wurde schwächer. Sie merkte, dass sie nicht mehr lange durchhalten würde. Die Tage im Club erschienen ihr so ewig. Die Stunden wurden so lang, dass sie kaum zu vergehen schienen. Sie wehrte sich gegen ihre Müdigkeit, gegen ihre innere Unruhe, gegen all das Böse, was sie nachts in ihren Träumen verfolgte und stand trotzdem morgens auf mit einem Lächeln, weil genau jenes immer wieder von ihr erwartet wurde.

Lächelst Du nicht, kommst du nie hier raus

“Lächelst du nicht immerzu, kommst du nie hier raus”. Das waren die Worte, die sie an ihrem ersten Arbeitstag gesagt bekam. Und obwohl die anderen Frauen kein Wort mehr mit ihr wechselten, weil sie mehr Geld verdiente als sie und sie sich damit sehr unbeliebt gemacht hatte, ohne es wirklich zu wollen, klangen diese Worte immer wieder in ihr nach.

Sie merkte, dass ihr Charakter keine Bedeutung mehr hatte. Ihr Inneres war an diesem Ort nicht wichtig. Sie begann sich immer mehr aufzugeben und dann … eines Abends … natürlich war sie wieder im Club, denn sie hatte den Bezug zur Außenwelt längst verloren … sah sie ihn. Ein Mann, wie sie ihn zuvor nie gesehen hatte.

Er war nicht viel größer als sie, wenn sie mal keine High Heels trug. Blondes Haar, 6mm lang, vielleicht auch etwas länger. Die hellsten Augen, die sie seit langem gesehen hatte. Es war, als würde er in sie hinein sehen. Er schien so stark, so unbesiegbar, so ungebrochen. Sie sah ihn im Whirlpool sitzen und die Faszination hatte sie so eingenommen, dass sie die Arbeit Arbeit sein ließ und sich zu ihm setzte.

Ich sehe Dich

Er war der Unbekannte, aber als er ihr in die Augen sah, sah er sie und nicht das, was sie vorgab zu sein. Sie sprachen nicht und doch schien es, als würde er bereits alles wissen. Nach einer gefühlten Ewigkeit tiefen Blickkontakts nahm er sie in den Arm und flüsterte ihr zu: “Ich sehe DICH und ich werde dich hier raus holen, damit du Frieden findest. Danken kannst du mir später.”

 

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3 Kommentare

  1. GodmotherOfSluts on

    Es geht nicht darum, dass der Mann der Ausweg war, sondern dass da jemand war, der in so einem Umfeld mal was anderes von sich gegeben hat als “Uhh, geiler Arsch”. Jemand, der sich für die Frau hinter der Fassade interessiert hat.

  2. MonCharlie on

    Eine sehr bewegende Geschichte… Und romantisch 🙂 Ich persönlich finde es ein bisschen sehr pathetisch, dass ein Kerl als Retter der einzige Ausweg ist. Aber vll hat es ihr an Mut gefehlt alleine für sich eine Veränderung anzustoßen… Mit dem richtigen Menschen an der Seite ist alles einfacher und schöner… Mich hat vor allem die nicht vorhandene Kollegialität im Club erschreckt… Warum ist das so? Ist das immer so krass?

  3. Fällt einem echt nüscht anderes mehr ein als Option im Leben, dass man in so einem Scheiß verharrt obwohl man sich mitkriegt und ja weiß, dass man dabei ist zugrunde zu gehen?
    Pretty Woman 2.0?
    Ist sie je von ihm weggekommen?
    Ich hoffe sie hat sich selbst mal wieder, unabhängig von Männern der Marke Sithlord oder Jediritter, gefunden.

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