Kunst-Ausstellung über Sexarbeit in Berlin: Objects of Desire

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Vor wenigen Tagen eröffnete die Ausstellung über Sexarbeit „Objects of Desire“ im Schwulen Museum (SMU) in Berlin. Eine beeindruckende Ausstellung über Sexarbeit und SexarbeiterInnen!

Objekte des Begehrens sprechen für sich

Es gibt Ausstellungen, die hinterlassen keinen nachhaltigen Eindruck. Ganz anders sieht es mit dieser Ausstellung aus, die Objekte von SexarbeiterInnen zeigt und sie zum erzählen bringt. Die Idee hinter der Ausstellung ist denkbar gut: es gibt auch in Deutschland eine dominante Erzählweise über Sexarbeit und Prostitution. Sie besteht aus zwei Positionen: entweder wird über ausgebeutete Opfer gesprochen oder über selbstbestimmt handelnde Akteure. Diese Ausstellung allerdings zerschmettert diese saubere Unterscheidung, indem sie die Objekte des Begehrens von mehr als 40 SexarbeiterInnen zum Sprechen bringt. 

Über 40 Geschichten von Sexworkern

Da ist zum Beispiel eine kleine schwarze Tasche – die 7 Euro Tasche. In ihr finden sich Feuchttücher, Kondome, Gleitmittel, Haarspangen, Eyeliner, Haarband und ein Lippenkonturen Stift. Man könnte auch sagen, daß Taschen ein absolut notwendiges Utensil von Sexarbeitenden ist. In manchen findet sich auch Pfefferspray. 

In einer Ausstellungsvitrine steht ein Paket Waschpulver. Die Geschichte dahinter ist, daß in Aufenthaltsräumen von Bordellen fortwährend Wäsche gewaschen wird und das Hintergrundgeräusch der Maschinen recht einlullend ist. Im Aufenthaltsraum kann man sich gut mit Kolleginnen austauschen und voneinander lernen. 

Mit High-Heels in die Pedale

Für manch eine mobile Sexarbeiterin ist ein Arbeitsmittel das Fahrrad, mit der sie zu ihren Kunden fährt. Beim Fahrrad der Sexarbeiterin Emy Fem sind die Pedalen etwas modifiziert worden, damit man mit den High Heels nicht abrutscht und bequem radeln kann. Zu sehen in in dem Film „How to Ride Your Bike in Latex“, der die Ausstellung begleitet. Das ist mal eine schöne Abwechslung. Nicht alle Sexworker haben einen Fahrer oder fahren bei Haus- oder Hotelbesuchen mit Taxi oder U-Bahn zu ihren Kunden.

Auch erzählen alle Objekte eine ganz eigene Geschichte, manchmal auch eine traurige, wie die über das Messer, das ebenfalls ausgestellt ist. Dazu erzählt ein Sexworker: „Das Objekt, das ich am meisten mit der Sexarbeit verbinde, ist ein Messer. Ich wurde von einem Mann angegriffen, dem ich auf der Strasse begegnete. Es stellte sich heraus, daß er bereits Sexarbeiter umgebracht hatte… Aus diesem Grund hab ich aufgehört, in diesem Job zu arbeiten.“

Der Analtunnel erzählt

Wenn Ihr mehr über die ausgestellten Taschen, Analtunnel, Kleidungsstücke, Parfums, Schuhe, Fetischklamotten, Spiegel, Klimbim und Feuerzeuge und ihre Geschichten dahinter erfahren wollt, führt kein Weg an dieser Ausstellung vorbei. 

Der englischsprachige Ausstellungskatalog ist im SMU erhältlich, reich bebildert und sehr informativ, insbesondere was das Konzept der Ausstellung betrifft. 

Die Ausstellung läuft noch bis zum 1. Juni 2019! 

Die Öffnungszeiten sind folgende:
So, Mo, Mi & Fr 14-18 Uhr, Sa 14-19 Uhr, Do 14-20 Uhr – Dienstags geschlossen
Der Eintrittspreis beträgt 7,50€ (4€ ermäßigt)
Deutsch- und englischsprachige Führungen finden zwischen dem 9.3. und 30.6.19 statt.
schwulesmuseum.de
https://www.schwulesmuseum.de/ausstellung/objects-of-desire/

Also bei Eurem nächsten Berlin Besuch bitte vormerken! 

Ausserdem wird die Ausstellung von einem fantastischen Rahmenprogramm begleitet, mit Performance Abenden, Workshops und dem Highlight der Saison – der Parade vor dem Internationalen Hurentag am 1. Juni 2019.

 

1 Kommentar

  1. Großartig das du berichtest und wie schön, dass alle Seiten beleuchtet werden. Freue mich schon auf meinen nächsten Berlin Besuch, da werde ich vorbei schauen!

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