Safer Sex: die Erhöhung der Sicherheit

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Gastautor Thomas-H hat für Euch einen sehr informativen Beitrag zu unserem Safer-Sex-Monat auf Kaufmich geschrieben. Ein wirklich lesenswerter Text, der nachdenklich macht. Liest selbst und teilt uns Eure Meinung im Kommentarbereich mit!

 

Mit dem Aufkommen von Aids in den Achtzigern des letzten Jahrhunderts wurde auch Safer Sex Thema. “Safer” ist ein Komparativ, eine Steigerung – nicht jedoch Superlativ, also kein Maximum. Es geht demnach nicht um safest Sex, sondern nur um eine Erhöhung der Sicherheit weg vom Punkt der absoluten Unsicherheit. Wie stark diese Erhöhung auszufallen hat, der Sex also sicherer werden soll, ist dem Ursprungsbegriff zunächst nicht zu entnehmen.

Keine absolute Sicherheit

Es gibt keine absolute Sicherheit. So jedenfalls lautet die Parole aus der Politik, wenn an Gesetzgeber, Behörden und Justiz die Forderung gerichtet wird, mehr für die Sicherheit der Bevölkerung vor Kriminalität zu tun. Das Argument ist nicht ganz von der Hand zu weisen. So ziemlich das einzig sichere im Leben ist, daß es irgendwann endet.

Natürlich möchte ich gerne hundert Jahre als werden. Was ich aber gar nicht möchte ist, daß sich mein Leben heute schon so anfühlt, als hätte ich dieses Alter bereits jetzt erreicht. Dabei ist ein befriedigendes Sexleben ein relevanter Faktor. Sex allerdings bringt das Risiko von sexuell übertragbaren Krankheiten, speziell eben Aids mit sich. Dabei sind einige Spielarten viel riskanter als andere.

Ansteckungsrisiken

Ohne Kondom sind Vaginalverkehr und Analverkehr im Hinblick auf HIV mit einem beachtlichen Ansteckungsrisiko behaftet und für mein Empfinden macht beim Vaginalverkehr die Verwendung eines Kondoms keinen wesentlichen Unterschied. Ganz anders jedoch beim Oralverkehr. Nicht nur ist hier die Wahrscheinlichkeit, sich mit HIV zu infizieren kaum größer als die, von einem Meteoriten erschlagen zu werden. Vor allem aber verliert orale Stimulation durch die Verwendung eines Kondoms für mich als passiv Beteiligten ganz spürbar an Intensität. Oralsex mit Kondom sieht zwar noch so aus wie Sex, fühlt sich aber kaum noch so an.  

Sex ist eine höchstpersönliche Angelegenheit

Risiken sind Teil des Lebens. Wir können sie einschätzen, klein halten oder auch bewußt eingehen. Vor allem wägen wir ab, ob der erwartete Nutzen ein erkennbares Risiko wert ist. Diese Entscheidung ist, gerade wenn sie mit der Sexualität den intimsten Bereich des Lebens betrifft, in meinen Augen eine höchstpersönliche Angelegenheit.

Leider sieht der Gesetzgeber das anders. Zumindest dann, wenn beim Sex auch Geld im Spiel ist. Die gleichen Politiker, die eben noch beim Thema Kriminalitätsbekämpfung Beschränkungen der Freiheit ganz unerträglich finden, scheuen sich dann nicht, in den Intimbereich erwachsener Menschen massiv hineinzuregieren und die Freiheit dort zugunsten von mehr Sicherheit hintenanzustellen. Der Staat wird zur Gouvernante.

Der Staat als Gouvernante

Das Inkrafttreten des Prostituiertenschutzgesetzes (ProstSchG) hat für mich als Interessent an Oralsex ohne Kondom zwei Konsequenzen. Die Anzahl der Anbieterinnen der von mir nachgefragten Dienstleistung ist sehr viel kleiner, die Dienstleistung selbst doppelt so teuer geworden. Paysex hat für mich damit enorm an Reiz verloren und dementsprechend seltener nehme ich heute sexuelle Dienstleistungen noch in Anspruch. Unter dem Strich gebe ich seit dem 01.07.2017 nur noch rund die Hälfte dessen für Paysex aus, was ich vorher in dieses Vergnügen investiert habe.

Ich bin der Überzeugung, genau dies ist die eigentliche Zielsetzung der Kondompflicht im Prostituiertenschutzgesetz. Es wird zum Prostitutionsvergällungsgesetz, das die Verdienstmöglichkeiten für Anbieterinnen verringern und sexuelle Dienstleistungen für Kunden unattraktiver machen soll. Mission erfüllt.

 

3 Kommentare

  1. Neo …. es geht ja auch um Zwänge.
    Jede Escort kann sich jetzt ( endlich ) auf ein Gesetz berufen und muss sich keinen gesundheitlichen Gefahren oder respektlosem Verhalten wie mangelnder Hygiene aussetzen. Sie kann den Gast freundlich auf das bestehende Gesetz hinweisen und ihm eine Tüte überziehen.
    Es sind meiner Meinung ja die Männer die Sex ohne Schutz suchen und welche Frau, sofern sie selbstbestimmt handelt, möchte sich Gefahren aussetzen oder stinkende Lümmel blasen .
    Sicher gab es schon immer Geschlechtskrankheiten und immer waren die Huren an der Verbreitung schuld … jetzt gibt es endlich ein regulierendes Gesetz.

  2. Gut erkannt dass der Staat es uns allen im Paysex Bereich schwerer machen möchte.

    Aids ist nur EINE sexuell übertragbare Krankheit, zum Schutz der Oralsex anbietenden vor Gonorrhö und Syphilis sollte Safer Sex auch bei Oralsex Standard sein. Auch weil viele Erkrankungen symptomlos / symptomarm verlaufen und man es dem Gegenüber nicht ansieht.
    Ich empfehle die Lektüre des Taschenbuchs ” sexuell übertragbare infektionen ” der Deutschen AIDS Hilfe.

    Davon abgesehen gibt es viele Männer die es mit der Hygiene leider nicht so genau nehmen und welche Frau möchte schon einen nach alten Käse riechenden Lümmel ohne Schutz in den Mund nehmen.

    • Savina52 …also weil eine Frau einen möglicherweise schlecht riechenden Lümmel nicht ohne Schutz in den Mund nehmen möchte, muss der Staat eingreifen? lol
      Gonorrhö und Syphilis gab es ja auch schon vor dem 1.7.17.

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