So war der Hurenkongress 2018

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Am 28./29. September fand der Hurenkongress in Berlin statt. Der Berufsverband für erotische und sexuelle Dienstleistungen BesD hatte eingeladen. Rund 150 SexarbeiterInnen waren gekommen! 

Gefeiert wurde auch 5 Jahre Berufsverband

Der BesD hatte eingeladen und viele waren gekommen. Es war eine Sexworker only Konferenz, die an 2 Tagen dutzende interessante Workshops anbot, mit Themen, die den SexarbeiterInnen auf der Seele brennen. Gefeiert wurden auch 5. Jahre Berufsverband, mit einer anschliessenden Party, mit Showprogramm, cooler Musik und super guter Stimmung.

Wie schütze ich meine Grenzen

Am Freitag standen etliche Workshops auf dem Programm: Von Selbstverteidigung bis Sexualbegleitung. Diese und mehr könnt Ihr auch im Programm zur Hurenkonferenz nachlesen. Ich hatte mich für den Workshop Self Care/Psychohygiene angemeldet und wollte mehr darüber erfahren, wie man sich vor Grenzüberschreitungen schützen kann. Zum Beispiel bei privaten Fragen, wie die nach dem Klarnamen. Wo fange ich an, mich abzugrenzen? Schon im Vorgespräch, in einer Email oder erst vor Ort, wenn man mit dem Kunden aufeinandertrifft? Auch ging es um die Frage, wie man Sexarbeit langfristig ausüben kann, ohne sich ein Burn Out einzuhandeln. 

In dem Workshop konnte man lernen, dass man nichts anbieten soll, was man nicht will. Dabei sollte man sich darüber klar werden, welcher Bereich der Sexarbeit der richtige ist. Sinn macht es auch, eine Kunstfigur anzulegen und sich einer Rolle zu verschreiben, die man vorher klar definiert und als SexarbeiterIn lebt.

Hilfreich ist es auch, ein Stück Normalität im Alltag zu leben, mit Familie, Partnerschaft, sozialen Kontakten, die einen erden. Interessant fand ich auch die Erfahrung, dass man als SexarbeiterIn im Privatleben nicht „verfügbar“ ist und sich auch zuhause abgrenzen sollte. Man sollte frühzeitig lernen, nur zu tun, was einem gut tut. 

Wichtige Rituale, die täglich dabei helfen, stark zu bleiben, wurden auch diskutiert. So ist es wichtig, einen Anker zu haben wie bspw. ein Hobby. Meditation und Achtsamkeitstraining wurden auch genannt, um mental im Gleichgewicht zu bleiben. Hilfreich ist ausserdem der kollegiale Austausch. Wer es sich leisten kann, sollte auf ein eigenes Hotelzimmer bei einem Overnight bestehen, damit man einen Rückzugsraum hat, der zugleich ein Schutzraum ist.

Dirty Talk: Erotische Suggestionstechniken

Ein weiterer Workshop, der die Stimmung „erhitzte“, fand zum Thema Dirty Talk statt. Hier ging es um erotische Suggestionstechniken, jenseits von tödlichen Klischees und niveaulosen Talk. Viele Fantasien sind in der Realität nicht umsetzbar. „Spritz auf meine Titten“ zeigt zum Beispiel ein Machtgefälle an, wo die Sexarbeiterin es in der Hand hat, Safer Sex durchzusetzen. 

Ein Tip für Dirty Talk ist es auch, die Sprachmelodie zu ändern und leiser zu sprechen.

Auch bei Dirty Talk gilt Respekt und Einvernehmlichkeit; dies ist Voraussetzung für jedes Rollenspiel. Und ein Rollenspiel ist Dirty Talk natürlich, wie beim Ageplay Lehrer/Schülerin. Workshopleiterin Undine beschrieb den erregten Zustand auch als Trance- und Flowzustand, der durch Dirty Talk ausgelöst werden kann.

Dirty Talk ist ein Tabubruch, bei dem oftmals Kraftausdrücke verwendet werden. Dies ist allerdings nicht jederfrau Sache. Man kann über Sex sprechen und alle Sinne anregen, indem man sich gegenseitig erotische Geschichten ins Ohr flüstert. Dies wurde dann auch ausgiebig geübt, mit und ohne Kichern und mit sehr viel Ernsthaftigkeit. 

Barcamp: wer spricht für wen

Der zweite Tag wurde als Barcamp veranstaltet. D.h. jeder konnte Themen einbringen und dazu einen Workshop veranstalten. Zur Auswahl standen

– Privilegien in der Hurenbewegung
– Professionalisierung der Sexarbeit
– Chemsex/STI
– Training Schlagfertigkeit
– Porno
– Coming Out

Dazwischen wurde für das leibliche Wohl gesorgt. Ein wirklich gelungener Kongress mit interessanten Gesprächen und tollen SexarbeiterInnen. Man wünschte sich, dass es öfter solche Zusammentreffen gibt, um voneinander zu lernen und Erfahrungen weiter zu geben. Ich bin jedenfalls gespannt auf das nächste Mal!

Wer von Euch war bei der Hurenkonferenz und hat es Euch gefallen? Welche Workshops habt Ihr besucht und welche neuen Erkenntnisse habt Ihr gewonnen? Teilt Eure Meinung hier im Kommentarbereich.

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