Über Muttis, die anschaffen

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Mutter zu sein und nebenbei als Escort zu arbeiten, ist ein Thema, über das selten gesprochen wird. Dabei sind viele Sexworker Mütter. In unserem Gastbeitrag spricht Bex vom Kaufmich Team den Müttern unter den Escorts ihren vollsten Respekt aus. An die Mütter unter Euch: wie schafft Ihr es Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen? Teilt uns gerne Eure Erfahrung im Kommentarteil mit.

Als einen ersten Eintrag von mir hier ein solches Thema zu nehmen, ist vielleicht etwas gewagt, aber das beschreibt mich ganz gut: etwas wagen. Und im Grunde geht es auch bei diesem Thema darum: etwas wagen.

Ich bin Mutter; alleinerziehend, seitdem mein Kind 4 ist. Es gibt einen Papa, aber gleichzeitig könnte es ihn auch nicht geben. Es würde keine Rolle spielen. Nun ist das Kind 15, in seiner vollen pubertierenden Phase und auf dem Weg, ein toller Kerl zu werden. Ich arbeite Vollzeit, habe zwischendurch auch 2 Jobs gehabt, um über die Runden zu kommen. Das ist soweit nichts Gewagtes; stimmt. Ich habe mir auch nie groß Gedanken gemacht über Frauen in der Sexindustrie, weil ich damit nie wirklich in Berührung kam. Ich dachte immer, es reicht, wenn man tolerant eingestellt ist.

Jetzt arbeite ich für Kaufmich seit ca. 4 Jahren. Und es ist schon oft ein „eye opener“ gewesen für mich. Hier habe ich Mütter getroffen, die sich entschlossen haben, trotz dem sie alleinerziehende Mütter sind, auch dem Beruf der Escort nachzugehen. Das sind zum größten Teil Mütter, die sich sehr wohl bewusst sind, was es bedeutet, so einen Balanceakt hinzubekommen, damit es der Familie gut geht.

Wie sehr es da den eingefleischten Klischeedenkern in den Fingern und Köpfen jucken muss, sowas zu denunzieren. Allein schon alleinerziehend zu sein; da gilt man ja schon oft als Opfer, aber dann noch als Escort zu arbeiten. Zerfleischt sie!! Wie kann sie es wagen, nicht lieber 40 Std. arbeiten zu gehen, am Wochenende nicht noch einen Putzjob anzunehmen, um dann noch nach Hause zu kommen und den Haushalt zu führen und dafür am Ende des Monats ein Gehalt zu bekommen, welches direkt von der Hand in den Mund geht. Tja, Arzt oder Anwalt zu sein macht aber aus einem nicht eine bessere Mutter und der Job einer Escort macht keine schlechtere. Punkt!

Was ist mit der Zeit, die fehlt? Die unbezahlbare Zeit, die flöten geht bei so einem Marathon – wo die Kinder nichts von einer Mutter haben? Dann doch lieber als Escort vielleicht 2-3 Abende arbeiten und damit Geld verdienen, für das sie bei einem Vollzeitjob 1 Woche gearbeitet hätte. Und warum auch nicht?? Weil es um Sex geht? Weil es kein Job ist, den ich beim Ausfüllen einer Wohnungsbewerbung angeben kann, da es dann eh eine Absage gibt? Aber der Fiskus…der darf dafür kassieren? So reell ist der Job dann doch, ja?

Unfassbar, dass es im Jahre 2017 noch gerechtfertigt werden muss, sein Geld so zu verdienen, wie man es – auf legale Weise – möchte. Ich ziehe meinen Hut vor jeder alleinerziehenden Mama (ja, auch vor alleinerziehenden Vätern), die mit Vorurteilen kämpfen muss, die Rennereien hat, die Seelsorgerin ist und Putzfrau, die auch noch relaxed sein soll und am besten auch ihren Freundes- und Familienkreis pflegen muss.

Aber die Frau, die sich zusätzlich zum Job der alleinerziehenden Mama auch noch entscheidet, als SDL zu arbeiten, um der Familie die Zeit zu schenken, die ihr gebührt und dann auch noch auf die Gesellschaft pfeift und so was durchzieht – Hochachtung!!!  Auf dass Ihr die Vorbilder bleibt, die unsere Kinder brauchen. Danke!

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11 Kommentare

  1. Das Thema sollte vielmehr auch an die Öffentlichkeit getragen werden. Ich finde ebenfalls, diesen Mütter gebührt viel mehr Respekt.
    Ich bin selbst alleinerziehend und das was Mütter wie wir dort leisten, ist doch extrem und ich hoffe nur, dass alle dabei auch ein wenig Spaß haben.
    Wenn du dir denkst “Jetzt kommt noch ein Freier und dann holst du die Kleine ab” zeigt das doch, wie stark das ist.
    Dass es immer nur der Denkweise “Besser als an der Kasse zu sitzen” entspricht, sehe ich anders. Ich habe mich schon dabei erwischt, bei der Preisnennung in ein neues Paar Sandalen umzurechnen und mit dem Gewissen dem Kind gegenüber muss man leben können. Das hätte ich an der Kasse nicht. Aber mit der Arbeit an der Kasse komme ich nicht weit, und meistens macht der Pay6 eben doch mehr Spaß.
    Mehr Anerkennung für diesen (Neben)Beruf wäre wünschenswert.

  2. Also mal ganz ehrlich,
    ich finde den Spagat auch gewagt.
    Aber, ES ist das älteste Gewerbe der Welt, und auch ein Balanceakt.
    Allerdings sollte die Sichtweise anders sein !
    Die allermeisten Vorurteile entstehen in uns selbst. Sprich. ” wie denke ich über Jemanden, der das macht?”

    Mir persönlich ist es egal, wie Jemand seine Brötchen verdient, es zeugt einzig und allein von Verantwortungsbewusstsein.

    RESPEKT

    Und…P.S.: Eine Frau darf und soll ruhig ein wenig “nuttig” sein.. das ist allein für mich wichtig.

    LG und einen sonnigen Tag Bernhard

  3. Sachsenengel on

    Die Tatsache, daß Mütter sich für Sex bezahlen lassen, hat viele Seiten !
    Ich für meinen Teil habe diesen Weg bewusst gewählt, da neben meiner normalen Arbeit (Teilzeit u in Schichten) ein NebenJob nicht machbar ist.
    Ich suche mir aber auch die Kunden aus, nehme nicht jeden u lasse mir auch ein Date aufdrängen nur weil Mann der Meinung sei, ich bräuchte das Geld 😅
    Ich gönne mir mit dem Geld Dinge, die man sich als alleinerziehende sonst nicht mal eben kauft…
    Wobei hier die Organisation wirklich das A und O ist. Ich mache nur Dates aus in der Zeit, wo ich nicht arbeiten muss u meine Kinder betreut werden, auch ziehe ich eine konsequente Grenze, damit meine Kinder davon nichts mit bekommen.
    U mal ehrlich, ich für meinen Teil habe gerne Sex u brauche dafür keinen Partner, aber Abwechslung 😊

  4. Ich finde es schade, dass die Mutterschaft in dieser Gesellschaft nicht mehr wert ist und mehr anerkannt wird und das es überhaupt eine Mutter nötig hat, arbeiten zu müssen. Ich finde, gerade die alleinerziehende Frau muss mehr unterstützt werden, schon alleine zum Wohle des Kindes und auch aus Achtung der Mutter gegenüber, welche ja die neue Generation großzieht. Klar, wenn jemand seinen Beruf (egal welchen) auch als Berufung sieht, dann soll die Frau halt arbeiten, auch wenn sie Kinder hat. Allerdings ist das halt in vielen Fällen nicht so romantisch, man arbeitet, weil man das Geld braucht. Ich habe selber keine Kinder, allerdings weiß ich, als Mutter muss man auch Löwin sein, besonders, wenn man alleinerziehend ist. Davor ziehe ich meinen Hut.

  5. Mütter, die anschaffen gehen? Gibt es jede Menge. Gerade wenn man möglichst einen Bogen um Professionelle macht und sich lieber mit der “Nachbarin von nebenan”, mit der typischen Hobbynutte trifft, ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich groß, einer Mutter zu begegnen.

    Besonders Osteuropäerinnen erzählen gern von ihrem Kind, das zu Hause bei der Oma wohnt, und für das sie anschaffen gehen, um ihrem Kind mehr bieten zu können, als es bei einem Job in der Heimat möglich wäre.

    Aber auch für viele deutsche Mütter ist das eine prima Gelegenheit, schnelles Geld zu machen. Eine Mutter hat doch viel mehr Zeit für ihr Kind, wenn sie eine Stunde lang Sex hat, anstatt acht Stunden an der Kasse im Supermarkt zu sitzen, und finanziell kommt dabei auch noch mehr heraus – und wenn sie Glück hat, trifft sie auch noch einen Mann, bei dem diese Stunde purer Genuss und Entspannung ist und eigentlich gar nicht “Arbeit” genannt werden kann.

  6. Vielen Dank für die Blumen. Es freut mich, wenn Euch das lesen Spaß gemacht hat.

    Und ja… es wurden bereits in der Vergangehnheit andere Artikel geschrieben darüber, aber kann man je zu viel oder zu oft über dieses Thema schreiben? Es gehört in die Köpfe der Menschen eingebrannt!

    Ein schönes WE und gehabt Euch wohl, Ihr Lieben!!

    LG
    Bex

  7. Von mir auch “Hochachtung” und ein dickes Dankeschön. Habe gerade mit alleinerziehenden Mamis schon schöne Stunden im Pay6 erlebt. Außerdem kann man Sie oft zu Hause besuchen. Für beide eine Win-Win-Situation.

  8. Hallo Bex,
    genau SO sieht es aus!
    Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.

    Allerdings wird über das Thema gar nicht sooo selten geschrieben.
    Guckst Du hier:

    https://www.kaufmich.com/Rosi1976/blog/Armutsprostitution_in_Deutschland__Bei_Dir_nebenan_
    https://www.kaufmich.com/SonjaSchulz/blog/Hure_und_Mutter_sein__No_go_oder_Herausforderung

    Super in diesem Zusammenhang, die Meinung einiger Männer *g*, weil sie sich ja so prima in uns Mütter reinversetzen können.

    Lg Rosi

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