Ich bin als Domina sehr spielfreudig und treffe mich oft an ungewöhnlichen Orten. In Anfragen oder bei persönlichen erstkontakten werde ich oft gefragt, wie ich denn das mit dem Lärm handhabe.
Ich denke, dass da besonders die Unerfahrenen einem Irrtum aufsitzen: Dominanz an sich ist nicht laut. Sie ist fühlbar, wie ein Knistern im Raum oder ein kühler Luftzug im Hochsommer. Dominanz ist weder laut, noch brutal, noch blutrünstig. Dominanz ist eine Haltung, ein bestimmtes Charisma, eine gewisse Größe in der Persönlichkeit. Sie kann leise wie ein Blatt im Herbst herabfällt über dich kommen, sie kann dich mitten ins Gesicht treffen wie ein Hagelschauer, die kann dich frieren lassen oder schwitzen.
Leider werden die Begriffe der klassischen strengen Zunft in letzter Zeit sehr stark kommerziell verwässert und dadurch wohl auch das Klischee verfestigt, wie Dominanz zu sein hat, primitiv, grobschlächtig, häßlich, unpersönlich, unnahbar, arrogant, ja respektlos. Ich kann mit diesen Schubladen einfach nichts anfangen. Meiner Meinung nach kann man zwar lautes Posing betreiben und sich aufführen, wie die Axt im Wald und trotzdem nicht einen Funken ernst zu nehmender Dominanz im Leib zu haben.
Klar, wenn ich einen Hammer habe, sieht alles aus, wie ein Nagel, aber ich habe ein Zimmer voller Werkzeuge und einen wachen Geist.
Aber jetzt bin ich vom eigentlichen Thema abgekommen, ich will in meinem ersten Blogeintrag ja nicht gleich ungut auffallen. Es ging ja um die Lautstärke: Man mag es kaum glauben, aber ich habe schon Session mit einem Gehörlosen ohne Implantat gemacht und nein, ich kann keine Gebärdensprache. Das klappt ohne ein Wort. Wie wäre das denn möglich? Und wenn ich mal Lust drauf hatte, habe ich auch schon Dates an sehr ungewöhnlichen Orten spielerisch genutzt, einmal hinter einer Präsentationswand im Vortragssaal einer Universität, wo wir zwar vollig ungestört und uneinsehbar, aber durch den Halleffekt gut hörbar gewesen wären.
Was uns zum letzten Punkt der modernen Klischees zum Thema Dominaz bringt, der mich beschäftigt: Dominanz ist dumm, riskant, unbedacht. Das ist doch völliger Unsinn. Wenn man bedenkt, wer sich überhaupt eine ausgefallenere Session mit einer ernst zu nehmenden Domina leisten kann, hat in der Regel so etwas wie eine "bürgerliche" Existenz. Die wenigstens sind reich genug, wirklich darauf pfeifen zu können, wie man sich öffentlich gibt. Daher steht einiges auf dem Spiel, wenn man sich seinen Leiden-schaften hingibt. Umso größer muß doch der Anspruch an die Herrin sein, ihre Verantwortung ernst zu nehmen, denn wenn ich glaube, ich habe das Risiko nicht im Griff, sage ich nein und nenne Alternativen. Wer zu mir kommt, ist in erster Linie ein Mensch mit einem Leben. Dominanz ohne Respekt ist gefährlich.


Hallo