Vater Staat zeigt sich mal wieder von seiner strengen, väterlichen Seite. Er verlangt noch mehr Offenbarung im Sinne unseres Selbstschutzes. Das scheint seit 9/11 gängige Praxis zu sein. Vorratsdatenspeicherung, NSA-Skandale, BND sind die Ergebnisse eines paranoiden, misstrauischen Regierungsapparates, der hinter seiner scheinbar edlen Absicht uns vor Terrorangriffen zu schützen, uns ausleuchten will wie eine Neonröhre unliebsame Dellen am Oberschenkel.
Nun sind Prostituierte an der Reihe. Sie müssen vor niederträchtigen Menschenhändlern und grausamen Zuhältern beschützt werden. Es gäbe ja laut Frauenrechtlerinnen keine freiwilligen Prostituierten und wenn doch, seien sie durch Schulden oder Armut indirekt dazu gezwungen.
Nun schickt sich der Staat an auch diese Angelegenheit in den Griff zu bekommen, was er angesichts seiner wachsenenden Inkompetenz, sicher wieder vermasseln wird.
Der künftige Gesetzesentwurf sieht vor, dass Prostituierte sich amtlich registrieren lassen müssen und regelmäßig einer Gesundheitsberatung beiwohnen. Damit will man der Zwangsprostitution entgegen wirken, denn laut Alice Schwarzer und so mancher Nörgler-Tante aus der SPD sind das so gut wie alle Prostituierten.
Wer dieser Pflicht nicht nach kommt, muss mit einem saftigen Bußgeld rechnen.
Ich rechne damit, dass viele Frauen dieses Bußgeld eher aufbringen werden wollen, als sich als Lustarbeiterin zu outen, denn wenn eine Prostituierte bei dem Finanzamt sich als Masseurin oder Trainerin ausgibt und auch nicht auf einer Dinner Party öffentlich ihren Job bekennen wird, dann wird sie das genauso wenig vor staatlichen Institutionen tun.
Denn dort werden ihre Angaben gespeichert auf Festplatten von Computern in öffentlich-rechtlicher Hand.
Viele Lustbegleiterinnen sind nebenbei Studentinnen oder motzen ihr Gehalt als Zahnarzthelferin mit dem Verdienst auf. Einige haben recht hohe Ambitionen, wollen vielleicht im Leben hoch hinaus, vielleicht sogar selbst eine Person des öffentlichen Lebens werden.
Und wer traut sich das schon, wenn man einmal als Prostituierte elektronisch erfasst wurde und eine öffentliche Bloßstellung fürchten muss, sei es durch einen Hacker-Angriff oder einfach nur fleißige Journalisten, die so lange recherchieren, bis sich dreckige Wäsche waschen lässt, denn darauf, dass meine Daten nicht einsehbar sind für Dritte, daran glaube ich nicht mehr.
Zuhälter werden ihre Girls, wie es in ihrem Naturell liegt, zwingen sich registrieren zu lassen. Natürlich dürfte die Frau dann nicht über ihre Arbeitsverhältnisse berichten, und das wird sie in den meisten Fällen auch nicht.
Ich schließe aus, dass Ramona, 19 Jahre jung, aus Rumänien stammend, der Dame vom Amt ihr Leid klagen wird und nach einem anderen Bordell fragt, in dem bessere Konditionen herrschen. Sie kennen diese halbseidene Welt nur und werden dementsprechend wie ein Blinder, der nur Schwarz als Farbe kennt, in den seltensten Fällen nach besseren Möglichkeiten Ausschau halten und den Zuhälter anschwärzen.
Prostituierte zahlen in der Regel Steuern und auch für die Krankenkassenbeiträge geht so einiges ab. Manche verdienen nicht mehr als 1700 Euro im Monat, nörglen aber im Gegensatz zu Lehrern und Piloten in Form von Streiks nicht rum, sondern ertragen still ihr Leid. Sich mit anderen Leidensgenossinnen deswegen zusammen tun und protestieren liegt ihnen fern, denn auch das käme einer Selbstoffenbarung gleich.
Die teilweise niedrigen Löhne kommen durch das Überangebot zu Stande, vor allem durch junge Frauen aus Bulgarien und Rumänien und die "Krisen" unserer dämlichen Finanzwirtschaft, die den Männern suggerieren, den Gürtel enger zu schnallen.
Da bezahlen die Herren der Schöpfung lieber für "Bianca", 21 Jahre alt, schwanzgeil, tabulos, große Titten, aus Bulgarien 30 Euro für einen Fick als für "Klara", aus Deutschland stammend, ran und schlank, nebenbei Studentin, aber 60 Euro.
Oder mehr. Sie vergessen aber, dass sie einen menschlichen Körper kaufen und keine Pizza.
Aber an die Vernunft der Freier kann man wohl kaum appellieren. Diejenigen, die Bianca 30 Euro zustecken, wahrscheinlich 30 Euro drauflegen für Vögeln ohne Schutz, interessieren die Zuhälter im Hintergrund nicht und auch nicht, dass Bianca ein Veilchen im Auge hat und nur total zugekokst ihre Arbeit machen kann.
Der Staat wird im Zuge dieses Gesetzes, noch mehr Kontrollen einführen. Das bedeutet, dass neben gelegentlichen Steuerfahndungsbesuchen und Polizeikontrollen diese Art der Kontrolle auf Bordelle und Laufhäufer zu kommt.
Da vergeht einem gewaltig die Lust...
Wir wissen - die Kriminellen der Unterwelt sind schlau genug, auch das Gesetz zur Registrierungspflicht zu umgehen. Die ehrlichen Bordellberteiber werden von den Kontrollen stärker betroffen sein als die bösen Jungs aus dem Rotlicht.
Sinnvoller dagegen wäre es, Flatrate-Bordelle gänzlich zu verbieten und eine Art Mindestlohnregelung für den Markt zu entwerfen. Das wäre umsetzbar und käme den Damen zu Gute, denn höhere Preise sind ein effektiver Schutz, indem es die Nachfrage abbremst.
Und mit sinkender Nachfrage erwirtschaften die Zuhälter weniger. Dazu gehört auch, Straßenstriche, die Sex zum Hartz-4-Tarif anbieten, zu schließen, sowie sämtliche Läden, die sich mit dem Motto "Geiz ist geil" dumm und dämlich verdienen.
Sex ohne Kondom sollte sanktioniert werden und es spricht nichts gegen verdeckte Ermittlerinnen, die Freier dann aufdecken und sie ordentliche Geldbußen bezahlen lassen.
Es darf nicht darin ausarten, dass Prostituierte sich noch mehr entblößen müssen als ohnehin schon und im Zweifelsfall Geldbußen bezahlen müssen und kriminalisiert werden.
Man muss die Freier genauso belangen, denn ohne Männer, die die Mädchen aus dem Armenhaus Europas in Flatrate-Bordellen, Straßenstrichs und illegalen Bordellen kaufen, gäbe es dieses ganze Problematik nicht.


Liebe Maxime, danke für Deine sehr ausführlichen und deutlichen Schilderungen! Leider hast Du so recht...und viele Frauen werden gezwungen sein..um nicht "zwangs-geoutet" zu werden...wieder in die Illegalität abzutauchen! Was sich als Gesetz zum "Schutz" der Frauen ausgibt...bewirkt also exakt das Gegenteil: Frauen, die dieses "Hobby" selbstbestimmt und selbstbewußt nebenbei oder Haupt-beruflich ausüben möchten...weil sie sich dafür entschieden haben...werden also stigmatisiert, gejagt und diffamiert werden...und wie Kriminelle in Polizei-Computern registiert werden..ohne das geringste Vergehen! Und was viele Männer leider auch noch nicht begriffen haben..es wird auch SIE betreffen...denn der Staat beginnt im 21. Jahrhundert wieder, die "Moralkeule" zu schwingen..und den Menschen vorzuschreiben, wie sie zu leben und zu lieben haben..und wehe dem, der sich nicht dieser staatlichen Moral unterordnet...er oder sie wird in Zukunft...unter Aufhebung der Verfassungs-mäßig registierten Grundrechte wie zum Beispiel "Unverletzbarkeit der Wohnung" auch im privatesten Rückzugs-Raum erfaßt, kontrolliert und verfolgt werden! George Orwells "1984" wird - mit den heutigen Möglichkeiten die der Staat hat - dagegen nur eine "softe Horor-Vision" sein....gute Nacht, Deutschland! Wer steht endlich dagegen auf...das ist nur der Anfang...wenn einigen Menschen ihre Bürgerrechte aberkannt werden..ist das nur der Beginn! Wann stehen Organisationen wie Hydra etc. endlich dagegen auf...und klagen bis vors Bundesverfassungsgericht gegen die Aushebelung der Grundrechte?????
Die Hexenverfolgung wird leider vermutlich nie enden...Jede ist sich selbst ihr eigener Robin Hood ! ;-) Genau das frage ich mich auch Marie Rose warum klagen die Sexworker Verbände und Gewerkschaften nicht?
Hallo ishtar, deine Frage ist relativ leicht zu beantworten. Gegen ein Gesetz vor dem Verfassungsgericht klagen kann man erst, wenn dieses Gestz verabschiedet und mit Veröffentlichung in Kraft gesetzt wurde. Und eine Verbandsklage ist auch nicht möglich. Es müssten sich also couragierte SDL finden, die sicher mit Unterstützung von bspw. Hydra, gegen dieses Gesetz vor dem Verfassungsgericht klagen.
Hexenverfolgung ist ein gutes Stichwort. Ich werde als Frau irgendwie immer stigmatisiert: Wenn ich als Mutter viel arbeite, heisst das ich bin eine Rabenmutter, wenn ich die 40 überschritten habe, bin ich ´ne alte Schachtel und wenn ich trotzdem noch gut aussehe, habe ich doch was machen lassen, wenn ich Spaß am Sex habe und mich dahingehend gerne amüsiere bin ich eine Schlampe. Wenn ich eine Prostiuierte bin, dann wahrscheinlich unter Zwang durch einen Zuhälter mit einem hohen Schuldenberg und psychischen Problemen belastet. Grundsätzlich ist man Vorwürfen und Vorurteilen ausgesetzt, wenn man eine Frau ist. Noch schlimmer treffen Vorurteile Schwarze und Schwule. Wie John lennon sagte: The Woman is the nigger of the world.
Was man aber im Vorfeld schon tun kann, ist die entsprechende Petition gegen das Prostitutionsgesetz zu unterzeichnen, das geht auch anonym mit Künstlernamen. Vielleicht läßt es sich schon im Vorfeld aufhalten, zumal die Bundesregierung derzeit ganz andere Probleme haben dürfte, als dieses Gesetz.
Ich sehe grad, die Unterschriftensammlung ist schon beendet. http://berufsverband-sexarbeit.de/sexarbeiterinnen-boykottieren-geplante-registrierungspflicht/ Ich hoffe es bringt was.
1000 Unterschriften ist echt ein Flohhusten...
Nur so wenige? Traurig! Ich habe das Formular ausgedruckt, unterschrieben und abgeschickt ..... DAS hätte jede von uns tun sollen!
Ich habe es auch unterschrieben und dass es so wenig sind, ist nicht nur traurig , sondern himmelschreiend ! Da sieht man ganz deutlich wieder, wer diese Tätigkeit mit Herzblut ausübt und wem Alles egal ist....
das Problem ist eher dass viel zu wenige wissen was auf uns zukommt, deswegen vermutlich auch so wenige Unterschriften. Habe die Tage hier in Freiburg Aufklärungsarbeit in den Laufhäusern betrieben,da war weder eine SDL noch ein Betreiber dabei der von dem Gesetz schon gehört hatte !!!
Na dann gute Nacht ohne Worte ....
also ob es allerfrühestens im 2. HJ 2016 kommt, das möchte ich nicht unterschreiben. Der aktuelle Stand ist wohl so: „Voraussichtlich kann der Entwurf im ersten Halbjahr 2016 im Bundestag beraten werden“, sagte ein Sprecher des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. In Kraft treten würde es sechs Monate nach Verkündung im Bundesgesetzblatt. Darauf verlassen möchte ich mich nicht. Und auch wenn das Thema zur Zeit aufgrund der Dringlichkeit im Fokus ist, beschäftigen sich Politik und Polizei zur Zeit nicht ausschließlich mit den Flüchtlingen. Ausruhen sollten wir uns darauf nicht
Prostitute for President !
Na dann ishtar nur zu viel schlimmer als die jetzigen kanns auch nicht sein :)))
Danke für die Info Sahnestück :)
Es geht nicht um die selbstverständliche Steuernummer!