Verhütung bei Prostituierten
Empfängnisverhütung war unter Frauen ein Thema.
Gummikondome waren unbekannt, deshalb fiel die Aufgabe der Empfängnisverhütung den Frauen zu. Es gab unverheiratete Frauen, die sich mit diesem Thema beschäftigten, um nicht schwanger zu werden. Oft waren diese Frauen Mägde, die durch ihren Herrn zu sexuellen Handlungen genötigt wurden. Da die wenigsten Frauen in Büchern etwas über Empfängnisverhütung lesen konnten, auch nicht die ungebildeten Prostituierten, mussten sich die Kenntnisse darüber über Mundpropaganda verbreiten. Diese Kenntnisse blieben dann aber auch bei den Frauen, die Männer erfuhren von alledem nichts.
Eine Theorie der Männer des Mittelalters, warum Mägde oder Prostituierte seltener schwanger wurden war, dass die Gebärmutter durch den vermehrten Samen bei häufigem Geschlechtsverkehr zu glitschig wurde und der Samen sich somit dort nicht festhalten könne.
Es kam auch vor, dass damals mit Tierdärmen verhütet wurde. Dafür wurden oft Schafs- oder Schweinedärme benutzt. Die Därme wurden herausgenommen und gereinigt, bevor sie benutzt wurden. Das kann man sich bspw. wo vorstellen: Wenn wir heute ein Stück Leberwurst im Naturdarm holen, sehen wir, dass diese “Haut” ziemlich dünn sein kann, so dass der Mann beim Sex sogar noch etwas fühlen konnte. Auch die Blase eines Tiers bietet einen dehnbaren, dichten Übersatz. Außerdem gab es noch die Methode, dem Sex einfach aus dem Weg zu gehen und nicht daran zu denken.
Weitere Verhütungsmethoden waren das Ausspülen nach dem Geschlechtsverkehr mit Pflanzenextrakten (auch Absuden – Pflanzenstoffe werden aus den Pflanzen rausgekocht), die als besonders reinigend oder abtötend angesehen wurden. Dann gab (gibt) es noch die nicht ganz zuverlässige Methode, nur vor oder während des Eisprungs Sex zu praktizieren. Ein weiterer Hinweis spricht von Schwämmen, die in Essig getaucht und dann eingeführt wurden, bevor man Sex hatte. Das dürfte jedoch der empfindlichen Schleimhaut des weiblichen Geschlechtsorgans erheblichen Schaden zugefügt haben.
Warum Prostituierte seltener schwanger wurden
Warum hatten Prostituierte tatsächlich weniger Schwangerschaften? Man geht davon aus, dass Prostituierte häufiger Geschlechtskrankheiten hatten, als “anständige” Frauen und dadurch unfruchtbar wurden.
Dazu kommt noch das Wissen, das weitergegeben wurde wie z. B. der Koitus interruptus (Der Mann zieht sein Glied vor dem Samenerguss aus der Vagina heraus) oder Sexualpraktiken, bei denen der Mann nicht in die Vagina der Frau eindrang. Welche sexuellen Praktiken es noch gibt, um einen Mann zu befriedigen bleibt der Fantasie des Lesers überlassen.
Wenn es aber zu einer Schwangerschaft kam, so wussten manche Frauen, dass durch bestimmte Kräuter der Fötus getötet und durch den Körper abgestoßen wird. Diese äußerst schmerzhafte und gefährliche Erfahrung kam vor allem dann zur Anwendung, wenn die Frau erhebliche angst vor den Folgen hatte, ein Kind zu gebären. Denn eine unverheiratete Frau mit Kind war eine Sünderin – selbst dann, wenn sie von ihrem Herrn vergewaltigt wurde. Aber die Ächtung durch die Gesellschaft war damals brutal.
Quelle:
Karras, Ruth Mazo: Sexualität im Mittelalter. S. 217ff. Artemis & Winkler Verlag. Düsseldorf, 2006.


Schade, daß ich diesen interessanten Beitrag nicht gesehen habe. Als Mittelalter und Historienfan (gerade auch Thema Mätressen der Könige, Prostitution in der Vergangenheit) jetzt leider eine Bildungslücke. Das (versuchte) Verhindern einer Schwangerschaft durch in Essig getränkte Schwämme war ziemlich geläufig - arme Schleimhäute - Aua!. Das Verhüten mit "Kondomen" aus Schafsdarm konnten sich nur die Reichen leisten (da jeweils ein Schaf pro Kondom drauf ging). Auch die Scheidenspülungen mit diversen Tinkturen und Abtreibungen mit Kräutergebräu sind hinreichend bekannt. Da viele junge Frauen bei den barbarischen Abtreibungsmethoden (Zangen, Stricknadeln etc.) der Engelmacherinnen starben, wurden diese dann als sogenannte Hexen verbrannt.
Kuerzlich sah ich was ueber Bordelle im alten Rom (Pompeji). Pompeji hatte nur 6000 Einwohner, aber dutzende Bordelle. Auch in den Badehausern bluehte die Prostitution. Wohlhabende Buerger hatten darueber hinaus noch Sklavinnen, die ihnen sexuelle Dienste anbieten mussten. Zum Thema Verhuetung: Casanova schrieb in seinen Erinnerungen auch etwas ueber Kondome aus Tierdärmen oder aus Textil. Jute statt Plastik :)
liest sich sehr spannend - danke für die so knackige aufbereitung! .. ab und zu lese ich soetwas in anlehnung an mittelalterliche romane, da gab eine heilerin z.b. einer frau den rat einben essigschwamm einzuführen. andere dinge waren mir noch gänzlich unbekannt - einiges von den früheren methoden wie z.b. sex vor dem eisprung zur empfängnisverhütung wussten sogar schon naturvölker (wahrscheinlich durch beobachtung wann die schwangerschaft erfolgte)andere methoden waren aus heutiger sicht mumpitz --> aber auch wir heute die wir uns für so medizinisch aufgeklärt halten fallen oft Irrtümern anheim z.B. dass der Spinat so extrem viel Eisen beinhaltet war einfach nur ein dummer Protokoll - Fehler denn es sollte heißen: Spinat mat 5 mg Eisenanteil, doch notiert wurde 35! ..
Im Mittelalter mussten Huren spezielle Kennzeichen tragen, etwa in Mainz einen gelben Saum unten am Kleid. Im alten Rom durften Huren ihre Haare nicht wie die römischen Hausfrauen hochgesteckt tragen, sondern es musste nach unten fallen. Ausserdem mussten die schlichte Kleider tragen, keinesfalls das was die braven Hausfrauen anhatten. Um die Sittsamkeit zu fördern, erliess der Kaiser ein Gesetz, das Ehebruch unter Strafe stellte. Das brachte die Prostitution so richtig zum Erbluehen, weil sie nicht als Ehebruch galt. Huren mussten sich registrieren lassen und konnten fortan nur noch als Huren arbeiten. Eine Rueckkehr ins buergerliche Leben war ausgeschlossen.
@ massel. Auch spannend deine zusatz - infos
@all Ihr koennt euch auf youtube das Video ansehen. Kaeufliche Liebe im Mittelalter. Lg Sarah
allgemein war die hygiene im mittelalter eher unterentwickelt: in den gassen stank es überall abartig nach urin und kot pfui welch zeit! und nicht mal ärzte wuschen sich, übertrugen mit den ungewaschenen händen krankheiten von frau zu frau ... .. ich habe mal GEHÖRT dass es gegen viele geschlechtskrankheiten gar keine mittel gab; man starb eben dran oder experimentierte mit silber herum (was auch nur bedingt keime abtötete) casanova soll seinen körper angeblich immer wieder selbst davon kuriert haben weil er ne gute immunabwehr hatte (ist aber NUR hörensagen!)aber wird wohl die geschlechtskrankheiten schön weiter übertragen haben ;-/ .. lustig fand ich ledigloich als ich mal ne führung im schloss rheinsberg hatte dass selbst die adeligen sich nicht wuschen obwohl sie vorm schloiss den bezaubernden see hatten - es galt als niedrig sich zu baden und man puderte nur die haare gegen läuse ein oder überdeckte alles mit parfüm --> spätestens an dieser stelle kräuseln sich bei mir die zehennägel nach oben... allein dass wir in der heutigen zeit leben ist (auch im hinblick auf unsere momentanen probleme die nicht klein zu reden sind aber trotzdem!) ein grund zum Jubeln!
@ oppilie: ohweh ;-(
@oppilie: Das war doch auch in Hamburg der 80er weit verbreitet, wenn "normale" Frauen durch die Herbertstraße wollten - Eimer Pisse runterschütten. Aber sooo schmutzig, wie allgemein verbreitet, waren die Menschen des Barock/Rokkoko gar nicht. Habe das mal gegoogelt. Das Problem war doch damals das Aufstellen einer großen Badewanne, daß Wasser über der Kochstelle/Ofen zu erhitzen und dann noch zur Bütt zu schleppen, darauf zu achten, daß das Wasser nicht kalt wird. Danach mußte die Schmutzbrühe auch noch entsorgt werden. Aufgrund des Platzmangel in früheren Jahrhunderten hatten viele gar keine Bütt. Es war bekannt, daß der Sonnenkönig Ludwig XIV seinen morgendlichen Toilettengang in ein regelrechtes Hofzeremoniell gestaltete (alle Höflinge waren beim k*cken dabei) und wöchentlich soll Durchlaucht auch gebadet haben . Aber auch war der Irrglaube verbreitet, daß die Haut durch das Wasser Krankheiten aufnehmen könnte. Also hatten die Menschen regelrecht panische Angst vorm Wasser. @Anna: Es gab früher eine Jodlösung, ich glaube Betaisodona, mit der man verdünnt sogenannte Scheidenspülungen zur Desinfektion nach Verkehr "ohne" machte. @All: Wegen der Hygiene und Arbeitsbedingungen: Googelt mal die sogenannten "Schlachthäuser" in Frankreich des 19./20. Jahrhunderts. Da mußten die armen Frauen bis zu 100!!! Männer am Tag (Schnitt waren 40/50 pro Tag und Frau) bedienen - und das Alles ohne Gummi!
@Anke: Heftig diese Schlachthäuser! Zum Sonnenkönig: In jungen Jahren hatte er täglich mehrfach Sex, natuerlich nicht mit seiner Frau, sondern mit Mäträssen. Wenn eine mal zu lange brauchte, um sich schick zu machen, vögelte er in der Wartezeit die Zofe seiner Favoritin.
@Massel: Davon habe ich heute Abend erst zufällig gelesen ("Prostitution in Frankreich" bei Wikipedia). Mir haben sich die Nackenhaare gesträubt. Und das noch zu Zeiten des IÌ. Weltkrieg für die Soldaten (und die algerischen/marokkanischen Gastarbeiter). Die deutschen Besatzer mußten sich damals beim Arzt nach dem GV "sanieren" lassen. Ganz schön heftig!
Ach Ihr armen Opfer ...
@ annabiatch: der spruch hat was - da ist ihnen das lachen bestimmt vergangen ;-D
Da wissen wir ja nun von ungefähr, was uns nach Inkrafttreten des "novellierten" Prostitutionsgesetzes erwartet. :)
Früher hatten die Mätrassen ja so gelbe Bändchen an ihren Kleid hängen. ( Zumindestens wird es so in vielen Filmen und Dokumentationen gezeigt). Damit man sie gleich erkennen kann. Und es ist auch garnicht so lange her, wo Juden einen gelben Stern tragen mussten, damit man sie gleich erkennen kann. Ich dachte eigentlich, dass wir heute soweit sind, dass keine "Gruppe" mehr ausgegrenzt wird (öffentlich und alle gleich sind vor dem Gesetz). Laut den Gesetz sollten ja wir Frauen dann einen Pass mit uns führen? Damit schön jeder sehen kann was wir machen?! Ich hoffe nicht, dass es soweit kommt, denn sonst geht Deutschland einen weiten " Entwicklungsschritt" Schritt nach hinten....
Annabiatch (Braunschweig) Ich frag mich immer was sie davon haben da lang zu gehen? Warum schaut man sich als Paar Prostituierte an? Das kann ja nur der Mann zu der Frau sagen... Dein Spruch finde ich cool und es stimmt! ;-) Er wird alleine wieder kommen, aber da frag ich mich warum nimmt er vorher seine Freundin mit? Wenn ich irgendwo an der Strasse z.B. in Frankfurt die Damen stehen sehe, dann tun die mir sehr Leid, weil sie da zu jeder Jahreszeit leicht begleidet stehen müssen und wissen nicht mit wem sie da gleich mitfahren müssen. Das ist ziemlich gefährlich.
JessikaneuinderStadt (Berlin) In der Zeit wollte ich auch nicht leben. Alleine schon wegen der Pest nicht. Überall lagen da die Leichen.., aber war das nicht auch die Zeit wo es öffentliche Toiletten gab wo jeder seinen Poloch nach den Stuhlgang mit den selben "Teil" gewaschen hat? Das ist echt unhygiensich..
Aber wenn wir mal bedenken, wenn der König mit so vielen Frauen Verkehr hatte, dann wollte ich zu dieser Zeit auch keine Königin sein. Zum einen weil er überhaupt nicht treu war und zum anderen, weil ich durch ihn dann dutzende Krankheiten bekommen würde. Die Zeit damals war echt nicht einfach ..
Hehe, du bist rattenscharf, Anna! Ich denke mal, dass es einige "brave" Frauen fasziniert, mal eine echte Prostituierte zu sehen. Vielleicht finden sie es erregend. Die Kerle kommen natürlich alleine wieder. Sie müssen sich nur ne guten Ausrede einfallen lassen für die Zeit, wo sie abwesend sind. Oder sie kommen schnell nach der Arbeit. @Pussyperle: Der König Ludwig XIV hat fast nie mit seiner offiziellen Ehefrau gevögelt. Er fand sie sogar abstossend. Für den Sex hatte er seine offizielle Mäträsse. Die war auch bei den Parties auf dem Schloss an seiner Seite. Wenn er ihrer überdrüssig war, schickte er sie ins Kloster und holte sich eine neue Mäträsse. Als er um die 50 war, geriet er an eine religiöse Eiferin. Sie schaffte es, dass er allen Lastern abschwor und sich fortan nur um sein Seelenheil kümmerte. Sex war damit passé für ihn. Dass sich bestimmte Berufsgruppen durch Kleidung kenntlich machen, ist nicht unüblich. Man denke an Polizisten, Schaffner, oder auch Eisverkäufer. In der heutigen Zeit sollten wir aber keine Diskriminierung akzeptieren. Der neue Bockschein geht in diese Richtung.