„Wie realistisch ist denn das?“, scheint die Standardfrage von Journalisten zu diesem Thema zu sein. Interessanterweise zweifelt die Presse den Wahrheitsgehalt dieses Hollywoodschinkens sofort an, während Horrorgeschichten von White Slavery in der Prostitution selten hinterfragt werden, sondern plakativ als Tatsache dargestellt werden.
Aber, komme ich zum Thema zurück.
Ich beschreibe jetzt nicht, worum es in dem Roman geht, denn das weiß wahrscheinlich eh jeder der hier Lesenden.
Interessant ist ja vielmehr das Drumherum. Hat Shades of Grey der SM-Szene zu mehr Akzeptanz verholfen?
Als das Buch rauskam habe ich mir einen Kommentar erspart. Aber immerhin las ich es. Ich kaufte es mir auf Englisch, denn so konnte ich mich hinter dem vermeintlichen Anspruch des Fachvokabelnlernens verstecken. Hat gut geklappt, und es war leichter zu lesen als Harry Potter. Das will ja schon was heißen...
Bestätigen kann ich, dass der Roman stärker auf Frauen wirkt als auf Männer, denn zumindest der jugendliche und weibliche Teil eines Bekanntenkreises schien das Buch verschlungen zu haben. Die Kommentare gingen von „Ach, jetzt weiß ich endlich was du so macht auf der Arbeit,“ bis hin zu „Nimmst du mich Mal mit auf eine SM-Party?“
Hä, was war denn da los? Habe sogar zwei Freundinnen mitgenommen auf eine Party -> Bericht HIER
Was Shades of Grey alles so anrichtet. Es steckt viel drin, um Buch und Film zum Kassenschlager zu machen. Eine Prise American Dream, eine Prise Märchen.... SIE das hässliche Entlein, ER der Prinz, der sie wach küßt...
Und obwohl Christian Grey immer wieder beteuert, dass er von Romantik keine Ahnung hat, trieft die ganze Handlung nur so davon. Der begehrteste Junggeselle der Welt läuft der einzigen Frau hinterher, die sich ihm nicht sofort vor die Füße wirft.
Und wie viel SM steckt denn nun wirklich drin?
90% des Film handeln von der Liebesgeschichte der beiden. Es geht dabei nicht wirklich um das Leben mit SM, sondern darum, dass irgendwas bei Mister Grey anders ist.
Die wenigen Dialoge, die wirklich dem Thema SM zuzuschreiben sind, halte ich für ungeschickt. So fragt die Hautdarstellerin den Traummann verunsichert: “Warum sollte ich mich von dir auspeitschen lassen?“ Hier müßte ein so kluger Mann wie Christian Grey eine wesentlich vertrauenserweckendere Antwort geben als: „Zu meinem Vergnügen!“ Mister Grey hätte sagen sollen „Weil du es willst. Für mich und für dich.“ Und dann müßte er sich viel Zeit nehmen und das Spiel, welches SM ausmacht, zu erklären versuchen. Das tut er im ganzen Film nicht. Auch die wenigen SM-Spiel-Szenen im Film sind zwar sehr lustvoll inszeniert, das Wesen von SM erschließt sich dabei aber nicht.
Die Krawattenfessel-Nummer ist schon ganz inspirierend aber monieren möchte ich den Einsatz des Floggers in einen anderen Spiel. Man schlägt doch nicht auf den Bauch. OK, Grey hat sehr soft geschlagen, dabei geht sicher nichts kaputt. Aber der Bauchbereich ist selten eine lustvolle Region was Schläge anbelangt. Die Untere Po-Hälfte und die Schulterblätter wären für eine Anfängerin genau das Richtige um sie für diese Art von Spiel zu gewinnen.
Und dann dieses alberne Getue um den Vertrag, den Grey mit seiner zukünftigen „Sklavin“ machen will. Völlig unrealistisch. Dieses Manifestieren der SM-Beziehung durch amtliches Dokument ist mehr Kopfkino als Realität. Ja, es gibt Beziehungen, die tatsächlich ein solches Schriftstück haben, doch das ist selten. Für die meisten gelten mündliche Absprachen, und gerade bei einer Anfängerin wie Anastasia Steel führt ein solcher Vertrag doch zur völligen Überforderung, was ja im Film auch sehr gut dargestellt wird. Erschwerend kommt hinzu, dass Grey sie nötigt ein Verschwiegenheitsdokument zu unterschreiben, wodurch sie sich nicht Mal mit ihrer besten Freundin oder Mutter austauschen und beratschlagen kann. Ein echtes Dilemma für eine so junge und sexuell völlig unerfahrene Frau. Interessanterweise gilt diese Regel nur einseitig, denn Herr Grey darf sehr wohl mit einer früheren Spielpartnerin über seine Beziehung zu Anastasia Steel sprechen und tut das auch.
Was mir allerdings im Film sehr gut gefallen hat, ist das Spielzimmer. Sehr edle Möbel, hochwertige Spielsachen, lustvolles Ambiente. Schön, dass vom klassischen schwarz/rot abgesehen wurde.
Aber so richtig gespielt haben die beiden ja gar nicht. Es ging immer nur um kurzes SM-Elemente, die ins Vorspiel eingebaut wurden, und dann ging es eigentlich ganz normal weiter. Dagegen ist nichts zu sagen, denn das kann auch Mal sehr lustvoll sein, aber zu Recht sagen viele Kenner, dass das doch kein SM ist.
Was ich aber erstaunlich und sehr positiv finde, ist dass sehr viele Menschen durch Shades of Gray neugierig geworden sind. Und wenn sich dann diese Neugier auch in Experimentierfreude umwandelt, dann wäre das ein großer Schritt zu mehr Lust n deutschen Schlafzimmern. Zumindest scheint SM ein wenig aus der Schmuddelecke raus zu kommen. Vielleicht ist SM noch nicht IN, aber es ist verwegen und cool und muss bei dem Film als nötige Würze herhalten, um ihn zum Kassenschlager zu machen.
----------------------------------------------------------------------------------------
Hier ein Interview für die MAZ zu dem Thema mit Video über meine Einstellung zur Arbeit als Domina:
maz-online.de/Brandenburg/Sadomaso-Domina-urteilt-ueber-Fifty-Shades-of-Grey
Und hier eine Diskussion dazu, die Lady Sas in ihrem Blog anregte: domina-lady-sas.blogspot.de/2015/02/wie-eine-femdom-shades-of-grey-sieht.html?zx=496df3105cad9df3


Buch & Film werden sowieso ÜBERBEWERTET- schlimm dass selten die QUALITÄT der Literatur zählt als nur das Skandalträchtige daran.... Armes eutschland, die ugend kann mit "Faust" oder "Hamlet" nichts mehr anfangen, kennt aber "Harry Potter" & "Shades of Grey" ohje ;-(
Vielleicht waren die Menschen, schon vor Erscheinen von Roman und Film neugierig auf "diese Sachen", und dieser Spur ist die geschickte Vermaktungsstrategie auch gefolgt. Aber nun ists ja mal wieder in, und eine Sm-Welle schwabt wieder übers Land. ich kann mich erinnern, als die Geschichte der O, die "Flambierte Frau" im Kino lief, war es ählich, nur der Zeit entsprechend ein wenig tabuiesierter. Prüde ist man nach wie vor, und intolerant, wenn Andere so anders sind, dass es gar nicht ins Weltbild passen will. Ich kann mich auch noch gut erinnern, dass sich Mitte der 90er Jahre die Frontfrauen und der Frontmann der "Schlagzeilen" den Einladung in Fernseh- und Rundfunksendungen kaum retten konnten. Da war man schon geneigt zu glauben:"Jetzt wirds was mit dem Raus aus der Schmuddelecke." Aber nix wars, die "private Szene" hat sich seitdem extrem aufgebläht, aber das Ganze ist doch eher noch eine verschworene Gemeinschaft mit recht wenig Querverbindungen zur Gesellschaft. Und wie Johanna stelle ich mir unter Sm auch etwas anders vor als das, was da mundgerecht serviert wurde, gut verdaulich und recht glatt poliert, politisch korrekt. Also, eine Revolution fand da nicht statt.
Es ist ein "Spielfilm" und dann verwendest du auch noch den Begriff Spiel! Das ist bereits absurder und ohne jegliche Sinnlichkeit! Das Wesen von SM, um einen kleinen Anteil Aussage aufzugreifen, lebt sicherlich nicht in einer, oder der Szene, die sich längst nicht mehr kultivieren muss, sondern genau in dem Unterfangen, so unbedingt gesellschaftsfähig zu werden und so sehr akzeptiert zu sein, absolut uniform geworden ist! Es ist absolut legitim, individuell auch oder überhaupt Begriffe wie Spiel für sich zu erklären. Leider findet sich gerade darin meist die banale Mainstream Regelung, so wird es gemacht, so macht man das... Man wird nicht Mensch, sondern Mensch ist Mensch, mit seiner ganz eigenen Charaktere und Befindlichkeit und lebt hoffentlich in der Fülle seiner Empfindungen, ohne seine Mitmenschen einzuschränken, oder zwangsweise auf sie einwirkend zu konfrontieren. Hoffentlich leben mehr Menschen, als dass sie spielen, denn Schauspieler sind wir spätestens ab dem Moment, in dem wir geboren sind. Wobei es natürlich die Individualität vor Allem auch in der Lebensintelligenz gibt, die einfach nicht Jedem in die Wiege gelegt wird und Gott den seinen auch nicht im Schlaf vermittelt. Fazit: Die glatt polierte Geschichte und Verfilmung einer, dieser Geschichte ist doch absolut unwichtig für individuelles Leben, oder will jetzt Jeder plötzlich Spiderman oder Catwomen werden/sein?! Ich bin glücklich, habe ich nicht immer den Drang, meine Vorstellungen und vor Allem meine Grenzen, auch für meine Mitmenschen eingeschränkterweise als Maßstab zu setzen. Sich kompromisslos zu leben und seinen Mitmenschen die gleiche Chance zu belassen, ist für mich eine Größe!
Um dem realistischen nicht alle Ironie zu rauben, möchte ich natürlich nachträglich noch erwähnen, dass ich gerade noch Urlaub habe und daher die Musse besitze, erstens zu lesen und zweitens -schmunzelnd- zu schreiben, denn solange ich das Lachen mit mir selber und auch über mich -gehöre ich in der Natur der Logik auch zu der Spezies Mensch- erleben kann, bin ich mir selber sehr nahe. Ich wollte mit meinem kritischen Ton auf keinen Fall die ultimative Individualität der einzelnen Befindlichkeiten eingrenzen! Was du geschrieben hast, finde ich im Kern sachlich ganz gut, aber ich finde es zu einem gewissen Teil auch schon fast wieder banal dämlich. Aber was hätten wir Menschen dann noch zu reden, wenn nicht auch und sowieso in diesem Umfang. Ich wünsche dir erlebnisreiche Momente in deinem ganz eigenen Sein.
Ich bin keine Domina, kein Kenner der SM Szene, deswegen kann ich nur aus Sicht der Frau, meine persönliche Meinung schreiben. Ich glaube viele richtige Dominas würden es spannender, reizvoller die Einblicke und Erfaharungen viel besser rüberbringen. Einem gefällt das, anderem etwas anderes. Für mich würde nach solcher Lektüre immer noch kein Reiz für solche Spielchen geweckt sein. Wobei Bizarrwelt faszinierte mich schon oft...bis jetzt immernoch reintheoretisch. Wenns soweit ist müsste ich eine Vertrauteperson aussuchen, die mich in die Welt einführen könnte und dabei meine Wünsche akzeptieren kann ohne die dünne Grenze ,,Mein ICH,,.zu überschreiten... Bis dahin bewege ich mich lieber als ,,normalo,, was nicht heisst: langweilig oder durschnittlich ... Lg
Die Katze mag Mäuse , die Ishtar mag sie nicht ... ;-)