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2. Akt - Der verfluchte Kuchen

Eine Woche später. B sitzt im Hinterzimmer der Bäckerei und strickt. Seit Tagen kommen nur noch die Stammkunden, die die qualität der Brötchen zu schätzen wissen und die Arbeit, die dahinter steckt auch mit gerechter Bezahlung entlohnen. Das Telefon klingelt. Auf den nächsten Schmähanruf aufgrund des schlechten Forumsberichts gefasst, hebt sie müde ab.

B: "Guten Morgen, was kann ich für Sie tun?"
K: "Ja, also, wir hatten vor einer Woche mal telefoniert..."

B erbleicht.

K: "...jedenfalls brauche ich jetzt eine Geburtstagstorte, machen Sie sowas auch?"
B: "Ja, ähm, schon, aber ich dachte..."
K: "Gut, gut, also ich möchte eine Sahnetorte, aber mit mehreren Ebenen, oben mit einer Marzipanschicht, auf der ein Pirat abgebildet sein soll und die ganze Torte bitte in Form eines Schiffes und..."
B: "Moment, moment, bitte nicht ganz so schnell, ich muss mir das notieren..."
K: "Ja, also, Piratenschiff, haben Sie das? Und ich möchte noch einen Mast aus dunkler Schokolade und als Segel ein Schokoladen-Gitternetz, welches mit Mandelscheiben beklebt ist, damit es echt aussieht."
B: "In Ordnung, ich habe es mir aufgeschrieben. So eine Torte kostet allerdings 55,- Euro..."
K: "Ist gut, ist gut, ich hole sie dann in einer Stunde ab. Bis dann."

K legt auf. B steht wie vom Donner gerührt mit offenem Mund und dem Telefon noch immer in der Hand da. Trotz der zu kurzen Vorbereitungszeit denkt Frau B nur noch an die offenen Rechnungen, fasst sich und versucht, für den Kunden das Unmögliche möglich zu machen. In der folgenden Stunde hetzt B zwischen dem Verkaufsraum und der Backstube hin und her, um allen gerecht zu werden.
60 Minuten später - B hievt das Tortenschiff in den Verkaufsraum. Mandelscheiben rieseln aus ihren Haaren und gesellen sich zu dem Mehlstaub auf dem Boden. Die letzen Meter legt sie schlitternd auf einem heruntergefallenen Ei zurück, platziert den Kuchen auf der Theke und versucht, sich mit den von der Schokolade schmierigen Händen die Haare aus dem Gesicht zu wischen. Geschafft. B sieht auf die Uhr.

2 Stunden später, B scheitert erneut daran, die kargen Einnahmen in ihrer Kasse von klebrigen Teigresten zu befreien. Ein Mann betritt die Bäckerei.

B: "Sie wünschen?"
K: "Ihnen auch einen guten Tag. Ich hatte eine Torte bestellt. Ist sie das?"

K mustert die Torte von allen Seiten und dippt seinen, augenscheinlich ungewaschenen, Zeigefinger in die Schokosahne. Er lutscht ihn ab, pult sich nochmal im Ohr herum und steckt ihn nochmal, diesmal tiefer, in die Torte, so dass das Schiff in Schieflage gerät.

B (angewidert): "Eigentlich hätte ich Sie ja etwas früher erwartet... Nun gut, bitteschön, Ihre Torte. Das macht dann, wie vereinbart 55,- Euro."
K: "Ne, also dafür zahl ich nicht. Die ist ja total schief und sie schmeckt auch nicht besonders gut. Außerdem finde ich, sie ist ein bisschen klein geraten."
B (fassunglos): "Aber ich hab hier Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um in der kurzen Zeit diese Torte fertig zu stellen!"
K: "Ganz schön geldgeil, wie? Aber das ist man ja schon gewohnt. Einen Weckmann herstellen ist zu viel verlangt, aber kaum geht es um Kohle ist plötzlich alles möglich. Klar."
B: "Halten Sie sich gefälligst an die Vereinbarung!!!"
K: "Nicht so unfreundlich - Sie wollen ja an mir noch verdienen..."

B beißt die Zähne zusammen und schluckt weitere Worte herunter.

K: "Na, mal schauen, was Sie sonst noch so da haben."

K steht eine geschlagene Stunde in der Bäckerei und mustert die Auslage. B steht kurz vor einem Nervenzusammenbruch.

B: "Und, haben Sie sich entschieden?"
K: "Ja. Ich nehme ein normales Brötchen. Kann man da am Preis noch was machen?"

B fällt in Ohnmacht.

Fortsetzung folgt...

Oh man :D Die Geschichten aus der Bäckerei sind momentan mein absolutes Highlight. Vielen Dank für diese satirische Wiedergabe des Vorgefallenen :)

3. Dec 2014Antworten

Besser kann man unseren Escort - Alltag nicht in kreative "Backstuben"- Worte fassen, CHAPEAU ;-)

3. Dec 2014Antworten

und hoch leben die SUPER - Kunden (sowohl Stammgäste als auch Neu-Gäste" die es unter dem billigen & verkohlten Gebäck auch noch gibt *lol*

3. Dec 2014Antworten

Ja leider gibt es ähnliche Verhalten bei Kunden im Einzelhandel. Ich habe nun einige Jahrzehnte in allen möglichen Branchen hinter dem Tresen, wie ich gerne sage verbracht. Es gibt solche Leute. Sicher finden die Damen die das lesen auch solche Gäste auf die das zutreffen könnte. Es gibt im Handel und das bezieht sich sicher auch auf das Escord Gewerbe?, darf ich es so nennen? sorry wenn nicht, ein Wort, mit 20% der Kunden mache ich 80% des Umsatzes, zu. Haltet Euch das vor Augen, schmeisst die Knalltüten raus.

3. Dec 2014Antworten

SUPER gerschrieben, Danke schön !

3. Dec 2014Antworten
Lifeline73

Hallo Celina, allen Recht getan, ist eine Kunst die keiner kann :) schön geschrieben... auf Akt 3 wartend ...lach.. Liebe Grüße aus IN Lifeline

3. Dec 2014Antworten
nikki64

SUUUPPPPPER unbedingt mehr davon!!!!

3. Dec 2014Antworten

Applaus, Applaus. Die Spannung steigt. Der zweite Akt toppt den Ersten. Wie geht es weiter, Komödie oder Tragödie, das ist hier die Frage. Zum Inhalt: Fremdschäm. Wie kann man sich so verhalten? Es heißt immer, der Kunde ist König. Aber dann soll er sich auch königlich benehmen. Hoffentlich ist B schon wieder aus der Ohnmacht erwacht, um den dritten Akt zu schreiben.

3. Dec 2014Antworten
ishtar1

Das ist nicht zum Lachen soetwas kommt leider vor und ist nicht an den Haaren herbeigezogen möglicherweise häufiger als Mann denkt...

3. Dec 2014Antworten
ishtar1

Wieder das Thema Achtung Wertschätzung Respekt

3. Dec 2014Antworten

Off Topic, ein bißchen jedenfalls, aber eigentlich geht es um dasselbe Verständnis von gelieferter Ware / Leistung und deren Gegenwert. Ich habe gelegentlich beruflich mit Bäckereien zu tun. Da gibt es welche, die tagsüber das Gebäck / Brot vom Vortag, weil nicht meht frisch, zum halben Preis anbieten, was ja auch 100%ig o.k. ist. Ein Kunde - aller Wahrscheinlichkeit Herr oder Frau B, ruft also am Vormittag an und bestellt ein Brot im Voraus zum kommenden Tag. Gesagt, getan - K. notiert die Bestellung und packt das Bestellte gleich am kommenden Morgen, beschriftet mit den Worten "reserviert für Herrn B " auf die Seite, auf das es nicht versehentlich an jemand anders verkauft wird. B erscheint kurz darauf und fragt nach saeiner erfolgten Bestellung. Freundlich lächelnd ( B ist IMMER freundlich, und wenn das GRÖSSTE AR***LOCH vor ihr steht )reicht sie ihm das reservierte Brot und nennt den Preis. B. darauf: "Was, das kostet doch nur die Hälfte, ist doch gestern bestellt...". Wurde mir genau so von einer Mitarbeiterin zugetragen. Kommentar erübrigt sich, ist dieselbe Denke . Gruß, gerade auch ann alle stets freundlich bemühten "B`s" und alle anderen Buchstaben... iJ

3. Dec 2014Antworten

Mal wieder erstklassig geschrieben... meine ehrliche Anerkennung. Problem erkannt nur leider nicht gebannt. Das werdet ihr auch nicht mehr gebannt bekommen weil niemand mehr Angst vor euch hat. Wie schön waren doch die Zeiten als B. nicht alleine in der Backstube unterwegs war und K. genau wusste welche unangenehmen Zeitgenossen sich in B.´s Hinterzimmer tummelten. Wenn K. auch nur den Hauch von Ärger zu machen drohte dann kamen Männer mit üblem Folterhintergrund aus dem Hinterzimmer und verarbeiteten K. zu kleinen handlichen portionsweise zu verspeisenden rot-triefenden Himbeertörtchen mit eindeutig zuvielen Kernen und Steinchen drin. Na ja diese Zeiten sind ja eindeutig lange genug vorbei. Und so begiebt es sich von Zeit zu Zeit dass völlig enthemmte weil in keiner Weise mehr eingeschüchterte K.´s in den Backstuben der Nation auftauchen und die selbstständigen Fachverkäuferinnen nicht nur belästigen sondern auch noch auf unverschämte Art und Weise über die Theke ziehen wollen. So manchmal wars doch schön das Hinterzimmer besetzt gewusst zu haben... na kommt seid ehrlich. Respekt muss Frau sich erarbeiten und leider gehts manchmal nur über den Umweg der blutigen Himbeertörtchen... einige von uns brauchen anscheindend mal wieder den Geschmack davon zwischen den Restzähnen.

3. Dec 2014Antworten
ishtar1

Jetzt bin ich absolut sprachlos!

3. Dec 2014Antworten

Ich möchte nicht sprachlos machen ich möchte schockieren. Wir Männer sollten das "freie Angebot" doch endlich mal zu schätzen lernen und es uns nicht durch unser ansägliches Verhalten zu zerstören. Mich kotzt es an wenn ich als "ehrlicher Kunde" ewig lange Überzeugungsarbeit leisten muss damit man mich als solcher auch erkennt und wahrnimmt. Geschlechstgenossen die unseren Ruf so dermassen ruinieren und dazu führen dass die "Ehrlichen" von uns mit drunter leiden gehören halt zu den besagten "Himbeertörtchen" verarbeitet. Sorry wenns drastisch rüberkommt aber die Blogs hier gleichen sich mittlerweile alle und es scheint ein unsägliches Haifischbecken zu sein in dem wir mittlerweile alle schwimmen... find ich schade weil es könnte so wunderbar schön sein. Also bitte nicht sprachlos sein... ich bin da voll auf B.´s Seite.

3. Dec 2014Antworten

Spitzenklasse!!! Schade, dass es im übertragenen Sinne so was wirklich gibt! Ich sage Euch, es ist jedoch nicht nur in Eurer "Branche" so... ich bin im Verkauf tätig... da ist nichts wirklich anders! Der Kunde ist König, aber er benimmt sich nicht so!!!

3. Dec 2014Antworten
ishtar1

Leider ist es immer so, dass die Seriösen unter den schwarzen Schafen leiden das gilt für Herren und auch für Damen.

3. Dec 2014Antworten

Richtig soft-Lady du hast richtig gelesen. Meinen Respekt muss sich jeder erarbeiten aber meine Achtung gibt es für jeden umsonst. Das ist ein kleiner aber sehr feiner Unterschied für mich. Respekt hat was mit Angst zutun... lies mein Posting von oben du wirst etwas von Angst lesen die hier niemand mehr zu haben braucht. Achtung ist was völlig anderes und wie gesagt die bekommt jeder von mir umsonst und völlig ohne etwas dafür tun zu müssen. Nein und das ist keine Wortklauberei... das ist völlig ernst gemeint. Anders ausgedrückt... es hat niemand mehr Respekt vor euch weil niemand mehr Angst haben muss eins auf die Fresse zu bekommen wenn er sich nicht benimmt. Leider verwechseln aber nicht nur die Herren sondern auch du Respekt mit Achtung. Jede Dame deren Zuhälter ( aber die gibt es ja nicht mehr ) hinter dem nächsten Baum rumlungert wird von den Herren besser behandelt als ihr selbstständigen Damen... ich finde das schrecklich aber leider wohl wahr. Der andere Topblog dreht sich z Zt. um Männer die unten herum stinken und blank beblasen werden wollen, am besten noch AO einlochen bei all der ungewaschenen Pracht. Und so reiht sich ein Topblog mit Beschwerden von euch an den nächsten. Ich hab mich mal gefragt wann ich zum letzten Mal was Positives über das "im gegenseitigem Einverständnis stattfindende Zusammentreffen" von uns Männern und Frauen hier gelesen habe. Gibt es das nicht mehr? Leider suggerieren die Topblogs genau diesen Eindruck und auch meine persönliche Erfahrung mit misstrauischen und vorsichtigen Damen bestätigt für mich diesen Eindruck. Und noch etwas... ich weiss wer ich bin und wie ich bin und komm sehr gut klar... anscheinend habt ihr Damen mit uns Männern hier die grösseren Probleme sonst würden auch mal positive Erlebnisse geschildert werden. Also wohl doch ein Haifischbecken voller stinkender Fische in dem wir uns befinden. Belehrt mich doch mal eines Besseren.

3. Dec 2014Antworten

@soft-Lady Ach so btw ist mir garnicht aufgefallen... die Anrede "der da oben" ist ziemlich respektlos. Ich nehme aber mal an dass du mich dennoch uneingeschränkt achtest obwohl du so gänzlich gar keinen Respekt mir gegenüber zu haben scheinst. Dich mal ganz lieb anlächelt :-)))

3. Dec 2014Antworten

Es tut mir leid, wenn ich nicht in die allgemeine Lobhudelei mit einstimme. Die Geschichte hat in Bezug auf die Analogienbildung eine ganz entscheidende Schwäche. Bei Konditorei-/Bäckereiwaren handelt es sich um „Produkte“, bei „Liebesdiensten“ um eine „Dienstleistung“. Jeder Mensch, der schon einmal in der Dienstleistungsbranche – „Hotel und Gaststätten, Friseure, Berater etc.“ – gearbeitet hat, kennt die 80 : 20 Regel. 80 % der Gäste/Klienten sind OK, 20 % sind echte „Ar***löcher“. Man kann die 20 % noch beliebig in weitere Kategorien aufteilen: unverschämt, pervers, verrückt, total durchgeknallt, gemein gefährlich – „what so ever“! Jeder aus dieser Branche kann beliebig viele Anekdoten zu Verrücktheiten und Unverschämtheiten zu Besten geben. Jeder hat sich aber auch 1. ein dickes Fell zugelegt und weiß, 2. dass man frühzeitig Grenzen setzen muss!!! Man muss sich nicht alles gefallen lassen. Ich verstehe also nicht ganz, worüber man hier spricht?

3. Dec 2014Antworten

@aenea; ich stimme Dir nicht zu - meiner Ansicht nach geht es hier um eine ziemlich bekloppte Geiz-ist-geil - Mentalität gepaart mit sozialem, willsagen zwischenmenschlichem Autismus, eigentlich Menschenverachtung. Dabei spielt es keine Rolle, ob es um eine Verkäuferin oder eine Sexarbeiterin geht.

3. Dec 2014Antworten
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