Manchmal muss ich lachend den Kopf schütteln, wenn mich ein Mann anruft, nach meinem Alter fragt und dann feststellt "Das ist aber jung für eine Domina!!!!" oder sich empört darüber äußert, dass ich „gerade erst die 20 geknackt habe“...
Ich frage mich dann wann diese Männer selbst ihre Neigung entdeckt haben?!
Muss ich erst die 40 Jahre überschreiten um legitim den Titel "Domina" oder "Lady"/"Herrin" zu führen? Warum redet man sich dieses Klischee so gerne ein? Alte, faltige Domina, überbräunte Lederhaut, strenger Zopf, der die Furchen aus der Stirn zieht, lange schwarze Haare, verkniffene Mundlinie und eisiger Blick, verblichene Tattoos, immer in Lack und Leder, männerhassend und unfreundlich?
Kann ich nicht ganz unverbindlich (meine Neigungen) leben? Als junge Frau, als Domina, als Studentin, als Tochter, als schwester, als Freundin und als gutes Beispiel für Andere?
Viele Leute die ich aus der SM-Szene kenne sagen von sich, dass die dominante/sadistische oder submissive/masochistische Seite schon immer in ihnen war. Eine Facette ihres Charakters, so wie Hilfsbereitschaft, Kontaktfreudigkeit, die Fähigkeit zur inneren Ruhe, oder Talent.
Meistens geben diese Personen dann Geschichten aus frühster Kindheit zum Besten:beispielsweise über Fesselspiele - das angenehme Gefühl dabei von einem Anderen mit dem Springseil an einen Stuhl oder Baum gebunden zu werden...oder selbst jemanden dort zu fixieren.
Unschuldig, ohne große sexuelle Komponente, aber mit einer unterschwelligen, besonderen und bis dahin unbekannten Art von Freude und Kribbeln.
Manche haben die Lust daran später in ihrem Leben entdeckt und erfreuen sich erst seit ein paar Monaten oder Jahren aktiv daran.
Einige Männer spielen schon lange mit dem Gedanken sich einer Domina anzuvertrauen und diese Spielarten von Unterwerfung und Lustschmerz zu erkunden.
Egal ob dominanter Mann, Sadist, devoter Mann, Masochist…dominant veranlagte Frau, submissive Frau, Sadistin, oder Masochistin…oder Mischformen wie Switchern…wir alle sind in erster Linie Menschen. Auch wenn das Manche zu vergessen scheinen.
Der Extremsadist mag seine Partnerin gerne , erfreut sich an sichtbaren Spuren und harten Praktiken wie Nadelungen…aber er kann gleichzeitig ein liebender, fürsorglicher und zärtlicher Vater sein.
Eine dominante Frau muss nicht immer im Alltag ihren Willen bekommen, sie weiß auch, wann es klug ist einfach mal zurückzustecken.
Auch ein Masochist kann nicht jede Art von schmerz erotisieren. Wenn er sich beim Heimwerken mit dem Hammer auf den Finger schlägt wird er genauso vor sich hin fluchen und empfinden wie jeder andere Mensch.
Wer sich zu sehr in (s)eine Rolle drängen lässt, wer sich verbiegt und meint alle Klischees erfüllen zu müssen, dem kann ich versprechen, dass er nicht glücklich werden wird. Egal auf welcher Seite.
Schreibt mir eure Meinungen zu dem Thema, ich freue mich auf regen Gedankenaustausch!
Eure (Lady) Alexa

