In der aktuellen Diskussion um die Einführung eines Sexkaufverbots (Nordisches Modell) wird in meinen Augen komplett die Frage ignoriert, warum es überhaupt eine Nachfrage nach sexuellen Dienstleistungen gibt.
Das ist jedoch absolut relevant, weil mit dem Verbot ja die Nachfrage reduziert werden soll, indem man angst vor Bestrafung erzeugt.
Die Antwort warum es eine Nachfrage gibt ist einfach: Sexualität ist ein Bedürfnis.
Der amerikanische Psychologe Abraham Maslow hat die menschlichen Bedürfnisse in einer vereinfachten Darstellung in Form einer Pyramide dargestellt. Maslow stellte fest, dass manche Bedürfnisse Priorität vor anderen haben.
Sexualität ist nach seiner Ansicht ein Grundbedürfnis.
Aber viele Mensch können sich dieses Grundbedürfnis nicht erfüllen.
Diese Menschen haben aus diversen Gründen keine Partnerschaften oder in den Partnerschaften findet keine erfüllte Sexualität statt.
Um das Bedürfnis (das Defizit) zu erfüllen, suchen sie nach Auswegen.
Sexarbeitende bieten hier eine Lösung, sowohl auf der Ebene des Grundbedürfnisses Sexualität als auch auf der Ebene des sozialen Bedürfnisses (Gespräche, Nähe, Wärme). Sie tragen somit entscheidend dazu bei, dass sich Menschen in seelischer Gesundheit und Ausgewogenheit befinden.
Diejenigen, die ein Sexkaufverbot fordern, haben in meinen Augen nicht verstanden, dass diese Grundbedürfnisse ursächlich für die Nachfrage sind. Und deshalb lässt sich etwas nach dem Prinzip "weil es verboten ist, gibt es das nicht mehr" nicht realisieren.
Sexkaufverbot ist in meinen Augen der falsche Weg, um die Probleme die allgemein im Umfeld von Sexarbeit und Prostitution existieren, anzugehen. Ich würde mir wünschen, dass sachlich und faktenbasiert über Lösungen diskutiert wird.
Die Menschen mit Ihren Bedürfnissen (sowohl Sexarbeitende als auch Kunden) müssen in den Fokus rücken.

