Ich bin noch neu in Wien. Manchmal habe ich das Gefühl, diese Stadt wurde für Menschen gemacht, die langsame Dinge lieben. Die wissen, dass Langsamkeit verführerisch sein kann.
An einem Nachmittag saß ich im Café Eiles, vorgeblich um Schieles Briefe für mein Studium zu lesen. Das Licht fiel wie warmer Stoff durch die hohen Fenster, und der ganze Raum duftete nach Kaffee und Geschichte. Ein Fremder fragte, ob er sich zu mir setzen dürfe. Er bestellte nichts, sondern saß einfach da, atmete dieselbe stille Luft. Und das Schweigen wurde zu unserer Sprache.
Wien hat diese Art, dich zu berühren, ohne dich anzufassen. Man kommt wegen der Kunst, aber es ist die Ruhe, die einen auszieht. Eine Porzellantasse, das Klingen eines Löffels, ein Ärmel, der leicht streift... alles geschieht fast.
Manchmal fragen mich Menschen, was ich eigentlich anbiete. Ich sage dann: Etwas wie diesen Nachmittag. Gegenwart. Stille. Ein intimes Universum mitten im Lärm der Stadt.
Denn die privatesten Begegnungen finden nicht um Mitternacht statt, sondern um drei Uhr nachmittags, in der stillen Neugier zweier Menschen, die beschlossen haben, noch ein wenig zu bleiben.

