
Im Herbst begegnet man ihnen wieder auf den
Straßen: Masken, zum Vergnügen getragen und
im Morgengrauen abgelegt (Halloween?). Andere sind unauffälliger. Sie entstehen aus Erfahrung,
Verantwortung und den Erwartungen anderer.
Mit den Jahren schmiegen sie sich so eng an
unser Gesicht, dass wir kaum noch wissen, wo
die Rolle endet und das eigene Wesen beginnt.
Und Du? Lebst Du so, wie Du es Dir wirklich
wünschst? Oder spielst Du Deine Rolle
inzwischen so überzeugend, dass Du kaum noch fragst, was sich hinter ihr verbirgt?
In Thomas Manns „Zauberberg“ gibt es eine
eigentümliche Walpurgisnacht, in der die
Konventionen ihre Macht verlieren. Was lange in
Blicken verborgen blieb, findet plötzlich Worte.
Kein leichter Triumph eines Verführers, eher der berauschende Augenblick, in dem ein Mann
einer Frau sein Begehren offenbart, ohne es
länger hinter Gleichgültigkeit zu verstecken.
Wer kennt nicht jene Begegnungen, von denen
vor allem das Ungesagte bleibt? Den flüchtigen
Moment vor einer Berührung. Einen Blick, der
länger hätte verweilen dürfen. Die Spannung
zwischen zwei Menschen, für die Worte zugleich
zu kühn und nicht kühn genug wären.
Goethe wusste, dass sich der Hunger nach
Leben nicht durch Wissen allein stillen lässt.
Fausts Sehnsucht, den Augenblick festzuhalten,
meint mehr als bloße Lust. Sie gilt einer
Erfahrung von solcher Intensität, dass die Zeit
für einen Moment ihre Macht verliert. Einer
Nähe, in der man Gefühle nicht erst erklären
muss, weil der Körper sie längst erkannt hat.
Und doch sind die Grenzen des eigenen
Selbstbildes oft am schwersten zu überschreiten.
In seinem „Steppenwolf“ zeigt Hermann Hesse, wie trügerisch der Glaube ist, man kenne sich bereits. Hinter Ernst kann Verspieltheit liegen, hinter geistiger Distanz das Verlangen nach Zärtlichkeit, hinter äußerer Ruhe eine Sinnlichkeit, die nie erloschen ist.
Manchmal bedarf es nur der Gegenwart eines
anderen Menschen, um zu spüren, wie viel Leben noch in einem wohnt.
Reife muss nicht bedeuten, auf Überraschungen
zu verzichten. Vielleicht liegt ihr besonderer Reiz
gerade darin, einen Augenblick zu erkennen, der
keiner großen Versprechen bedarf.
Es gibt Frauen, bei denen schon ein Gespräch
zur Berührung wird, lange bevor sich Hände
begegnen. Die in einem Mann nicht nur seine
Stärke sehen, sondern auch jene verborgene
Seite, die er der Welt selten zeigt. Sie erwarten
weder jugendlichen Übermut noch
Vollkommenheit. Sie kennen ihre eigenen
Wünsche und verwechseln Nähe nicht mit Eroberung.
Bei einer solchen Begegnung muss niemand
seine Geschichte verleugnen. Man kann für
einen Moment die gewohnte Rolle ablegen.
Lachen, offen sein, einen Blick erwidern, ohne
ihn sofort zu entschärfen. Und vielleicht eine
Nähe zulassen, deren Möglichkeit schon im
ersten Schweigen spürbar war.
Nicht jede Grenze ist gleich. Nicht jede
Sehnsucht verlangt nach Erfüllung. Aber auch
nicht jede muss für immer Sehnsucht bleiben.
Manche Begegnungen erinnern uns daran, was
lange geschlummert hat. Und plötzlich erscheint
es nicht mehr riskant, die Maske abzulegen,
sondern verführerisch.
Wenn Du eines Tages erfahren möchtest, was
sich hinter Deiner Maske noch verbirgt, könntest Du die Frau aufsuchen, die diese Zeilen geschrieben hat – und entdecken, was zwischen Euch möglich wird.
Lori

Liebe Lori, die Dame, die diese Zeilen geschrieben hat, habe ich bereits besucht. Es war ein sehr inniges Date, wir haben uns über viele Dinge ausgetauscht und vielleicht tatsächlich die eine oder andere Verborgenheit ans Licht gebracht. Wie hast du es dich so schön beschrieben: " Manchmal bedarf es nur der Gegenwart eines anderen Menschen, um zu spüren, wie viel Leben noch in einem wohnt." Genauso ist es - einfach mal alles über Bord werfen und einfach nur sich selbst sein, ohne Zwänge und Konventionen, das gelingt in diesem Bereich doch wohl am besten ...Sex, Erotik und Gespräche auf hohen Niveau, was will "Mann" mehr ...
In den Armen einer schönen Frau , alles um sich herum vergessen. Das ist es, was man (n) braucht. Klappt nicht immer, aber immer wieder 😀
Liebe Lori, Danke für Deinen schönen Text. Ich hoffe es klappt irgendwann das Treffen mit Dir. Dann schauen wir mal was hinter meiner Maske steckt...