Man hat mir nichts beigebracht. Keine Anleitung, kein behutsames Heranführen, kein „Darüber spricht man später“. Ich bin ohne Erziehung großgeworden – und mit sehr viel Gesellschaft. Sie war mein Resonanzraum, mein Regelwerk, mein Korrektiv. Und ziemlich früh auch mein Eintrittstor in eine Welt, die man damals noch gern mit gesenkter Stimme erwähnte: den Paysex-Sektor, die Erwachsenenunterhaltung.
Das klingt nach Abkürzung, war aber eher ein Umweg mit offenem Ausgang. Ich bin nicht hineingestolpert, ich bin hineingegangen. Neugierig, wach, ohne inneres Warnsignal. Sexualität war für mich nie schmutzig, sondern sichtbar. Arbeitete man dort, wo andere nur fantasierten. Beobachtete genau, wie sehr Erotik weniger mit Körpern zu tun hat als mit Projektionen. Mit Macht. Mit Erwartungen.
Das Stigma kam nicht aus mir. Es kam von außen, geschniegelt und scheinheilig. Von einer Gesellschaft, die konsumiert und gleichzeitig wegschaut. Die Lust will, aber bitte anonym. Ich habe früh gelernt, dass Erotik nicht anrüchig ist – sondern die Art, wie man über sie schweigt. Oder über andere urteilt, die sie offen leben.
Heute verändert sich etwas. Nicht direkt, nicht immer skandalös, sondern fast elegant (je nach Bubble) . Erotik darf endlich Oberfläche sein, ohne oberflächlich zu gelten. Sie darf intelligent sein, verspielt, widersprüchlich. Und vor allem: selbstbestimmt. Raus aus der Schmuddelecke heißt nicht, alles freizulegen. Sondern die Doppelmoral einzuklappen. (wir hatten einen guten Ansatz in den 1920er Jahren.. )
Sinnlich ist, was bewusst ist. Was präsent bleibt. Was nicht entschuldigt werden muss. Ich habe früh gelernt, mich in diesem Feld zu bewegen. Vielleicht zu früh, sagen manche. Ich sage: rechtzeitig. Denn ich habe Sexualität nie als Tabu empfunden. Und es fühlt sich heute bemerkenswert gut an, dass das langsam kein Alleinstellungsmerkmal mehr ist.


Wie schade eigentlich. Und wie unbegründet! Ladies können sich ausleben und sich mit der Apanage Träume erfüllen oder ihre Zukunft gestalten, was ihnen ohne nicht möglich wäre und zugleich können die Herren der Schöpfung Neigungen ausleben bzw. weiter sexuell aktiv sein (immerhin eins der Grundbedürfnisse des Menschen), ohne das sie ggf. ihr Partnerin mit ihrem Bedürfnis belasten müssen und ohne wirklich fremd zu gehen. Einsame Herren finden hier ebenfalls den Raum für echten Sex und manchmal auch für Nähe. Ich halte das “älteste Gewerbe der Welt” manchmal für reichlich unterschätzt!