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NICHT MONOGAM Teil III – Die ewige Wiederkehr

Ich treffe gern gebundene Männer.


Vielleicht, weil sie zuverlässiger sind. Weil sie gewohnt sind, in einem vorgegebenen Raum zu existieren, ohne ihn sofort zu sprengen. 

Und weil dadurch vieles weniger ausufert.

Aber auch, weil mich Beziehungen faszinieren. Die Dynamik zwischen Menschen, gerade die zwischen Freiheit und Bedeutung. 

Und wo wäre ich näher an dieser Thematik als bei gebundenen Männern plus minus meines Alters, die zu mir kommen?


Ich habe einen Kunden, der über die Zeit wohl mehr mit mir redet, als mich berührt. Middle aged, erfolgreich, geschniegelt, ständig unter Druck. Immer in der Mittagspause und stets mit einer Flasche Crémant.


Neulich erzählte er mir, er hatte 321 Frauen. 70 % gekauft, 30 % abgeschleppt.

Seine Frau weiß nichts davon. Die Beziehung ist wichtig und läuft gut. Über zwanzig Jahre zusammen.

Ich schlug ihm vor, er solle ihr doch alles erzählen. Alles von seinen Fantasien. Sie würde ihn verstehen, sie würde mitmachen. Ziemlich sicher, so wie er sie beschreibt. Dann müsste er nichts mehr verheimlichen.

Er schaute mich fast entrüstet an.

„Das ist ja genau der Punkt. Ich weiß, dass es ihr gefallen würde.“


„Und dann? Was mache ich denn bitte mit ihr danach? Das ist doch Pandoras Kiste.“


Ein anderer Mann erzählte mir von seiner langjährigen Beziehung, die nach vielen Jahren bewusst zu einer offenen Beziehung wurde. Er schätzt sie sehr.

Klare Regeln. Ehrlichkeit. Es ist sogar gewünscht, dass beide sich außerhalb der Beziehung frei bewegen.

Mit zwei Grenzen:

Keine Penetration und nicht zu viel Atmosphäre.

Und lange funktioniert das.

Bis sie immer weniger datet.

Und genau dort beginnt er plötzlich zu verheimlichen. Was er nicht muss , aber   die Offenheit verliert ihre Symmetrie .

Und dann gibt es noch diese dritte Geschichte. Mit einem ganz anderen Anfang , die aber wieder zum selben Punkt kommt.


Zu dieser Asymmetrie.


Er und sie, beide mit genug Leben hinter sich, lernen sich bei einem Tantra-Retreat kennen. Freie Liebe, keine Besitzansprüche. 

Sie schwören sich ewiges zusammen sein und bauen sich ein Haus in den Bergen. 

Kein klassisches Modell. Jeder darf alles , solange der Partner die Prioritä Nummer 1 ist. 


Und lange funktioniert das erstaunlich gut.

Bis sie irgendwann jemanden kennenlernt und geht .


Ironischerweise nicht in mehr Freiheit hinein,  sondern in Exklusivität , die sie verdammte.


Und wo landet er irgendwann?

Klar  hier. Bei KM.


Und vielleicht, nur vielleicht,  wird ihr neuer Partner irgendwann auch hier  landen.


Und was wird aus ihr?

Möglicherweise  wiederholt sich alles. Vielleicht auch nicht.


Es gibt Paare, die offen beginnen und klassisch enden.


Und es gibt Paare, die klassisch beginnen und offen enden.


Und mir scheint, egal in welcher Phase man gerade lebt, entstehen irgendwann wieder ähnliche Zustände.

 Nur unter anderen Begriffen.


Eine ewige Wiederkehr.

❤️❤️❤️❤️❤️

15. May

Eine Göttin...eine Muse...eine einzigartige Frau.

15. May

Sehr interessant, und viel Wahrheit

15. May

❤️

15. May

Sehr schön geschrieben und einfach nur die Realität des wahren Seins. Es gibt alles und jede mögliche und unmögliche Kombination. Nichts ist falsch oder richtig. Es ist einfach alles so wie es ist und so darf es ja auch sein. Lieben Dank für Deinen Beitrag aus der Praxis. 🙏

16. May
@Mike.time Du bist so herrlich und angenehm unkompliziert im Ommmmmm (das meine ich tatsächlich positiv, Nicht zynisch ) 🤍
17. May

Gut erkannt und toll geschrieben. Ein Aspekt wurde dabei jedoch außen vor gelassen, welches den in den ach so liberalen westlichen Demokratien alle Partner knechtet, und zwar idR die Männer: das Unterhaltsrecht nach Scheidung. Dass man für seine Kinder zahlt und zahlen muss ist klar und für mich persönlich auch moralisch gerechtfertigt. Aber dass die einzige Leistung der reichsten Frau der Welt war, den "richtigen" Mann zu heiraten und sich dann wieder von ihm scheiden zu lassen (ich rede von Frau Bezos' Ex Frau) will mir nicht in den Kopf. Deshalb finde ichces sehr gut dass div. EU Parlamente (wie auch das österreichische) gerade an der "verschuldensabhängigen" Scheidung arbeiten: KEINE Feststellung mehr WER schuld ist (der Sexverweigerer oder der Fremdgeher, der Spülernichteinräumer oder der Reisemuffel): einfach auseinandergehen wie zivilisierte Menschen es tun sollten....dann stimmt das oben Geschriebene: jeder soll beginnen und enden wie er oder sie das beziehungstechnisch möchte....

16. May
@AureliusV …ich träume und schwebe und verliere mich Stunden im Philosophieren über Sehnsüchte, Kopfkino, Ambivalenzen und psychologische Dynamiken und du bringst die Diskussion sehr zielsicher zu Unterhaltsrecht und MacKenzie 🤣 Schwarze Selbstironie: unsere derzeitigen Wege, nun die Brötchen zu verdienen, erkennt man zwischen den Zeilen vermutlich ganz gut 😅 Danke für die Beteiligung. Really love your mind. ❤️
17. May

Auf die Gefahr hin, dass ich mir beim Tippen die Finger verbrenne, hinterlasse ich trotzdem einen Kommentar: Sind gebundene Männer nicht jene, die sich Luftschlösser bauen? Woran sind sie gebunden – an ein feierliches Ritual (wie eine Eheschließung), welches durch die darin verborgene Symbolik einen unterschwelligen Zwang suggeriert? Ist es Bequemlichkeit, Sicherheit, sind es Verpflichtungen, die binden? Die Flucht in nicht monogame Bindungen ist immer ein Zeichen dafür, dass etwas in der Beziehung fehlt – eigentlich ein sinnloser Rettungsversuch, bei dem es am Ende immer Opfer gibt, meistens zwei. Man darf an dieser Stelle ruhig die drei Beispiele noch einmal in Gedanken durchspielen. Der Single Mann, der ein Escort Girl besucht, wird hier nicht erwähnt. Dabei ist er vielleicht der Einzige, der in diesem Kreis monogam lebt. Er ist glücklich und zufrieden, wenn er eine passende Frau findet, mit der er Lust und Leidenschaft teilen darf – im Idealfall immer mit der gleichen. Der „Perfektheitswahn“ einer Beziehung spielt hier keine Rolle. „Die ewige Widerkehr“ von beiden ist freiwillig, weil sie harmonieren. Vielleicht ist diese Vorstellung aber auch nur eine Illusion von einem Happy End?

17. May
@stranger1976 …denke, sobald echte Menschen in einem Happy End auftauchen, wird es widersprüchlich. Und das ist ja das Schönste, Spannendste und Lebendigste daran. Ich mag, dass das Leben meistens etwas komplexer ist als „Virgin River“ …
17. May

❤️

18. May
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