Ich treffe gern gebundene Männer.
Vielleicht, weil sie zuverlässiger sind. Weil sie gewohnt sind, in einem vorgegebenen Raum zu existieren, ohne ihn sofort zu sprengen.
Und weil dadurch vieles weniger ausufert.
Aber auch, weil mich Beziehungen faszinieren. Die Dynamik zwischen Menschen, gerade die zwischen Freiheit und Bedeutung.
Und wo wäre ich näher an dieser Thematik als bei gebundenen Männern plus minus meines Alters, die zu mir kommen?
Ich habe einen Kunden, der über die Zeit wohl mehr mit mir redet, als mich berührt. Middle aged, erfolgreich, geschniegelt, ständig unter Druck. Immer in der Mittagspause und stets mit einer Flasche Crémant.
Neulich erzählte er mir, er hatte 321 Frauen. 70 % gekauft, 30 % abgeschleppt.
Seine Frau weiß nichts davon. Die Beziehung ist wichtig und läuft gut. Über zwanzig Jahre zusammen.
Ich schlug ihm vor, er solle ihr doch alles erzählen. Alles von seinen Fantasien. Sie würde ihn verstehen, sie würde mitmachen. Ziemlich sicher, so wie er sie beschreibt. Dann müsste er nichts mehr verheimlichen.
Er schaute mich fast entrüstet an.
„Das ist ja genau der Punkt. Ich weiß, dass es ihr gefallen würde.“
„Und dann? Was mache ich denn bitte mit ihr danach? Das ist doch Pandoras Kiste.“
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Ein anderer Mann erzählte mir von seiner langjährigen Beziehung, die nach vielen Jahren bewusst zu einer offenen Beziehung wurde. Er schätzt sie sehr.
Klare Regeln. Ehrlichkeit. Es ist sogar gewünscht, dass beide sich außerhalb der Beziehung frei bewegen.
Mit zwei Grenzen:
Keine Penetration und nicht zu viel Atmosphäre.
Und lange funktioniert das.
Bis sie immer weniger datet.
Und genau dort beginnt er plötzlich zu verheimlichen. Was er nicht muss , aber die Offenheit verliert ihre Symmetrie .
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Und dann gibt es noch diese dritte Geschichte. Mit einem ganz anderen Anfang , die aber wieder zum selben Punkt kommt.
Zu dieser Asymmetrie.
Er und sie, beide mit genug Leben hinter sich, lernen sich bei einem Tantra-Retreat kennen. Freie Liebe, keine Besitzansprüche.
Sie schwören sich ewiges zusammen sein und bauen sich ein Haus in den Bergen.
Kein klassisches Modell. Jeder darf alles , solange der Partner die Prioritä Nummer 1 ist.
Und lange funktioniert das erstaunlich gut.
Bis sie irgendwann jemanden kennenlernt und geht .
Ironischerweise nicht in mehr Freiheit hinein, sondern in Exklusivität , die sie verdammte.
Und wo landet er irgendwann?
Klar hier. Bei KM.
Und vielleicht, nur vielleicht, wird ihr neuer Partner irgendwann auch hier landen.
Und was wird aus ihr?
Möglicherweise wiederholt sich alles. Vielleicht auch nicht.
Es gibt Paare, die offen beginnen und klassisch enden.
Und es gibt Paare, die klassisch beginnen und offen enden.
Und mir scheint, egal in welcher Phase man gerade lebt, entstehen irgendwann wieder ähnliche Zustände.
Nur unter anderen Begriffen.
Eine ewige Wiederkehr.

