"Bitte geht freundlich und wertschätzend miteinander um." Ich würde sagen, dieser Satz hat bei niemandem die Wirkung: "Ach, ja... hätte ich ja sonst ganz vergessen."
Vermutlich halten wir uns alle für respektvolle Zeitgenossen.
Nach mehreren Jahren in diesem Nebenjob weiß ich mittlerweile, dass Männer meistens ein Kompliment meinen. Und trotzdem weckt es bei mir oftmals die Frage, ob das gesamte blut gerade ausschließlich sein bestes Stück versorgt.
"Wow, du bist so heiß"...andere hätten erstmal "Guten Abend" gesagt.
Im Internet lesen wir so oft den Begriff „Triggerwarnung“. Aber hier? Auf einem Portal, wo es um das sensibelste Geschäft der Welt geht…?
Hier wird nicht etwa gefragt: „Darf ich dir eine kinky Frage stellen?“ Nö- hier wird mit der Tür ins Haus geplatzt. Ankoten, Sklavendienste, oder ob ich jemandem in die Weichteile trete…
Als wäre es meine Pflicht, auf etwas, dass viele als menschliche Abgründe bezeichnen würden, auch noch respektvoll und mit sprachlichem Fingerspitzengefühl zu reagieren.
Als hätte ich kein Recht, jemandem genauso unverfroren entgegenzutreten, wie dieser jemand auf mich zuging,
Vielleicht sind die Damen hier gar nicht arrogant, wie viele Männer sagen.
Vielleicht wird nur die Reaktion zum Problem erklärt, weil es bequemer ist.

Sehr viele Frauen hier sind überhaupt nicht arrogant. Ich mag offene Menschen mit Respekt und der Eigenschaft, vorbehaltslos mit anderen Menschen umzugehen. Je körpernaher ein Kontakt oder eine Dienstleistung ist, umso mehr nimmt sie Einfluss auf unsere Wahrnehmung. Je öfter unsere Wahrnehmung negativ belastet wurde, umso weniger sind wir bereit, vorbehaltlos zu handeln. Man nennt das lernen oder konditionieren. Hat man das Glück, in einer körpernahen Dienstleistung überwiegend positive Momente zu haben, so entsteht eine offene und positive Einstellung zu dieser Dienstleistung und den damit verbundenen Kontakten. Sind diese eher negativ in der eigenen Bewertung, wertet man ab und pauschalisiert über die Zeit. Ich finde es mitunter erschütternd, mit welchen Abgründen ihr gelegentlich konfrontiert werdet und staune, wie einige trotzdem lange die Contenance wahren können. Aber wir sind trotzdem Ergebnisse unserer Erfahrungen und verändern uns durch unser Tun. Können wir wirklich noch vorbehaltlos agieren und die Nähe schenken, die vielleicht gewünscht ist? Haben die vielen miesen Worte und teilweise Taten bereits Furchen hinterlassen? Machen sie uns zu einem anderen Menschen im Laufe der Zeit? Sind wir noch in der Lage so zu schwingen und zu leuchten wie zu Anfang? Meine Zeit hier hat mich verändert, ich schätze mehr denn je einen authentischen und unvoreingenommenen Kontakt mit der Fähigkeit sich einzulassen in einen besonderen Moment, der es für mich auch noch nach vielen Jahren ist.
Das "Bitte geht freundlich und wertschätzend miteinander um." sagt meiner Meinung nach insbesondere etwas über den aus, der es (oberlehrerhaft) äußert - "Ich gehöre zu den Guten". Da drängen sich Parallelen zu "Ich bin der Martin, ne" (Diether Krebs) auf. Hier in der Zwischenwelt fallen die Hemmungen, Hemden und Rentierpullover, und auf dem Weg in den 7. Himmel - die Würde des Mannes ist unten tastbar - können leider manche Geschlechtsgenossen nicht an sich halten sorgen für peinliche Situationen; 'was für's Fremdschämen. Für's Kopfkino: Bei Stimmengewirr im ÖPNV würde das kompromittierende Thema "Zungenanal" bestimmt für Ruhe sorgen. Aber im Hotelaufzug respektlos über heikle Tehmen sprechen? Never ever!