Histoire de l’amour
Eine Karriere geht durch die Decke
In der letzten Woche habe ich den einen oder anderen aparten Braunschweiger getroffen. Das war nett und durchaus unterhaltsam. Dabei erfuhr ich auch, dass es zwischen Braunschweig und Hannover eine Konkurrenz geben soll. Irgendetwas mit Fußball. Davon hatte ich noch nie etwas gehört. Wenn ich Braunschweig höre, denke ich ohnehin an etwas anderes. An die Welfen. An Heinrich den Löwen. Und an eine Mätresse, die heute fast vergessen ist. Eleonore d'Olbreuse. Jedenfalls gäbe es ohne sie womöglich gar kein Land Niedersachsen, sondern Braunschweig und Hannover wären separat geblieben.
Der Begriff „hochgeschlafen“ klingt heute nicht besonders vornehm. Im Barock hätte man ihn vielleicht instrumenteller verstanden. Damals konnte die Wahl des Ehepartners über das Schicksal von Menschen und ganzer Dynastien entscheiden.
Eleonore war eine hugenottische Adelige aus Frankreich. Für einen Welfenprinzen war sie eigentlich nicht standesgemäß genug. Doch Georg Wilhelm von Celle setzte die Ehe mit seiner Mätresse gegen viele Widerstände durch. Aus dieser Verbindung ging eine Tochter hervor: Sophie Dorothea.
Auch sie heiratete einen Welfen. Ihren Cousin Georg Ludwig aus Hannover. Dieser wurde später als Georg I. König von Großbritannien. Es war keine glückliche Ehe, die nur dem Zweck diente die welfischen Länder zu vereinen. Georg hatte eine Geliebte mit dem schönen Namen Melusine von der schulenburg. Sie gewann großen Einfluss am Hof von Hannover und später auch in London.
Sophie Dorothea suchte ihrerseits Trost bei einem Grafen Königsmarck. Ob die beiden tatsächlich ein Liebespaar waren, darüber wird bis heute spekuliert. Für ihren Ehemann spielte das keine Rolle. Königsmarck verschwand unter bis heute ungeklärten Umständen. Sophie Dorothea wurde auf Schloss Ahlden verbannt. Deshalb sprach man von ihr nur noch als die Prinzessin von Ahlden. Ihre Kinder sah sie nie wieder.
Zu ihren Kindern gehörte auch die spätere Königin in Preußen. Deren Sohn wiederum war Friedrich der Große.
So schrieb eine französische Mätresse, die eigentlich nicht gut genug für eine deutsche Dynastie schien, Geschichte. Ihre Nachkommen saßen auf den Thronen von Großbritannien und Preußen.
Wenn man heute von jemandem sagt, er habe sich hochgeschlafen, klingt das nach Spott. Bei Eleonore d'Olbreuse war die Sache komplizierter. Ohne sie wären manche Kapitel der niedersächsischen und englischen Geschichte vermutlich anders verlaufen.

