Bisher habe ich mit Messen vor allem diejenigen Männer verbunden, die ich insbesondere zu Messezeiten in Berlin getroffen habe. Selbst war ich in meinem Leben nicht oft auf Messen. Ich erinnere mich an die Bundesgartenschau in Düsseldorf 1987, an irgendeine Lebensmittelmesse um 1990 herum, und dann war die nächste Messe, glaube ich, schon die Venus. Das muss 2012 gewesen sein. Oder ist das Royal Tournament in London auch eine Art Messe? Da war ich auch mal. Zumindest war das eine Inszenierung von Potenz oder Power. Und auch einer bestimmten Form von Community im Sinne von Bündnissen.
Dieses Jahr war ich seit langem mal wieder auf einer Messe: Und zwar auf einer Karrieremesse. Ich hatte mich gründlich vorbereitet: Meinen Lebenslauf auf Deutsch und Englisch überarbeitet, online hochgeladen, gezielt Unternehmen ausgewählt und deren unzählige Karriereportale studiert.
Vor Ort war ich dann von den Menschenmassen vollkommen erschlagen. Schon den Gesprächen anderer zuzuhören, reichte mir. Dabei hatte ich mir so viele gute Fragen überlegt. Gleichzeitig beschlich mich der Eindruck, dass die Vertreter an den Ständen ohnehin nicht diejenigen sind, die am Ende über Karrieren entscheiden.
Das brachte mich ins Grübeln, was Messen eigentlich ausmacht. Oft wird ganz nett von Community und Austausch gesprochen. Tatsächlich erlebte ich vor allem eine entfesselte Arena mit dichtem Gedränge. Menschen kommen zusammen, weil sie etwas haben wollen, anbieten oder vermitteln. Der viel beschworene Community-Gedanke erscheint mir oft eher als Storytelling.
Auch in der Sexbranche gibt es Messen. Die Venus habe ich selbst einmal besucht. Eine andere steht gerade vor der Tür. Auch auf Sexmessen wird besonders deutlich, was für alle Messen gilt: Sie sind vor allem Schnittstellen zwischen Individuen und einen Markt. Unternehmen vermarkten hier ihre Produkte, Dienstleistungen oder Portale. Einzelne Menschen versuchen, sich in diesem Gefüge zu behaupten.
Gerade in der Sexarbeit entsteht daraus eine spezielle Spannung. Es ist schon ein Unterschied ob ein Superstar wie Madonna über Sex sing oder wenn man eine Sexworkerin selbst ist.
Am Ende bleibt bei mir ein ähnlicher Eindruck wie auf einer Karrieremesse haften. Die eigentliche Frage ist nie, wer zu einer Community gehört, sondern wer von wem profitiert. Und manchmal wirkt es, als würde die Maschinerie von Interessen Dritter die Individualität des Einzelnen verschlucken. Unabhängig davon, ob jemand seine Arbeitskraft oder seine Intimität anbietet.

