Königsmarck-Affären
An diesem Samstagmorgen habe ich angesichts des Wetters auf eine Tasse Kaffee frühmorgendlich verzichtet und setze meinen kleinen historischen Ausflug in Royale Liebesgeschichten fort.
Im letzten Blog fiel bereits der Name Königsmarck. Und ich ging etwas auf die Affäre zwischen der Erbprinzessin Sophie Dorothea von Hannover und dem Grafen Philipp Christoph von Königsmarck ein. Nachdem Sophie Dorothea auf Schloss Ahlden verbannt worden war und Philipp Christoph unter bis heute nicht vollständig geklärten Umständen verschwand, machte sich dessen schwester Aurora von Königsmarck auf den Weg an den Dresdner Hof.
Sie hoffte darauf, dass Kurfürst Friedrich August I., der spätere August der Starke, ihr bei der Aufklärung des Schicksals ihres Bruders helfen könne. Bekanntlich entwickelte sich daraus eine Liebesbeziehung. Aurora war etwa zwei Jahre lang die Mätresse Augusts des Starken.
Was jedoch viele nicht wissen: Aurora war bereits zuvor eine ungewöhnlich selbstständige Frau, die ihren eigenen Weg ging. Das ist übrigens gar nicht so untypisch für manche Frauen, die in der Geschichte der Prostitution eine gewisse Eigenständigkeit entwickelten. Wobei man Mätressen und Prostituierte etwas voneinander unterscheiden muss.
Aurora schrieb nicht nur Geschichte, sondern auch Gedichte, komponierte Musik und war künstlerisch tätig. Nach ihrer Zeit als Mätresse blieb sie unabhängig und heiratete nie. Stattdessen wurde sie Vorsteherin des bedeutenden uralten, hochadeligen Damenstifts in Quedlinburg. Auch das ist bemerkenswert. Eine ihrer Nachfolgerinnen war dort die schwester Friedrichs des Großen. Aus Auroras Beziehung mit August dem Starken ging ein Sohn hervor: Maurice de Saxe, der später als französischer Marschall zu den bedeutendsten Feldherren Europas zählte. Wenn wir Aurora heute lediglich als Mätresse Augusts des Starken wahrnehmen, werden wir ihrer Persönlichkeit nicht gerecht. Sie war weit mehr als eine Geliebte eines Herrschers. Ihre Urenkelin war die Schriftstellerin Aurore Dupin, besser bekannt unter ihrem Künstlernamen George Sand. Die wiederum eine berühmte Liebesgeschichte mit dem Komponisten Frédéric Chopin hatte.
Am dänischen Hof spielte sich derweil eine ganz andere tragische Liebesgeschichte ab, die wir als Struensee-Affäre kennen. Der deutsche Arzt Johann Friedrich Struensee wurde Leibarzt des wahnsinnigen dänischen Königs Christian VII. und gewann bald erheblichen Einfluss. Gleichzeitig entwickelte sich eine Liebesbeziehung zwischen ihm und Königin Caroline Mathilde, die als englische Prinzessin aus dem Hause Hannover eine Urenkelin der in Folge der Königsmarck-Affäre nach Ahlden verbannten Erbprinzessin Sophie Dorothea war. Struensee setzte zahlreiche Reformen durch, darunter auch eine liberalere Haltung gegenüber Prostitution und Bordellen. Sein Aufstieg endete jedoch dramatisch: Nach einem Hofkomplott wurde er 1772 verhaftet und auf besonders grausame Art hingerichtet. Caroline Mathilde wurde ausgerechnet nach Celle verbannt. Bis heute wird gemutmaßt, dass Prinzessin Louise Auguste von Dänemark in Wahrheit Struensees Tochter war.
Eine Nichte von Struensee heiratete einen entfernten Verwandten von Aurora und wurde dann auch Gräfin Königsmarck aber wenigstens ohne bekannte Affäre.

