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Prinzessin Kaufmich

Sexualisierte Doppelmoral hält besser!

Nach meinen Ausflügen in royale Liebesgeschichten des 17. und 18. Jahrhunderts könnte man sich fragen: Was hat das eigentlich auf einer Seite wie Kaufmich zu suchen? Für gewöhnlich sind Huren schließlich keine Prinzessinnen, und von königlichen Prinzen sind die meisten auch weit entfernt. Wobei sich gelegentlich vielleicht doch mal einer verirrt. Aber das wäre eine andere Geschichte. Die Quintessenz aus der Geschichte bleibt jedenfalls dieselbe: Männer durften Geliebte unterhalten, sich mit offizielle Mätressen umgeben und diese im Zweifelsfall sogar heiraten. Frauen durften das nicht. Ein Wilhelm der Eroberer wurde im tiefsten Mittelalter unehelich geboren und beerbte trotzdem seinen Vater als Herzog der Normandie. Frauen hingegen durften bis 1918 in keiner deutschen Monarchie einen Thron besteigen. Die Salische Erbfolge privilegierte Männer und schloss Frauen konsequent aus. Und das wurde auch auf viele andere gesellschaftliche Bereiche übertragen. Davon waren nicht nur Prinzessinnen betroffen.


Aber zurück zum Thema. Was hat das mit Frauen im Paysex zu tun?


Sehr viel. Denn wer glaubt, wir hätten diese Denkweisen komplett hinter uns gelassen, irrt sich. Gesellschaftlichen Schranken und individuelle Engstirnigkeit sind nicht verschwunden. Sie haben sich nur verschoben. Nirgendwo sind diese unsichtbaren Mauern heute so deutlich zu spüren wie im Umfeld von Sexarbeitenden. Wie reagiert die Gesellschaft, wenn ein Mann eine Sexworkerin heiratet? Oder das Thema Hure als Krankenschwester oder Kollegin im Büro. Prompt greifen die alten Reflexe. Es ist die exakt gleiche patriarchale Doppelmoral von damals: Dem Mann wird unterstellt, er verliere an Status, oder er sei naiv. Die Frau wird über ihre sexuelle Aktivität abgewertet.


Am Ende zeigt uns der Blick in die Geschichte, dass die alten spießbürgerlichen Schranken nur modern verpackt wurden. Die Kontrolle und das Stigma sind geblieben.

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