Die Teile 1 und 2 finden sich in meinen vorhergehenden Blogs
AUSSTIEGS-PROGRAMME / UMSTIEGS-UNTERSTÜTZUNG
Von dem Wort Ausstieg aus der Prostitution halte ich nicht viel. Besser wäre es zu sprechen von um einem Umstieg von der Sexarbeit in andere Tätigkeiten.
Mit dem Konzept des Sexkaufverbot geht ja einher, dass für alle Sexarbeitenden Umstiegsangebote gemacht werden, damit sie alle aufhören (können). Wenn wir nach Frankreich blicken, wo vor kurzem das „nordische Modell“ eingeführt wurde, dann zeigt eine Untersuchung 1), dass in den fast 2 Jahren nur 395 Personen die Ausstiegs-Angebote genutzt haben. Was nicht heißt, dass alle „ausgestiegen“ sind. Bei einer geschätzten Anzahl von 40.000 bis 100.000 Sexarbeitenden in Frankreich ist das ja nicht sonderlich viel.
Auch in Deutschland gibt es viele Möglichkeiten für Sexarbeitende, Unterstützung oder Begleitung beim Umstieg zu erhalten. Jede Beratungsstelle für Sexarbeitende bietet das an, und macht dies auch schon sehr lange. Es gibt immer wieder Berichte, dass ausstiegswillige Sexarbeitende von Beratungsstellen zurückgewiesen wurden. Das ist schlimm, ich würde aber in den betreffenden Fällen gerne recherchieren, woran es gelegen hat. Ansonsten möchte ich für die Beratungsstellen 2) nämlich eine Lanze brechen, denn sie machen wirklich gute Arbeit.
Auch das Familienministerium hat sich schon mit dem Thema beschäftigt. Es gab schon ein Modellprojekt zur „Unterstützung des Ausstiegs aus der Prostitution“ mit der Laufzeit November 2011 bis Mai 2015 3).
Aktuell läuft gerade in zweites Modellprojekt mit 6 Städten in Deutschland, welches 1. August 2021 begann.
Das erste Projekt ist natürlich ordnungsgemäß evaluiert worden, und ich möchte ein Zitat 3) daraus bringen:
„Geschätzt wird, dass jede 10. Sexarbeiter:in im Rahmen eines Ausstiegs auf Beratung und Unterstützung angewiesen ist.“
Das heißt, dass es für jede 10. Umstiegswillige Person sehr wichtig ist, dass es diese aufwendigen und auch sehr speziell auf Sexarbeitende zugeschnittene Begleitung braucht.
Das zeigt aber auch, dass 9 von 10 den Umstieg alleine hinbekommen haben oder ihn doch nicht wollen.
Das zeigt sehr deutlich, dass Sexarbeit keine Sackgasse sein muss.
Dabei möchte ich es hier belassen. Es gäbe noch viele Themen, die ich ansprechen könnte und auch möchte, aber das mache ich dann in weiteren Blogbeiträgen.


Von wem werden diese Blogs hier gesponsert?
Wenn man sich durch die Regenpresse informiert, dann ist der ganze Gewerbe des Teufels, incl. sogenannter Massagesalons (unübertroffen: Louise Winkelmann in Loriot/Ödipussi). Das Milieu ist untrennbar mit Zwang und Menschenhandel verbunden, und Prostituierte sind bis auf Einzelfälle Opfer, deren Einkommen nicht der Rede wert ist - gut, dass es Frauen gibt, die sich für ihre gepeinigten Schwestern einsetzen. Wenn man sich tiefer in diesen vermeintlichen Sündenpfuhl begibt, zeigt sich, dass gar kein Gespräch gesucht wird und das Verhältnis eher toxisch ist. Es geht weniger darum, die Beweggründe für P6 kennen zu lernen und Frauen aus einem vermuteten Elend herauszuholen; vielmehr soll die eigene Agenda vorangetrieben werden. Aus www.stoppsexkauf.at: „Dass Männer sich den sexuellen Zugang zu Frauen erkaufen können, um ausschließlich ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen, widerspricht fundamental der Überzeugung, dass alle Menschen gleich sind“… „Du bist ihnen ausgeliefert, den Männern. Sie schlafen mit dir, weil du Geld brauchst. Sie überschreiten Grenzen.“ ... „Mitunter wirkt das Wissen, eine Sexsklavin zur Verfügung zu haben, sogar erregend. Absolut stumm beim Akt, liegt mit leeren, zur Decke starrenden und weit geöffneten Augen da und lässt alles über sich ergehen.“ OMG – das ist wie ein Tritt in den Unterleib, widerspricht völlig meiner Lebenswirklichkeit und ist eher unter 'Hass und Hetze' einzuordnen. Mit dem sog. Sexkaufverbot sollen offenbar neue (entmündigende) Regeln für das Verhältnis zwischen den Geschlechtern etabliert werden, fernab von Lust, Verführung, Leidenschaft und Hingabe. Fragen zum bisherigen P6-Einkommen werden mit vermeintlichen Ausstiegs- bzw. Umstiegshilfen quittiert. BAT oder Bürgergeld für alle, die der (behaupteten) Prostitution abschwören? Zwang und Menschenhandel - ist mir bislang nicht begegnet – kann bei der aktuellen Gesetzeslage noch angezeigt werden, und weder erkaufe ich einen sexuellen Zugang (nein bleibt nein), noch möchte ich ausschließlich meine eigenen Bedürfnisse befriedigen. Bei einem Treffen muss zwingend die Chemie stimmen, und alles weitere hängt freilassend davon ab, was beide wollen – mit Spiel über die Bande und offenem Austausch über die Lebenszusammenhänge. Wenn die sog. Abolitionistinnen ein gestörtes Verhältnis zu Männern haben - und einvernehmlichen Sex mit erzwungener Penetration gleichsetzen - , tut es mir für sie leid. Aber das in kein Grund, sich vor deren Karren spannen zu lassen.
Damit ich nicht missverstanden werde: Eine Unterstützung von persönlich gewünschtem Aus- und Umstieg finde ich völlig in Ordnung – keine(r) soll aus finanziellen Gründen zu sexuellen Handlungen gedrängt werden. Damit kommen wir natürlich zum Thema ‚Alternativen‘ und ‚Recht auf Arbeit‘ – mit möglichen Bildungswarteschleifen bekommt man das nicht gelöst. Ich halte es aber nicht für richtig, das mit dem diskutierten Sexkaufverbot zu verbinden.