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Wo Verbote von Prostitution hinführen

Bei der Fachtagung HIV-Kontrovers  geht es immer darum, dass ein Themengebiet von zwei unterschiedlichen  Seiten beleuchtet wird und es zu Diskussionen auch mit dem Publikum  kommt.


Kontroverse 4:
„Sexkaufverbot: Ein klares Signal gegen Menschenhandel oder der schnellste Weg in die Illegalität“


Referentinnen:

  • Simone Kleinert | Bundesverband Nordisches Modell - zur Umsetzung des Gleichstellungsmodells in Deutschland e.V.
  • Johanna Weber | Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen e.V.

Die Dinosaurier des Themenbereichs treten gegeneinander an.


Vor dem Publikum mit dem Aidshilfe-Hintergrund war das natürlich für  mich ein leichtes Spiel, denn alle hatten Fragen an Simone Kleinert. Einige waren richtig aufgewühlt oder sogar erbost. Simone Kleinert tat mir fast ein wenig leid.


Hier ein Ausschnitt aus meinem Vortrag:



Wo Verbote unsere Branche hier in Deutschland hinführen, haben wir ganz genau zur Coronazeit gesehen.


Sämtliche Prostitutionsstätten waren geschlossen, und die  Prostitution selber war in fast allen Bundesländern verboten. Ich hatte  allerdings das Gefühl, dass außer mir fast alle Kolleg*innen  weitergearbeitet haben, wenn auch nur im geringen Rahmen. Dies auch,  weil sie keine Corona-Hilfsgelder bekommen haben.

Was ist passiert?

  • die Preise gingen in den Keller, was sich jetzt wieder etwas normalisiert hat.
  • Anfragen nach Sex ohne Kondom haben enorm zugenommen. Und das haben  wir leider auch jetzt noch nicht wieder im Griff. Ein Thema auch für die  Aidshilfen.
  • die gewalt, oder ich nenne es lieber Übergriffe, hat zugenommen. Das ist glücklicherweise jetzt wieder zurück gegangen.

Genau dasselbe beobachten wir auch in Frankreich, wo das nordische  Modell vor einigen Jahren eingeführt wurde. Die sogenannten  Ausstiegsprojekte waren nur extrem begrenzt vorhanden oder haben nicht gepasst, denn es haben nur extrem wenige daran teilgenommen. Insgesamt  hat die Zahl der Sexarbeitenden in Frankreich sogar zugenommen, und es wird stark geklagt über die schwierigen Arbeitsbedingungen.

Jedwede Gesetze, die für die Sexarbeitsbranche erlassen werden,  sollten nie über die Köpfe der Betroffenen hinweg beschlossen werden. Sexarbeitende wissen am besten, was gut für sie ist.

Redet MIT statt ÜBER uns.

Liebe Johanna zunächst einmal danke ich dir sehr herzlich dafür, dass du dich so vehement für unsere Interessen einsetzt – und das auch noch mit offenem Visier. Nicht jede und jeder von uns (egal ob Anbieterin oder Kunde) könnte in der Öffentlichkeit so sichtbar sein, wie du es praktizierst. Du verdienst großen Respekt vor deiner Courage, und ich hoffe, dass die Anfeindungen in einem halbwegs erträglichen Rahmen bleiben. Bei der Auseinandersetzung gegen eine mögliche Einführung des Nordischen Modells steht für mich neben alldem, was oft erwähnt wird auch noch der soziale Aspekt im Blickfeld. Um es mal platt auszudrücken: Von einem Sexkaufverbot wären doch in allererster Linie die ärmsten Frauen und Männer in unserer Szene betroffen. Ihre Möglichkeiten, ein Date zu vereinbaren und durchzuführen wären nicht mehr vorhanden – egal, ob Straßenstrich, Laufhaus oder Modellwohnung. Das alles gäbe es nicht mehr, ebenso wenig wie Portale wie dieses hier. Wohingegen diejenigen, die über genügend Mittel verfügen, durchaus ihre Wege finden würden, das Verbot zu umgehen. Dazu würden dann auch die Abgeordneten gehören, die gemeinsam mit ihren moralisierenden Kolleginnen im Parlament für das Sexkaufverbot gestimmt haben – wie pervers wäre das denn? Ich habe aber noch längst nicht die Hoffnung aufgegeben, dass es dazu zumindest in dieser Legislaturperiode nicht mehr kommt.

14. AprAntworten
@Rodekamp2.0 in Frankreich gibt es ja seit Jahren ein "Sexkaufverbot". Kunden werden bestraft und Bordelle sind verboten. Anbieter*innen dürfen ihren Beruf weiterhin ausüben. Zur Ausübung des Berufs bleiben ihnen somit nur Straßenstrich, allein angemietete Räumlichkeiten und Escortservice. Locations, die Sicherheitsmaßnahmen wie einen Alarmschalter oder einfach die Anwesenheit anderer Personen bieten sind verboten. Das Risiko für Anbieter*innen wurde dadurch deutlich erhöht.
15. AprAntworten
@Rodekamp2.0 Du hast in vielen Punkten den Nagel auf den Kopf getroffen. Ich aber habe große Hoffnung, dass wir um das nordische Modell diesmal noch rumkommen. Und daran arbeite ich.
16. AprAntworten
@Rodekamp2.0 - ich bin auch guter Hoffnung, dass wir in dieser Legislaturperiode um das nordische Modell drum rum kommen, aber es ist nicht unmöglich, dass es kommt. Leider ist es so, dass in der CDU nur die Frauen was zu dem Thema sagen, und die Männer sich da komplett rausgezogen haben. Und bei den CDU-Frauen bestimmt die Frauenunion den Takt. Leider.
19. AprAntworten

Durch ein Prostitutionsverbot (egal, ob Nordisches Modell oder eine andere Version) werden ganz offensichtlich die Bedingungen für die Anbieter*innen verschlechtert. Diejenigen, die die Wahl haben, werden aufhören und anders ihren Lebensunterhalt bestreiten. Es werden nur diejenigen übrig bleiben, die keine anderen Optionen haben. Es geht somit nicht darum die Bedingungen für Anbieter*innen zu verbessern. Es geht einfach nur darum der ganzen Gesellschaft die eigenen Moralvorstellungen aufzuzwingen.

15. AprAntworten
@666DevilDriver Exakt so wird es kommen. Genau das ist ja immer mein Reden. Das nordische Modell schadet genau den Kolleginnen, denen eigentlich geholfen werden sollte.
16. AprAntworten
@Johanna_Weber umso erstaunlicher ist ja, dass sich "Feministinnen" wie Alice Schwarzer vor diesen Karren spannen lassen.
16. AprAntworten
@666DevilDriver Die feministische "Szene" ist bei dem Thema tief gespalten. Leider.
19. AprAntworten
@666DevilDriver gebe Dir absolut Recht! Es eht nur darum der gesamten Gesellschaft die eigenen Moralvorstellungen, die dann nur für alle Anderen gelten aufzuzwingen! Das ist echte Perversion!! Jegliche Änderung der Prostitutionsgesetze hat im Prinzip nur zu Verschlechterungen für beide Seiten geführt.
3. MayAntworten

Nun, denen geht es ja nicht wirklich darum, diesen Frauen zu helfen, sondern um die Abschaffung von Prostitution

16. AprAntworten

Die Herrschaften von Politikern in diesem Land sind sich offensichtlich nicht im geringsten Klar über die Wichtigkeit dieser Branche und tritt dieses wichtige Glied der Wertschöpfungskette, so wie alle anderen Gewerke, egal ob Bau, Chemie, Energie, Dienstleistung, Verkehr usw. usw. seit Jahren mit Füßen! Die Prostitution in all ihren Facetten ist nun mal ein Dienstleistungsgewerbe der ganz intimen Art und Bedarf daher auch dem Schutz der Intimsphäre jedes Dienstleisters (gen. Maskulin) und jedes in Anspruch nehmenden Bürgers (Anlehnung Grundgesetz Art.2), Für eine gut funktionierende leistungsstarke Gesellschaft ist dieses Gewerk unabdingbar und die enorme positive psychologische sowie physiologische Wirkung auf einen großen Teil der Gesellschaft wird völlig ignoriert. Ich weiß nicht in welcher Traumwelt diese Politiker dieses Landes leben, aber nicht jeder Mensch hat einen Partner an seiner Seite, oder ist in allen Bereichen Glücklich und kann sich sexuell frei entfalten. Unzählige Glückliche Ehen funktionieren nur durch Existenz dieser Branche, allein lebende Menschen sind dank der Prostitution in der Lage ausgeglichen und leistungsbereit zu sein um wiederrum ihre Arbeitskraft der Gesellschaft zur Verfügung zu stellen. Und dann kommen solche Politiker (allen Voran die der CDU), die einem nicht abzuschätzenden Teil der Bürger dieses Landes, ihre Lebensweise vorschreiben wollen. Man zeigt seit Jahrzehnten mit dem Finger auf Nordkorea und schafft ähnliche Verhältnisse ( Beispiel: § 188, oder Heizungsgesetz), diktiert tiefgreifend ins Leben der Bürger um Dinge die einem so freiheitlich demokratisch gepriesenen Staat überhaupt nichts angehen und nicht angehen darf und wähnt sich auf der "richtigen" Seite. EIne echte Vebesserung würde ich für die Branche sehen, wenn diese nicht mehr öffentlich geächtet, stattdessen einen Status wie jede andere Dienstleistungsbranche (z.B. Immobilienmakler) erhalten und als offiziell anerkannter Beruf geführt werden, einen ermäßigten Steuersatz und eine vollwertige Sozial-und Krankenkassenleistung erhalten würde. Einen richtigen Weg empfand ich immer den Österreichischen, bei dem jede(r) Dienstleister(in) mit einem "Bockschein" offiziell als Anbieter arbeiten und uneingeschränkt werben darf. Es müsste ein flächendeckendes Ärztenetz geben, bei dem sich jede(r) Anbieter(in) ohne bürokratische Hürden regelmäßig einem Gesundheitscheck gegen einen finanzierbaren Obolus unterziehen kann und dafür die offizielle Erlaubnis zur Ausübung und Bewerbung des Gewerbes erhält. Ich könnte mir vorstellen, dass je geringer die Hürden wären, desto kleiner die Dunkelziffer von Ausbeutung und Zwang und somit eher eine Hilfe für die Frauen. Ich habe vor den Menschen in diesem Gewerbe allerhöchsten Respekt, doch nehme ich die immer teurer werdenden Dienste deutlich seltener in Anspruch, insbesondere wegen der Kriminalisierungs- und Verbotspolitik. Bin ich deswegen Glücklicher? Mit Nichten!! (Leider werden hier die Absätze automatisch gekürzt, daher ist der lange Text schwer zu lesen, ich bitte dies zu entschuldigen)

3. MayAntworten

Hallo Darkman, sehr viele gute Gedanken. Es gibt auch eine sehr engagierte Kundschaftgruppe, die sich ähnliche Gedanken machen und versuchen etwas dagegen zu tun, ohne dass sie sich outen müssen. Hier findest du den Kontakt -> https://kundschaft-sexarbeit.de/ Da ich nicht weiß, ob hier Links gepostet werden dürfen, schreibe ich mal dabei, dass diese Gruppe sich Kundschaft-Sexarbeit nennt.

3. MayAntworten

Vielen Dank für die Zustimmung. Wusste gar nicht, dass es eine solche "Gruppierung" gibt. Die Seite ist recht interessant, danke für den Link

3. MayAntworten

"Man kann Prostitution zwar verbieten, aber nicht verhindern." Es hilft Sexarbeitenden wohl kaum, wenn sich das Geschäft komplett in den Untergrund verlagert. Dinge, die im dunklen Bereich des Gewerbes passieren wie Menschhandel, Zuhälterrei, Nötigung, Vergewaltigung etc. sind schon längst verboten. Aufgabe der Politik ist es, den Menschen, die freiwillig einer solchen Tätigkeit nachgehen, ein sicheres Umfeld zu verschaffen und da, wo es im illegalen Bereich liegt, wirksame Massnahmen zu finden und umzusetzen.

7. MayAntworten

So, ist es. Eigentlich soll es ja laut dem Konzept des Sexkaufverbotes für alle "Prostituierten" "Ausstiegsprogramme" geben, aber es gibt bisher keinerlei Konzepte noch Finanzen dafür. Also, wird es die nicht geben, und dann bleiben genau die Frauen, denen eigentlich geholfen werden sollte, in der Sexarbeit hängen

8. MayAntworten
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