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Was wäre wenn wir in Deutschland das "nordische Modell" hätten - TEIL1

Als politische Sprecherin des Berufsverbandes und Sexworkerin mit jahrzehntelanger  Arbeitserfahrung begegnen mir natürlich auch Lebenswelten von  Kolleg*innen, die komplett anders sind als meine eigene. Aber genau diese Kolleg*innen sind wichtig für meine politische Arbeit und die  Hintergründe zu diesem Blogbeitrag.


Der Name "Nordisches Modell" ist eigentlich irreführend, denn es  wenden nicht alle nordischen Länder diese Methode im Umgang mit  Sexarbeit an. Finnland und Dänemark haben sich explizit dagegen ausgesprochen.


Stimmiger wäre das Wort "Sexkaufverbot", denn es handelt sich um eine einseitige Kriminalisierung.


Ein sehr selten zu findender juristischer Spagat. Menschen, die  Sexarbeit in Anspruch nehmen, machen sich strafbar. Menschen die  Sexarbeit anbieten, machen sich nicht strafbar.
Dies soll bewirken, dass die Nachfrage sinkt und somit langfristig die Sexarbeit abgeschafft wird.
Vielleicht habe ich das etwas sehr vereinfacht. Entschuldigung.


Diskussionen um das Thema Sexkaufverbot arten in der Regel komplett aus.
Es kommt förmlich zu einem Kampf zwischen zwei unversöhnlichen Fronten.
Auf der einen Seite stehen Menschen, die selber in der Sexarbeit sehr  viel Elend erlebt haben, teilweise auch traumatisiert sind und deren  Unterstützende. Auf der anderen Seite stehen Kolleg:innen, die Sexarbeit  als Arbeit sehen, sich in ihren Freiheitsrechten eingeschränkt sehen  und Gleichbehandlung mit anderen Berufen fordern.


Für sinnvolle politische Entscheidungen sind die Argumente beider Seiten wichtig.


Und die Wahrheit liegt wahrscheinlich in der Mitte, wenn man denn hier von Wahrheit sprechen kann.
Was Lösungsansätze für Missstände anbelangt scheiden sich die Geister.
Menschen die Sexarbeit generell als missbräuchlich wahrnehmen, setzen  sich für Sexkaufverbote, Hilfe und Unterstützung beim Ausstieg und  gesellschaftliche Ächtung des Gewerbes ein.
Menschen, die Sexarbeit generell als Arbeit wahrnehmen, setzen sich für  mehr Rechte und berufliche Gleichstellung, gesellschaftliche  Entstigmatisierung des Gewerbes und Empowernment ein.

Was wären denn nun die Folgen, wenn in Deutschland das Sexkaufverbot nach dem schwedischen Vorbild eingeführt werden würde?



DIE KUND*INNEN

Vor ewiger Zeit sagte eine schwedische Kollegin zu mir:
„Die guten Kunden sind weg - die schlechten bleiben.“

Jede Sexarbeiterin weiß was ich damit meine.
Welche Kunden bleiben, wenn es verboten ist Kunde zu sein?
Diejenigen, die es mit Recht und Ordnung eh nicht so genau nehmen.
Diese Kunden haben wir eigentlich nicht so gerne.
Das sind die Kunden, die leicht übergriffig sind, immer noch etwas mehr  fordern, immer zu wenig bezahlen wollen, nie zum Ende kommen, usw.
Wenn in unserem Arbeitsalltag ab und zu einer dieser Sorte dabei ist,  dann ist das für die meisten Sexarbeitenden machbar, und das Geld nehmen  wir gerne mit. Wenn wir jedoch nur noch solche Kunden haben, dann wird  die Arbeit unerträglich.


Teil 2 folgt in den nächsten Tagen

Was ich davon halte: Absolut Nichts. Denn es würde nur schädlich sein für unser Business.

22. Feb 2023Antworten

Zu dem angeblich so perfekt funktionierenden Schwedischen Modell,solltet ihr euch mal diese Doku ansehen. https://www.youtube.com/watch?v=tMOgAGWNDno "Die Schattenseiten des Schwedischen Modells"Das lässt doch stark zweifeln.Darin wird geschildert,dass SDLs die sich nicht freiwillig in die Opferrolle der missbrauchten und geschändeten und rettungs bedürftigen Frauen begeben regelrecht von den Behörden diskriminiert. Offensichtlich ist es so,dass wenn der Gesetzgeber meint da etwas regeln zu müssen,das von Personen geschieht,die weder die eine noch die andere Seite des Gewerbes kennen.Oftmals richtet man sich eher nach der eigenen Wählerschaft als nach den betroffenen Frauen,von denen man vorgibt sie schützen zu wollen.Das war doch bei uns auch so Oder? Vor Allem,,wenn bei Gesetzen die etwas regeln sollen,Leute dabei sind,die das Ganze sowieso komplett ablehnen,kann da nichts konstruktives dabei herauskommen. Es gibt Internationale Frauenhändlerringe,die Zwangsprostitution betreiben.Dadurch dass man die Selbstständigen SDLs mit Vorschriften schikaniert ist denen aber nicht geholfen. Dass es auch ohne geht zeigt die Schweiz.Dort war es lange möglich ,schon mit 16 in die Prostitution einzusteigen.Aber das wurde wohl kaum wahrgenommen,weil man nicht wollte,dass die Schweiz zum Anziehungspunkt für Pädophile wird.

22. Feb 2023Antworten

Ich fürchte folgender Satz ist nicht ganz richtig: "Menschen die Sexarbeit anbieten, machen sich nicht strafbar." Jedenfalls stimmt der Satz nur auf dem Papier für Schweden, denn dort können SDL die eigene Wohnung verlieren, auch ist es in Schweden relativ leicht möglich, sein Sorgerecht für die eigenen Kinder zu verlieren, wenn man als SDL arbeitet. Die Folgen eines Verbotes sind immer die gleichen: die Nachfrage wird nicht geringer, deswegen ist in Schweden der Anteil der illegal und unter Zwang arbeitenden SDL gewaltig gestiegen. Auch der Sex-Tourismus von schwedischen Männern ist ganz enorm gestiegen. Viele machen jetzt dort Urlaub wo Prostitution erlaubt ist und wo die Bedingungen von SDL ähnlich schlecht sind, wie im eigenen Land. Somit hat Schweden ganz sicher kein Problem gelöst, sondern höchstens verlagert und einige zusätzliche Probleme geschaffen, mit denen die kaum erfahrene und stark dezimierte Polizei, komplett überfordert ist. In Stockholm gibt es noch exakt zwei Polizisten, die sich mit Prostitution beschäftigen. Wer jetzt glaubt diese beiden könnten auch nur ansatzweise den enorm gestiegenen Menschenhandel und die Zwangsprostitution in dieser Stadt bekämpfen, liegt falsch. Auch kann so ein Verbot natürlich im Bereich der Beschaffungsprostitution, gar nichts bewirken, mal abgesehen von den verschlechterten Bedingungen für die dort nach wie vor tätigen SDL. Am Ende fördert so ein Gesetz nichts anderes als ei, Menschenhandel, Zwangsprostitution und nicht nur eine Kriminalisierung der Käufer, sondern natürlich auch eine Kriminalisierung und Stigmatisierung der wenigen verbliebenen, unabhängigen SDL. Die schwedische Regierung hat nichts anderes getan als einen hochkriminellen Geschäftszweig Konkurrenzlos zu machen und diesem zu einer Renaissance zu verhelfen. Solche Gesetze sind sehr gute Beispiele dafür, wie sich ein demokratisches Land, in einen rückschrittlichen und reaktionären Staat verwandelt, der kriminelle Geschäftsmodelle fördert. Liegt in Europa aber sehr im Trend. Auch in Deutschland wurde ja mit der Zeitarbeit, von einer angeblich sozialistischen Regierung, eine moderne Form der ei eingeführt, die sich auf jegliche Form von Arbeit auswirkt.

23. Feb 2023Antworten
@Auxilius Also wenn Du damit die Schröder/Fischer Regierung meinst(die Agenda 2010 und HartzIV eingeführt hat) dann ist das bestimmt keine sozialistische Regierung gewesen.Die hat sogar mit der Sozial -Demokratie gebrochen.Das war schon Neoliberal.
23. Feb 2023Antworten
@Auxilius - stimmt. Es sit nicht ganz ricjtig, dass Sexarbeitende straffrei agieren dürfen. Dazu komme ich in den folgenden Blogbeiträgen. Den nächsten werde ich gleich posten. Danke für den Blick nach Schweden. Ja, das mit den 2 Polizisten in Stockholm hörte ich auch. Bei dem Personalschlüssel werden die das nie wirklich aufklären. Aber sie verbreiten das Bild von der heilen Welt.
25. Feb 2023Antworten

Tut mir leid, aber der Wortfilter hat wieder zugeschlagen. Da wo nur ein ei geblieben ist, hatte ich ein Wort verwendet, welches per Definition die Ausbeutung einer Person, die der Prostitution nachgeht bezeichnet.

23. Feb 2023Antworten

Verbote von Dingen, die für viele Menschen wichtig sind, führen zu Gewalt, hohen Preisen und Bandenkriminalität. War zu Zeiten der Prohibition auch nicht anders und hat Al Capone reich gemacht. Ich wäre auch raus, weil Genuss nicht mit Hinterhof, Angst vor Entdeckung und Illegalität überein zu bringen ist. Wird es kompliziert oder gefährlich oder zu teuer suche ich mir etwas anderes, das Spass macht. Mir täte es um die Menschen leid, die nicht so einfach einen Haken daran machen könnten.

24. Feb 2023Antworten
@elhotzo So etwas wird es sicher geben und wo schnell und einfach oder skrupellos Geld verdient werden kann werden auch zwielichtige Gestalten auftauchen um es mit möglichst wenig eigener Arbeit einsammeln zu können. Ist bei Drogen, Waffen und Hehlerei auch nicht anders. Meine Möglichkeiten sind auf eigenes Handeln beschränkt, indem ich solches Handeln nach Möglichkeit nicht unterstütze und in meinem Metier Medizin Schäden erkenne und Hilfe anbiete. Völlig durchblicken wird man aber in vielen Fällen nicht jede Situation. Bisher habe ich mit meinen Stammdamen einen intensiven Austausch auch über viele private Dinge gehabt. Zumindest dort kann ich Abhängigkeiten ausschließen. Das das nicht allen hilft, dürfte auch klar sein. Solche Strukturen zu unterbinden ist wohl ähnlich aufwendig, wie Drogen- und Einbruchsbanden zu stellen. Wie groß der Anteil in der Sexarbeit ist, der unfreiwillig und gezwungen agiert, weiß ich nicht. Ich vermute nur, dass KM da eine eher selbstbestimmte Möglichkeit anbietet ohne es genau zu wissen. Ich gehe allerdings auch nicht in Wohnungspuffs, Laufhäuser, Straßenstrich oä, weil es nicht mein Ding ist und ich dort Zwangsprostitution für wahrscheinlicher halte. Auch bei meiner Auswahl hier gehe ich bestimmte Wege, um möglichst wenig Gefahr zu laufen, Mitesser zu alimentieren. Die sind nur an schnellem Geld interessiert, welches überwiegend zu einem Geschäftsmodell mit sehr vielen Kontakten in möglichst kurzer Zeit passt. Im Grunde ist es mit allen Dingen ähnlich, egal ob Alkohol in der Prohibition oder Drogen auf dem Markt. Eine freie Zugänglichkeit mit Akzeptanz in der Gesellschaft führt zu unbeschwertem Handeln. Solange es aber sogar bei Escorts als verpönt gilt, Sex in einer Partnerschaft mit anderen Menschen zu haben, weil das in einer Liebe scheinbar einen Absolutismusanspruch bricht, den das Selbstwertgefühl des Einzelnen nicht erträgt, solange werden Individuen das auch für sich ausnutzen, um leichtes Geld damit zu verdienen.
24. Feb 2023Antworten
@elhotzo es gibt bzw. gab so etwas wie Meinungsfreiheit in diesem Land, von der Du ja auch reichlich Gebrauch machst. Und ja, ein 70 jähriger darf sagen was im nicht gefällt, und ja, man darf fragen " Haben die Damen den Bezug zum Geld verloren ". Ja und Demut.......weshalb Demut?????? Was für mich nicht so unbedingt unter die Meinungsfreiheit fällt, ist von Menschen die man nicht kennt zu behaupten sie würden dieses oder jenes tun. Das nennt man eher Verleumdung, und ja, das tust Du ab und zu. Einen großen Teil deiner Kommentare finde ich richtig gut, ich mag Menschen die " Deutsch " reden, da gibt es weniger Mißverständnisse. Aber sich dann Aufregen weil andere auch eine Meinung haben das passt für mich nicht. Ja und Unterstellungen wie z.B. in deinem letzten Kommentar, sollte man sich verkneifen. Trotzdem werde ich dich vermissen......... na, das klingt jetzt ein bisschen schräg ............deine Kommentare.........dann machs mal gut....
24. Feb 2023Antworten
@Der_Oralapostel irgendwie frisst meine Tastatur Buchstaben........ihm, nicht im.
24. Feb 2023Antworten
@elhotzo der gefällt mir wieder :-)
24. Feb 2023Antworten
@elhotzo - ich hatte selber ein Wohnungsbordell in Berlin (Studio LUX) Niemand ist vorbeigekommen. Es gibt Städte, in denen ist bekannt, dass man Besuch bekommt. Das sind aber nicht viele.
25. Feb 2023Antworten
@Der_Oralapostel : Witzig bei der ganzen Sache ist, daß ich mich gar nicht beschwert habe, daß Sie in Ihrem Profil die Männer mit "Baby" anspricht. Kann man ja auch nachlesen, was ich als 70-jähriger geschrieben habe.
25. Feb 2023Antworten
@elhotzo da dein Profil noch nicht gelöscht ist, würde ich gern mal wissen, wie du auf "ein großer Teil" der Sexarbeit kommst. Die Sexkaufgegner argumentieren ja gern so, als ob Sexarbeit allein in Rotlichtbezirken vorkommt. Wir hier wissen aber, das Sexarbeit ein weites Gebiet ist. Zu den Professionellen in den Rotlichtbezirken kommen noch jede Menge Damen und Herren hinzu, die nebenberuflich und/oder nur gelegentlich Dates verabreden, und wenn wir den Begriff "Prostitution" in seiner gesamten Breite anschauen, dann zählen auch noch all die vielen Personen dazu, die erotische Massagen oder Tantramassagen anbieten. Das alles zusammen ergibt m eine so große Zahl, dass der von Banden kontrollierte Teil eher klein sein dürfte.
12. Mar 2023Antworten
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