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NICHT MONOGAM Teil II – Polyamorie

Wenn zwei sich bewusst auf eine körperliche Begegnung einlassen, ist es einfach.

Umso leichter im unbekannten Rahmen. Reize, Kontext – und der Körper reagiert.

Ein einfaches Spiel.

Oder?


Reaktion ≠ Verbindung

Spannung ≠ Bedeutung

Nähe ≠ Tiefe.


Tatsächlich?

Immer?


_________


Irgendwo, irgendwann, in einem Französischunterricht, sprang mir ein Satz ins Auge:


Lea et Jules sont polyamoureux et vivent chacun avec d’autres partenaires.


Ganz selbstverständlich. Als würde dort stehen, dass sie morgen zusammen Kaffee trinken.

Ich grinste, machte ein Bild und schickte es meinen Freunden mit dem Kommentar:

„Was wäre ein Franzose ohne plaisir? Klar – ein Deutscher.“


Da mir damals die Erfahrung fehlte, kapierte ich gar nicht, was da stand. Für mich war das alles eins: Polyamorie, Promiskuität – mehr Partner, mehr Auswahl, mehr nicht. Alles dasselbe.


Heute sehe ich den Unterschied klar.


Promiskuität beginnt mit einem Impuls. 

Ihr Statement ist klar: Ich will.


Polyamorie beginnt mit dem, was sich danach nicht einfach wieder abduschen lässt.

Ihr Statement ist komplexer: Ich bin berührt.


Promiskuität lebt im Moment,

Polyamorie lebt im Danach.


Promiskuität bestätigt,

Polyamorie verändert.


Und dazwischen liegt ein sehr feiner Grat – umso feiner im Escort-Rahmen: Man darf sich gegenseitig nicht zu viel gefallen, aber auch nicht zu wenig.

Zu wenig – und er kommt nach dem ersten Date nicht wieder.

Zu viel – und er kommt nach ein paar Dates nie wieder.


So kann man die schönsten Dates verlieren. Nicht, weil sie schlecht waren, nicht, weil der Reiz verschwindet, sondern weil sie zu stimmig wurden.

Weil es irgendwann nicht mehr nur die Vorfreude auf ein begrenztes Wiedersehen ist, sondern jemand beginnt, sich einzuschleichen.

In Gedanken. Im Alltag. An Stellen, an denen er nichts verloren hat-

Unmerklich.


Und unmerklich kommen andere Namen.Andere Bilder-

Meine Muse. Meine Wintersonne. Mein Geschenk. Meine Poesie.-

Man genießt es und spiegelt es, indem man dem anderen dieses Bild zurückgibt. Und beginnt, sich ineinander aufzuladen.


Und für einen Moment sieht man sich wirklich.


Ich frage mich manchmal: Passiert es uns – oder erzeugen wir es selbst, weil wir genau das fühlen wollen, obwohl wir wissen, dass es keinen Platz hat. Nicht in einem Leben, das längst gefüllt ist.


Also geht man auf Abstand.


Wir sind hier doch schließlich keine Franzosen.


Ich habe den Eindruck, wir akzeptieren immer mehr, dass Körper und Treue nicht zwingend zusammengehören. Aber Herz und Treue – klar, die gelten als in Stein gemeißelt.


Doch was ist, wenn das Herz kein Einzimmerapartment ist, sondern ein Haus mit mehreren Räumen – und jeder davon hat seine Berechtigung?


Wenn dem so ist, dann bedeutet es nur eines:

eine emotionale Bindung verschwindet nicht, nur weil es eine zweite gibt – oder gar eine dritte entsteht.


Das ist keine Beliebigkeit.

Das ist eine Gleichzeitigkeit.


Wir akzeptieren ganz selbstverständlich, dass man mehrere Kinder lieben kann. Ohne Abstriche und ohne Rangliste. Niemand verlangt, dass man sich entscheidet.

Warum glauben wir dann, dass das, was wir als Erwachsene empfinden, sich gegenseitig ausschließen muss?


Vielleicht sind Gefühle gar nicht exklusiv. Vielleicht sind sie gar nicht dazu gedacht, es zu sein. Vielleicht ist es einfach nur unsere Vorstellung davon.

Es ist doch schon viel, überhaupt etwas fühlen zu können.


Nur hat nicht alles davon Platz in den Strukturen, die uns schützen. Oder ehrlicher gesagt: in den Strukturen, die wir schützen.


Und beides verlangt uns etwas ab –

das, was uns hält

und das, was uns bewegt.


Nicht immer aus derselben Quelle.

Oft genug nicht.

Eine richtig spannende Gedankenreise die du hiermit anregst und wohl auch selbst gemacht hast.

28. Mar

Der Beitrag beinhaltet eigentlich zwei Themenstellungen: Wie können eigentlich Mehrfachbeziehungen entstehen und wie gehen wir damit um. Ich will an dieser Stelle gar nicht auf den gesellschaftlichen Kontext einer langjährigen monogamen Beziehung als Norm eingehen. Alle anderen Beziehungsformen werden gesellschaftlich einer solchen Beziehung gegenüber nachrangig oder sogar unmoralisch bewertet. Wenn man dieser Norm entsprechen will, gibt es eigentlich weder Promiskuität oder Polyamorie. Aber das (Beziehungs)Leben findet eben auch außerhalb dieser sog. Normalität statt. Man kann sich mit Promiskuität zufrieden geben. Oder aber man lässt Erkenntnisse und Gefühle zu, die auch für das Leben außerhalb von KM relevant sind. Das muss nicht gleich in Polyamorie enden, aber man muss es in die eigene Lebensstruktur integrieren wollen und können. Im gegenwärtigen gesellschaftlichen Rahmen ist das nicht ganz einfach, aber möglich. Meine Erfahrung: es lohnt sich.

28. Mar
@Lebenssegler Nun, ich kenne dich nicht – aber danke❤️, dass du dich auf meine Welt einlässt. „Integrieren“ – puh… mutig. Weil, weil , 1000 weil, weil u.a.es einem etwas nehmen würde, dieses schöne „Etwas und Nichts“ zu verlieren. Ich halte es lieber so: diese Melodie im Hintergrund plätschern zu lassen. Stetig.und nicht zu laut. So lange wie möglich.
29. Mar
@Emmy44 In meinem Fall meine ich, dass ich nicht über Polyamorie i.S. konsensualer langzeitlicher Beziehungen auf der Basis von emotionaler Liebe und intimen Praktiken rede. Vielmehr finde ich mich besser wieder im Konzept von Poly- Beziehungen, die inhaltlich vielfältiger sein können. Letzlich folge ich dabei der Überzeugung, dass nicht alle Bedürfnisse von einer Person abgedeckt werden können. Insofern verliere ich nicht, sondern gewinne dazu. Sinnlich, emotional intellektuell. Vielleicht reicht mir das "schöne Etwas und Nichts" nicht aus?
29. Mar

❤️💋

29. Mar

Wie kann man sich auf etwas einlassen , dass i begriff steht, mehr als nur körperlich zu sein? Es ist der Reiz, und auch die Vorstellung, oder Hoffnung, dass es mehr als nur körperlich ist ? Weil wir immer auf der Suche sind ? Vermutlich ..... und ohne sich auf etwas mehr einzulassen , wird es nie funktionieren .... u d ja , wir streben alle nach Liebe, nach polyamorie.... zu.indest hat es den Eindruck.....

29. Mar
@Neophyt Vlt verlieren wir uns gerade ein wenig in den Definitionen, aber ich glaube nicht, dass „alle“ – wie du sagst – „streben“. Ganz und gar nicht. Und das ist auch völlig okay. Sogar gut so. Ich glaube auch , ich habe jetzt mit diesem Blog alle potenziellen Interessenten hier zu Tode verunsichert und erschreckt 😅😂 und ein Danke an dich 😘
29. Mar

@Emmy44 - Gefühle sollten wir nie ausschließen, ob nun hier im P6 oder im normalen Leben - für mich die schlimmste Vorstellung wäre, wenn ich meine Gefühle nicht offen zeigen könnte und umgekehrt genauso. Ein Date lebt von Gefühlen, auch wenn hier schon oft ki-generierte Frauen ihre Dienste anbieten...man muss immer wissen, wie weit man diese zulässt, sonst könnte es problematisch werden und man verletzt seinen Partner unwissentlich. Gefühle machen uns Menschen aus und unterscheiden uns von vielen anderen Individuen. Nutzen wir sie, denn diese Gabe ist nicht selbstverständlich.

2. Apr
@Youni Deine Worte mag ich… deine Verlässlichkeit noch mehr🤍
2. Apr

Wie war, bis bald :-)

3. Apr

Früher (als junger Manm) suchte ich die "Eine" und war "seriell monogam". Heute wünsche ich mir unsere Gesellschaft würde offene Polyamorie erlauben (was sie zumindest in meiner sozialen Umgebung leider nicht tut) da ich - wie in Deinem Artikel sehr gut geschrieben - mit den "richtigen" die man zusätzlich zu der "Einen" auch eine emotionale Ebene einschleicht/ergibt bzw. ich diese inzwischen auch sogar bewusst suche und geniesse; auch die Gespräche und die Wellenlänge außerhalb des S e x müssen für mich (emptional) stimmig sein, dann ist einerseits auch der S e x vieeeeel besser, und anderseits wird es für mich nur dann eine echte Auszeit/Urlaub vom Alltag. Macht Polyamorie gesellschaftsfähig!!!

17. May
@AureliusV Mh…na ja . Wie ich beobachte , in vielen offenen Beziehungen darf Sex sichtbar sein, die emotionale Ebene dagegen nicht….nie.. Und genau dadurch bekommt sie - absurderweise und auch logischerweise - oft noch mehr Spannung, Heimlichkeit und Macht. Und macht vielen Menschen viel mehr Angst als alles Körperliche.….
18. May

....wir, oder zumindest Adelige früherer Jahrhunderte, waren diesbezüglich schon einmal "weiter": Mätressen waren nicht nur sexuelle sondern auch emotionale Gefährtinnen, wovon heute noch stehende Schlösser wie Mirabell in Salzburg oder das Grüne in Dresden u.a. beredtes Zeugnis ablegen...

19. May
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