Ich begrüße Dich ein wenig zögerlich, denn Du bist soooo viel größer und breitschultrig-muskulöser, als Dein Porträtbild es vermuten ließ.
Und Du hast wunderbar goldfarbene Augen,
aber sie schauen gerade irgendwie streng, fast finster.
Das schüchtert mich ein und für einen Moment fallen mir dummerweise jede Menge schlimme Filmsequenzen ein, in denen die Protagonistin für immer verschwindet nach einem vielversprechenden Date.
"Du bist verdammt groß" höre ich mich sagen, bevor ich das verhindern kann.
Du hebst eine Augenbraue und Dein Blick wird plötzlich recht eindringlich. Auch das noch. Puhhh.
Mir wird heiß, sehr heiß.
"Ich bin Dir also zu groß?" fragst Du schließlich ein wenig spöttisch, aber mit einem Lächeln um die Augen.
"Nein, nein, natürlich nicht, entschuldige, ich benehme mich komisch grade, komm doch rein"
Zittrig trete ich zur Seite und prompt stolpere ich über meine eigenen Füße.
Na toll, Du macht Dich wirklich grade lächerlich, denke ich ärgerlich und spüre, wie ich tief rot werde.
"Mache ich Dich nervös?" jetzt schaust Du mich besorgt an.
"Na ja, also, wenn ich ehrlich sein soll, ja, ein bißchen, zugegeben"
"Ich bin ganz freundlich, keine angst" Du lächelst mich strahlend an, "ich tu Dir nix, wirklich, entspann Dich"
Ich seufze erleichtert, die Spannung löst sich auf in diesem wirklich herzlichen Lächeln. Ich gehe Dir voraus in den Raum und als Du anerkennend sagst: "oh, wow, das ist ja schön hier, tolle Athmosphäre, freu mich voll", schmilzt auch der Rest meiner Nervosität vollends dahin und ich umarme Dich endlich zur Begrüßung.
Ich sitze angelehnt an der Wand, Du sitzt vor mir zwischen meinen Beinen, gemütlich an mich angelehnt.
Dein Kopf ruht zwischen den weichen Kissen meiner Brüste.
Es ist warm im Raum, das Licht gedämpft, Musik im Hintergrund, es duftet fein, aber unaufdringlich.
Du darfst Dich entspannen, die Augen geschlossen, den Atem tiefer werden lassen, den allerersten Haut- und Körperkontakt genießen, der Musik lauschen, nach innen sinken, ankommen bei Dir und in der vermutlich ungewohnten Situation und Atmosphäre.
Sanft und ruhig beginne ich Dich zu berühren.
Ein paar Minuten lang ist es dann doch ein wenig eine Massage, wenn es auch bei meinen Begegnungsritualen ja nicht um eine Massage bekommen geht.
Ich hole Dich jetzt einfach ein bisschen hinein ins Spüren, ins Runterfahren und Ankommen im Miteinander.
Ein bißchen den Kopf kraulen, die Ohren drückeln, streicheln, massieren,
ein wenig Nacken und Schultern lockern, einölen, sanft und wohlig dehnen.
Wenig später sitzen wir irgendwann voreinander, oder vielleicht liegen wir auch nebeneinander, jetzt nackt, Haut an haut, Körper an Körper.
Augenkontakt, connecten.
Ruhig und ganz und gar inniglich gehen unsere Hände nun auf Abenteuerreise.
Es wird inniger, feuriger, lustvoller, atemloser.
Immer wieder setzen wir ruhige Inseln in die bewegte Energie, den Wellengang des Flows.
Wir lachen auch mal, irgendwie ist ja manchmal einfach ein Arm oder Bein zu viel da und man muss sich einigen.
Werden dann wieder wortlos, ganz eingetaucht in Fühlen, Spüren und Vibrieren.
Vielleicht tauschen wir Sätze, die uns entflammen.
Immer auch zärtliche, herzliche.
Wir lassen uns gehen, aber nicht dahin, wo der Andere zu einer anonymen Sexpuppe, einem Dildo aus Fleisch oder gar einer bloßen Körperöffnung wird.
Und wieder einmal bin ich tief tief beeindruckt, was für eine Kraft diese Dates entwickeln können, wie schnell man mit einem eigentlich fremden Mann ein so inniges Strömen, ein so freies, im allerbesten Sinne schamloses, unverklemmtes Spielen, sich erfreuen aneinander, erreichen kann.
Sex ist einfach ein Ausdruck von Eros, von der großen Liebe, die das Leben ist. Immer. Egal wie lange man sich kennt oder nicht.
Eine wunderbar einfache, tief nährende Begegnung mit einem Riesen.
Danke Leben.

