Macht Sexarbeit (psychisch) krank?


Anonymous

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In der Missionarsstellung zwischen Bauchweh, Kopfschmerzen und Liebeskummer...

Früher habe ich mich immer gewundert, warum es so wenige echte Freundschaften oder eine gute Kollegialität in der Sexarbeitsbranche gibt. Ich glaube manchmal, das ist eine pathologische Beziehungsproblematik. Möglicherweise stranden in der Sexarbeit vermehrt Menschen, die eigentlich gar nicht beziehungsfähig sind, genauso wie die, die Sexarbeit abrufen. Oder ist das nur eine sehr gewagte These?

Manche Sexarbeitende sehen sich selbst geradezu als Therapeutinnen. Das finde ich etwas albern. Denn, dann wäre der Kunde im eigentlichen Sinne der Patient.

In manchen Studien wurde herausgearbeitet, dass es unter Sexarbeitenden im Vergleich zur Gesamtbevölkerung vermehrt Diagnosen, wie PTBS, Angststörungen und Depressionen gäbe. Scheinbar korreliert die Frage der psychischen Gesundheit im Sinne einer Stabilität auch mit dem Grad der Freiheit und der Selbstbestimmung, in der sich Sexarbeitende befinden.

Schließen möchte ich meine Frage Macht Sexarbeit (psychisch) krank?  mit einem abgewandelten Zitat frei nach Rosa von Praunheim: Nicht die Sexarbeitende ist krank, sondern die Situation in der sie sich als solche befindet.

 

 

 

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vor 37 Minuten schrieb Anonymous:

In der Missionarsstellung zwischen Bauchweh, Kopfschmerzen und Liebeskummer...

Früher habe ich mich immer gewundert, warum es so wenige echte Freundschaften oder eine gute Kollegialität in der Sexarbeitsbranche gibt. Ich glaube manchmal, das ist eine pathologische Beziehungsproblematik. Möglicherweise stranden in der Sexarbeit vermehrt Menschen, die eigentlich gar nicht beziehungsfähig sind, genauso wie die, die Sexarbeit abrufen. Oder ist das nur eine sehr gewagte These?

Manche Sexarbeitende sehen sich selbst geradezu als Therapeutinnen. Das finde ich etwas albern. Denn, dann wäre der Kunde im eigentlichen Sinne der Patient.

In manchen Studien wurde herausgearbeitet, dass es unter Sexarbeitenden im Vergleich zur Gesamtbevölkerung vermehrt Diagnosen, wie PTBS, Angststörungen und Depressionen gäbe. Scheinbar korreliert die Frage der psychischen Gesundheit im Sinne einer Stabilität auch mit dem Grad der Freiheit und der Selbstbestimmung, in der sich Sexarbeitende befinden.

Schließen möchte ich meine Frage Macht Sexarbeit (psychisch) krank?  mit einem abgewandelten Zitat frei nach Rosa von Praunheim: Nicht die Sexarbeitende ist krank, sondern die Situation in der sie sich als solche befindet.

 

 

 

Super spannendes Thema MelKingPoint!

Ich pinne es direkt mal nach oben, damit die Community davon was mitbekommt 😍

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Alles Erlebte im Leben nimmt in gewisser Weise Einfluss auf uns, verändert eine Sichtweise, eine Neigung, ein Gefühl oder eine Wichtung. Auch Emotionen verändern sich durch Erfahrungen und Erlebnisse, die man macht, bereichernd oder zerstörend. Die Dosis hier ist wichtig, genauso wie eine Introspektivität und Reflexion des Erlebten zusammen mit einer Aufarbeitung. Stumpfe ich ab, verändern sich meine Bedürfnisse und meine Befriedigung, wie sehr kann ich einen Kontakt hier schätzen und genießen oder konsumiere ich nur noch (als Kunde)? Biete ich an und interessiere ich mich für mein Gegenüber, ist es mir wichtig, wie und mit wem ein Termin abläuft oder ist es nur eine Nummer und etwas Papier im Portemonnaie? Wo sind meine Grenzen und warum sind sie da, wo sie sind? Kann ich die Arbeit nur als Arbeit sehen oder brenne ich innerlich aus und werde emotionsarm oder emotionslos (als Escort). Kann ich Männer noch wertschätzen und ihre Qualitäten abseits der Arbeit noch wahrnehmen und differenzieren oder sind am Ende der Tage alle Männer Schweine, weil sie das tun, was sie tun und die Escort es in allen Facetten quer durch alle Schichten als unumstößliche Wahrheit wahrnimmt?

 

Nicht alle Damen hier halte ich für beziehungsgestört aber bei einigen haben Enttäuschungen und Desillusionierung evtl. den Stein ins Rollen gebracht. Eine unumstößliche und nicht zu widerlegende Form der Anerkennung ist die Bezahlung, es gibt jemand reichlich seines sauer verdienten Geldes dafür aus, eine Escort zu treffen und mit ihr Zeit zu verbringen. Eine Form der Wertschätzung war vielleicht in einer schlechten Beziehung nie zuvor erfolgt und ist dann auch auf diese Weise angenehm. Abgestumpft ist man dann, wenn man als Mann die besondere Situation  des P6 nicht mehr wahrnehmen und wertschätzen kann und umgekehrt als Frau, wenn es einem völlig egal ist, wer da wann wo zu einem kommt und nur noch Hygiene, Tabus und Geld zählen. Eine gute Escort sucht sich ihre Kunden gezielt aus und ahnt, mit wem sich eine für beide erquickliche Zeit entwickelt aus Konversation und Kontaktaufnahme. 

 

Ich habe mit allen meiner Stammdamen ein freundschaftliches Verhältnis mit ein wenig Austausch von Zeit zu Zeit, wo es gewünscht und akzeptiert ist. Ich suche auch gezielt danach und gehe kein zweites Mal zu emotionsloser Fließbandabfertigung, das gibt mir nichts. Krank ist nach meiner Ansicht keine von denen, aber sie haben sich bewußt gegen eine Beziehung und für eine gewisse Zeit der unbefangenen und bezahlten Unabhängigkeit entschieden. Wahrscheinlich extrahiere ich durch meine persönliche Auswahl diesen Typus Frau, der mir hier im Miteinander die schönste Zeit ermöglicht, aber nicht so häufig anzutreffen ist. 

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Spannende Frage.

Ich denke es ist ein Querschnitt durch die Gesellschaft. Mag sein, dass es psychisch kranke Escorts gibt. Der Grossteil aber sicherlich nicht. Und ob die Sexarbeit krank macht kommt sicherlich immer auf die Person und die Umstände an. Auch ein furznormaler Bürojob kann psychisch krank machen, wenn man die falschen Vorgesetzten und/oder Arbeitskollegen hat. Aber da kann man den Job wechseln, was als selbständige SDL natürlich nicht funktioniert. Insofern ist die Frage wirklich spannend.

Vielleicht haben wir ja den ein oder anderen Psychologen oder Mediziner hier, der es etwas beleuchten kann....

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Diese Arbeit ist psychisch sehr belastend, man sollte das nicht unterschätzen.

Intimitäten mit wildfremden Menschen auszutauschen mag aufregend und schön sein, aber auf Dauer und gerade im Kontext finanzieller Anreize wird es zu alltäglicher Erwerbsarbeit die mehr als jeder andere Job in die persönliche Privatsphäre eindringt. 

Selbstschädigende Sexualkontakte und dependente Beziehungsmuster sind Risikofaktoren für eine Persönlichkeitsstörung, auch können im Rahmen der Prostitution erlittene Traumatisierungen eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung nach sich ziehen. 

Wer hierbei keinen Ausgleich hat und die Sexarbeit am Fließband anbietet kann sehr schnell krank werden. 

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Am 27.9.2022 um 13:15 schrieb Anonymous:

In der Missionarsstellung zwischen Bauchweh, Kopfschmerzen und Liebeskummer...

Früher habe ich mich immer gewundert, warum es so wenige echte Freundschaften oder eine gute Kollegialität in der Sexarbeitsbranche gibt. Ich glaube manchmal, das ist eine pathologische Beziehungsproblematik. Möglicherweise stranden in der Sexarbeit vermehrt Menschen, die eigentlich gar nicht beziehungsfähig sind, genauso wie die, die Sexarbeit abrufen. Oder ist das nur eine sehr gewagte These?

Manche Sexarbeitende sehen sich selbst geradezu als Therapeutinnen. Das finde ich etwas albern. Denn, dann wäre der Kunde im eigentlichen Sinne der Patient.

In manchen Studien wurde herausgearbeitet, dass es unter Sexarbeitenden im Vergleich zur Gesamtbevölkerung vermehrt Diagnosen, wie PTBS, Angststörungen und Depressionen gäbe. Scheinbar korreliert die Frage der psychischen Gesundheit im Sinne einer Stabilität auch mit dem Grad der Freiheit und der Selbstbestimmung, in der sich Sexarbeitende befinden.

Schließen möchte ich meine Frage Macht Sexarbeit (psychisch) krank?  mit einem abgewandelten Zitat frei nach Rosa von Praunheim: Nicht die Sexarbeitende ist krank, sondern die Situation in der sie sich als solche befindet.

 

Da bleibt niemand normal!

 

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darauf kann man erwidern: wer ist schon normal?

hat Erich Fromm nicht gesagt:

Zitat

„Die Normalen sind die Kränkesten und die Kranken die Gesündesten."

Fromm betrachtete die Normalen als die angepassten, die ihr eigenes Selbst verlassen haben.

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Irgendwo hier in der Abteilung Community habe ich mal zum anderen Thema einen Satz von einer Escort gelesen,Wo es hieß......Wer ständig gefühle zeigen muss,die er nicht hat dann macht das Krank.

Finde das pass auch zum diesen Thema.

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Glaubst du, dass Escorts in Wahrheit Schauspielerinnen sind und eine Show abliefern (müssen), an der sie erkranken?

Wenn dem so wäre, dann müssten ja auch sämtliche Schauspieler oder auch jeder andere der oder die eine Rolle ausübt daran leiden und sukzessive erkranken.

Eigentlich spielt ja ein jeder in seinem Leben als Teil dieser Gesellschaft  "nur" eine (zumeist passive) Rolle. Manchmal glaube ich, dass es nicht wenige Normalos gibt, die z. B. auf Sexarbeitende in Wahrheit neidisch sind, weil sie das übliche Einerlei durchbrechen.

Ich persönlich finde das angenehme an einem Erotikjob, dass Menschen im Kontext ihrer Sexualität meistens sehr ehrlich und ursprünglich sind.

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Ich würde vermutlich die Frage umformulieren in „Kann Sexarbeit krank machen?“ und darauf ist meine persönliche Antwort – Ja. So wie jeder Beruf, in dem sich Menschen sehr intensiv mit dem Gegenüber auseinander setzen müssen. Wenn man sich ansieht, in welchen Jobs Burn Out, psychische Erkrankungen etc. am meisten verbreitet sind, dann sind es doch (neben Berufen, in denen die Menschen einfach aufgrund der schieren Arbeitslast und des Drucks einknicken), am häufigsten Berufe, die „nah am Menschen“ sind.

Statista schreibt zum Beispiel zu Burn Out:

Zusammen mit Berufen in der Haus- und Familienpflege sowie in der Altenpflege gehören die Sozialpädagogen zum wiederholten Male zu den Burn-out anfälligsten Berufsgruppen.

Aber ich mag mal der Reihe nach Deine Gedanken beantworten. Das wird vielleicht etwas länger. Du schreibst:

Früher habe ich mich immer gewundert, warum es so wenige echte Freundschaften oder eine gute Kollegialität in der Sexarbeitsbranche gibt. Ich glaube manchmal, das ist eine pathologische Beziehungsproblematik. Möglicherweise stranden in der Sexarbeit vermehrt Menschen, die eigentlich gar nicht beziehungsfähig sind, genauso wie die, die Sexarbeit abrufen. Oder ist das nur eine sehr gewagte These?“

Ich kann persönlich nicht unterschreiben, dass es keine echten Freundschaften oder gar Kollegialität in unserer Branche gibt. Aber ich bewege mich möglicherweise einfach in einem anderen Teil der Branche, und deswegen spreche ich Dir keineswegs ab, dass Du es so erfahren hast! Sowohl in vielen Studios, in denen ich als Domina gearbeitet habe, als auch auf Stammtischen bei denen sich völlig unterschiedliche Sexarbeiter*innen begegnen, und ebenfalls in Berufsverband von und für Sexarbeitende, in dem ich ehrenamtlich tätig bin, ist Zusammenhalt besonders wichtig. Wir unterstützen uns nicht nur bei der Arbeit um ein sog. „Nordisches Modell“ zu verhindern, sondern auch wenn wir ganz normale Probleme oder Fragen bezüglich der jeweiligen Arbeit haben.

Möglicherweise hat sich das aber auch in den letzten Jahren einfach gewandelt, und die Idee oder der Wunsch, respektive die Notwendigkeit sich zu vernetzen, war früher nicht so wichtig? Vielleicht standen einfach andere Dinge im Vordergrund? Und wie überall wenn Menschen zusammen kommen, „menschelt“ es halt auch in unserer Branche. Wir haben super liebe Kolleginnen, die einem in der Puffküche Hühnerbrühe einflößen, wenn man einen Schnupfen hat, und welche, die weglaufen würden, wenn eine Kollegin heulend am Straßenrand liegt. Menschen bleiben Menschen, unabhängig vom Beruf.

Ich bin absolut sicher, dass Sexarbeitende grundsätzlich nicht weniger Beziehungsfähig sind, als andere Menschen. Dafür kenne ich zu viele Kolleg*innen, die verheiratet sind, langjährige Partnerschaften, Familien und Kinder haben. Aber auch hier – sicher gibt es auch Personen, für die die Sexarbeit genau das Richtige ist, weil sie sich aufgrund mangelnder Beziehungsfähigkeit auch besser von der Kundschaft abgrenzen können.

Weiter im Text:

Manche Sexarbeitende sehen sich selbst geradezu als Therapeutinnen. Das finde ich etwas albern. Denn, dann wäre der Kunde im eigentlichen Sinne der Patient.

Höre und lese ich auch immer wieder. Halte ich für schwierig, wenn die Sexarbeitenden nicht tatsächlich eine entsprechende therapeutische Ausbildung haben. Viele Kolleg*innen bilden sich ja mittlerweile im Bereich der Paar- oder Sexualtherapie weiter, andere haben bereits einen entsprechenden Hintergrund. Eine meiner Lieblingskolleginnen von früher war im Hauptberuf Psychologin und im Nebenberuf passive „Sklavin“ im BDSM Studio.

Ich vergleiche uns lieber mit dem oder der besten Freund*in. Einem Menschen, mit dem man offen und ohne verurteilt zu werden, über alles sprechen, die eigenen (sexuellen) Wünsche, aber auch belastendes aus dem Alltag loswerden kann.

Wobei ich es schwierig finde, wenn die Kundschaft es voraussetzt, dass wir der Abladeplatz für persönliche Schwierigkeiten und Probleme sind, oder mit uns Traumata versucht aufzuarbeiten. Sexarbeitende sind kein Ersatz für Therapeut*innen, allenfalls Personen, bei denen man sich entspannen und mit denen man auch sprechen kann.

Ich hatte schon Sessions, da ist der Kunde in Tränen ausgebrochen und hat sich ¾ der Zeit ausgekotzt. Ich kann damit umgehen, aber vorauszusetzen, dass alle Sexarbeitenden das können, halte ich für falsch.

In manchen Studien wurde herausgearbeitet, dass es unter Sexarbeitenden im Vergleich zur Gesamtbevölkerung vermehrt Diagnosen, wie PTBS, Angststörungen und Depressionen gäbe. Scheinbar korreliert die Frage der psychischen Gesundheit im Sinne einer Stabilität auch mit dem Grad der Freiheit und der Selbstbestimmung, in der sich Sexarbeitende befinden."

Das ist interessant und wenn Du vielleicht Quellen dazu hast, wäre ich sehr dankbar. Ich höre das bisher immer nur von Gegner*innen unserer Branche, um Sexarbeitende im Diskurs zu entmündigen. Frei nach dem Motto „Na, wenn die nicht traumatisiert oder krank wären, dann hätten sie doch nie diesen Job gewählt!“ oder auch „Sexarbeit ist bezahlte Vergewaltigung, kann gar nicht freiwillig sein, deswegen werden sie alle krank und gestört.“

Tatsächliche aussagekräftige Studien (also mit mehr als zwei Handvoll Personen, deren Daten aufgenommen und verarbeitet wurden) werden dann in der Regel nicht präsentiert. Das sind entweder irgendwelche Artikel, Befragungen von einer kleinen Anzahl Sexarbeitenden aus den schwierigsten Arbeitsbedingungen oder schlicht „Studien“, die Organisationen, die für ein Verbot der Sexarbeit arbeiten, in Auftrag gegeben haben. Ich spreche allerdings jetzt von der selbst gewählten Sexarbeit. Dass Menschen traumatisiert und krank werden, wenn man sie dazu zwingt, das wundert vermutlich niemanden.

Wobei ich nicht sagen will, dass Sexarbeitende grundsätzlich keine oder sehr wenige psychischen Erkrankungen oder Störungen haben. Aber ich habe für mich persönlich da eine einfache Erklärung – die Sexarbeit ermöglicht uns nach eigenem Ermessen und dann, wenn wir dazu in der Lage sind, zu arbeiten. Wir haben keinen Chef im Nacken, der unbedingt eine AU will, wenn wir einfach nur mal 3 Tage zu Hause bleiben und unsere Ruhe haben wollen oder müssen. Wir müssen uns von unserer Kundschaft nicht alles gefallen lassen, machen unsere eigenen Regeln und passen die Arbeitszeiten auf unseren Alltag an. Wer nachts nicht gut schläft, wird seine Dienstleistung vermutlich dann anbieten. Wer phasenweise zu depressiv ist, um mit Menschen zu sprechen, wird dann mehr arbeiten, wenn es wieder bergauf geht usw.

Auch um eine etwaige Therapie lässt sich unser Beruf herum bauen. Wir müssen niemandem erklären, warum wir jeden Donnerstag schon um 15:00 Uhr Feierabend machen, weil der Therapeut nur dann noch Termine frei hatte. Selbst ein tagesklinischer Aufenthalt würde gehen, wenn wir abends noch ein paar Stunden arbeiten wollen oder müssen.

Was an unserem Beruf vermutlich am meisten krank machen kann, ist das Stigma. Die Ausgrenzung. Die Sorge davor, dass man „auffliegt“, wenn man sich nicht bei der Familie, dem Umfeld, einer etwaigen Hauptarbeitsstelle oder sogar Partner*innen geoutet hat.

Ich bin komplett geoutet und das ist ein echtes Privileg. Niemand kann mich erpressen, niemand kann mich unfreiwillig an falscher Stelle outen oder bloßstellen. Aber das können wirklich nur die wenigsten von uns.

Die ständige Angst, dass jemand etwas herausfindet, dass man in der Nachbarschaft, dem Dorf, dem Verein oder Kegelclub oder sonst wo ausgegrenzt, bemitleidet oder gar beschimpft wird – die kann schon krank machen. Und ein Outing bringt natürlich auch Probleme mit sich. Plötzlich ist man „diejenige, die sowas macht“ und wird von manchen Menschen entweder anders gesehen, oder ganz stumpf gefragt, ob man nicht auch mal...man würde ja...aber wir sind ja Freunde, da geht doch bestimmt was am Preis?

Stigma führt dazu, dass manche Menschen uns nur als Opfer sehen, andere als nicht ernst zu nehmen, denn wer mit einer Ausbildung, einem Studium oder generell bei Verstand, würde das freiwillig machen? Es führt dazu, dass wir Schwierigkeiten bekommen ein Bankkonto zu eröffnen, einen Kredit genehmigt zu bekommen, unsere Fähigkeiten als Eltern in Frage gestellt werden usw.

Alles in allem würde ich also sagen: „Ja, Sexarbeit kann, muss aber nicht krank machen. Stigma hingegen, das kann uns sogar umbringen.“

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Zitat

Ich kann persönlich nicht unterschreiben, dass es keine echten Freundschaften oder gar Kollegialität in unserer Branche gibt. Aber ich bewege mich möglicherweise einfach in einem anderen Teil der Branche, und deswegen spreche ich Dir keineswegs ab, dass Du es so erfahren hast! Sowohl in vielen Studios, in denen ich als Domina gearbeitet habe, als auch auf Stammtischen bei denen sich völlig unterschiedliche Sexarbeiter*innen begegnen, und ebenfalls in Berufsverband von und für Sexarbeitende, in dem ich ehrenamtlich tätig bin, ist Zusammenhalt besonders wichtig. Wir unterstützen uns nicht nur bei der Arbeit um ein sog. „Nordisches Modell“ zu verhindern, sondern auch wenn wir ganz normale Probleme oder Fragen bezüglich der jeweiligen Arbeit haben.

Dieser Zusammenhalt findet doch, wenn wir ehrlich snd, eher auf einer oberflächlichen Ebene statt, auf der Basis von gemeinsamen Interessen vergleichbar mit einer Parteifreundschaft. Spätestens, wenn andere Leute andere Positionen haben oder verfolgen wird die Luft dünn. Dass das tatsächlich so diverse Kreise sind möchte ich an dieser Stelle ganz stark mit einem Fragezeichen versehen. Aber das ist hier auch nicht das Thema. Trotzdem sollte Dir ja auch selbst bekannt sein, dass gerade der Berufsverband sehr viele Mitglieder verloren hat und die, die da Verantwortung tragen spiegeln nicht unbedingt die Breite der Sexarbeitsbranche wieder sondern bilden primär den BDSM-Bereich ab. Es wird auch wenig unternommen um Menschen, die sich ausgeklammert haben zu halten. Das finde ich sehr schade. Hat aber auch nichts mit diesem Thema hier zu tun.

Zitat

Möglicherweise hat sich das aber auch in den letzten Jahren einfach gewandelt, und die Idee oder der Wunsch, respektive die Notwendigkeit sich zu vernetzen, war früher nicht so wichtig? Vielleicht standen einfach andere Dinge im Vordergrund? Und wie überall wenn Menschen zusammen kommen, „menschelt“ es halt auch in unserer Branche. Wir haben super liebe Kolleginnen, die einem in der Puffküche Hühnerbrühe einflößen, wenn man einen Schnupfen hat, und welche, die weglaufen würden, wenn eine Kollegin heulend am Straßenrand liegt. Menschen bleiben Menschen, unabhängig vom Beruf.

Man könnte aber auch konstatieren, dass es schlechter geworden ist, seit sich Sexarbeitende meinen einmischen zu können um etwas zu verbessern. Faktisch wird die Situation für Sexarbeitende in der Realität immer schlechter.

Zitat

Das ist interessant und wenn Du vielleicht Quellen dazu hast, wäre ich sehr dankbar. Ich höre das bisher immer nur von Gegner*innen unserer Branche, um Sexarbeitende im Diskurs zu entmündigen. Frei nach dem Motto „Na, wenn die nicht traumatisiert oder krank wären, dann hätten sie doch nie diesen Job gewählt!“ oder auch „Sexarbeit ist bezahlte Vergewaltigung, kann gar nicht freiwillig sein, deswegen werden sie alle krank und gestört.

Du findest zu dem Thema entsprechende Quellen in der Googlesuche. Mir ist es aber wichtiger hier etwas niedrigschwelliger zu diskutieren. Die Studien, die es zu dem Thema gibt, sind weder nur gegnerisch, sie sind aber auch nicht repräsentativ gemeint, weil man immer vom Einzelfall ausgehen muss. Nur weil jemand der Meinung ist, dass etwas positiv sei,, muss das ja nicht tatsächlich so sein. Einige Forscher haben auch herausgearbeitet, dass man dazu Imstande sein muss gewisse Rahmenbedingungen und auch Defizite wahrzunehmen.

Das individuelle Problem wird schließlich auch nicht besser oder schlechter wenn es erst repräsentativ ist, oder explizit in einer Studie berücksichtigt wurde.

 

 

 

 

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vor 2 Stunden schrieb Anonymous:

Glaubst du, dass Escorts in Wahrheit Schauspielerinnen sind und eine Show abliefern (müssen), an der sie erkranken?

Wenn dem so wäre, dann müssten ja auch sämtliche Schauspieler oder auch jeder andere der oder die eine Rolle ausübt daran leiden und sukzessive erkranken.

Eigentlich spielt ja ein jeder in seinem Leben als Teil dieser Gesellschaft  "nur" eine (zumeist passive) Rolle. Manchmal glaube ich, dass es nicht wenige Normalos gibt, die z. B. auf Sexarbeitende in Wahrheit neidisch sind, weil sie das übliche Einerlei durchbrechen.

Ich persönlich finde das angenehme an einem Erotikjob, dass Menschen im Kontext ihrer Sexualität meistens sehr ehrlich und ursprünglich sind.

Ich wäre nicht,hier wenn ich Glauben würde Escorts sind in wahrheit Schauspielrin.

Nein sind sie nicht....,nicht alle.

 

 

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@Besucher48Das war mehr eine rhetorische Frage.

Der Krankheitsbegriff eignet sich andererseits auch um Menschen argumentativ zu disqualifizieren. In Deutschland hört man ja oft als Begründung, wenn irgendwas passiert ist durch jemanden oder mit jemanden: Der is (psychisch) krank. Dabei erklärt das für sich erstmal gar nichts.

Ein sehr interessantes Buch hat den Titel: "Normal, anders, krank." Eine sehr interessante Steigerung.

Dass wir heute oft eine Entmündigung von Sexarbeitenden erleben und beobachten hat sehr viel meiner Meinung nach mit diesen einfachen drei Begriffen zu tun. Das hat seine Wurzeln in der modernen Psychiatriebewegung, die in Wien ihren Ursprung hat und zwar im frühen 19. Jh.

Das vermeindlich gesunde Ideal, ja der Maßstab, war das bürgerliche heterosexuell männliche. Alles andere wurde mehr oder weniger stark pathologisiert. Insbesondere das Frausein und ganz besonders das weiblich-erotisch Anziehende. Geforscht wurde (fast nur) in den damaligen sogenannten Irrenanstalten, weshalb die Thesen damals dann auch sofort als beispielhaft galten. Letztendlich stand vor der Forschung das Ergebnis schon fest.

Ich finde auch das Thema Sexarbeit ist ein Beispiel dafür, dass Menschen aus der Geschichte nicht lernen. Es geht immer um ein besser oder schlechter und um Gruppenzugehörigkeiten.

Wer vermeindlich schlechter angesehen wird und keine Gruppenzugehörigkeit hat wird geradezu als krank angesehen.

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vor einer Stunde schrieb Anonymous:

Dieser Zusammenhalt findet doch, wenn wir ehrlich snd, eher auf einer oberflächlichen Ebene statt, auf der Basis von gemeinsamen Interessen vergleichbar mit einer Parteifreundschaft. Spätestens, wenn andere Leute andere Positionen haben oder verfolgen wird die Luft dünn. Dass das tatsächlich so diverse Kreise sind möchte ich an dieser Stelle ganz stark mit einem Fragezeichen versehen. Aber das ist hier auch nicht das Thema. Trotzdem sollte Dir ja auch selbst bekannt sein, dass gerade der Berufsverband sehr viele Mitglieder verloren hat und die, die da Verantwortung tragen spiegeln nicht unbedingt die Breite der Sexarbeitsbranche wieder sondern bilden primär den BDSM-Bereich ab. Es wird auch wenig unternommen um Menschen, die sich ausgeklammert haben zu halten. Das finde ich sehr schade. Hat aber auch nichts mit diesem Thema hier zu tun.

 

 

 

 

 

Wie gesagt, das ist natürlich nur meine persönliche Erfahrung, aber ich kann das nicht grundsätzlich als oberflächlich sehen. Wir treffen uns teilweise auch privat, tauschen uns aus und es haben sich sowohl durch Stammtische, als auch den Verband und die jeweilige Arbeit Freundschaften gebildet, die gar nicht so sehr auf der Sexarbeit basieren. Ich bin bei vielen Stammtischen oft die einzige Domina, der Rest kommt entweder aus dem Escortbereich, arbeitet im Bordell, manchmal auch im Tantrastudio oder tatsächlich auf der Straße. Wir haben manche Gemeinsamkeiten, und viele völlig unterschiedliche Erfahrungen. Aber wir haben fast alle Familien, Hobbies, Partnerschaften oder andere Interessen, über die wir "connecten" können. Eine gemeinsame Arbeit oder gemeinsame Ziele für die eigene Branche, bedeuten nicht, dass es ausnahmslos darum geht. Wenn es das täte, ja, dann gebe ich Dir recht, das wären reine "Zweckfreundschaften", ohne das jetzt als etwas negatives hinstellen zu wollen.  Wichtig ist (mir zumindest) auch über den eigenen Tellerrand hinaus zu sehen, und sich nicht immer nur in den eigenen Kreisen zu bewegen.  Und wenn man selbst zum Beispiel nicht auf der Straße arbeitet, dann sucht man halt den Kontakt zu den entsprechenden Kolleg*innen um andere Arbeits- und Lebensrealitäten zu begreifen. Wenn man selbst ein offenes, "hippes" Sexworker-Leben in einer Großstadt lebt, mit vielen Kolleg*innen, die einen supporten, dann sucht man vielleicht mal den Kontakt zur Kollegin, die "Hauptberuflich" Hausfrau und Mutter ist, aufm Dorf im konservativen Umfeld lebt, sehr heimlich mit Sexarbeit Geld dazu verdient und mit sonst niemandem darüber reden kann usw. 

(Da es in dem Thema nicht darum geht, nur eine kurze Anmerkung: Auch wenn das irgendwie hartnäckig die Runde macht - wir haben nicht sehr viele Mitglieder verloren, sondern im Gegenteil, jede Menge Zuwachs bekommen - mittlerweile haben wir über 700 Mitglieder aus über 20 Nationen und mit völlig unterschiedlichen Backgrounds.  Der Vorstand besteht aus einer Sexarbeiterin von der Straße, einem Callboy, einer ehemaligen Sexarbeiterin (selbstständige Escort), einer trans Sexarbeiterin die von Straße über Hotel bis Passiva im BDSM Bereich alles gemacht hat, und mir. Seit zwei Jahren ist der Verband im Umbruch und das ist noch lange nicht abgeschlossen).

 

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klingt gut, nehme ich aber zum Teil anders wahr, was nicht im Gegensatz zu Deinen Erfahrungen stehen muss, gehört hier aber auch nicht in den thread. das mit den stammtischen klingt richtig gut, ja sogar sympathisch, müsste ich mir mal anschauen. die, die ich in DE kenne und was ich von anderen gehört habe, war auch eher ein unangenehmes Thema im Kontext von Grüppchenbildung, Gossip und dominanten Interessen in Richtung Sexarbeitsaktivismus teilweise zum Nachteil individueller Wirklichkeiten.

Hier in dem Thread geht es aber nicht um die Themenfelder Politik, Gruppenbildung und Aktivismus sondern um das Thema: Macht Sexarbeit (psychisch) krank?

Auch wenn Sexarbeit an sich nicht krank machen muss, dann kann durchaus der Rahmen in der Sexarbeit stattfinden muss krank machen. Mich beispielsweise machen Freierforen krank. Auch wenn ich da versuche konstruktiv mit umzugehen und manchmal etwas mitschreibe, um nicht gänzlich passiv zu bleiben, nehme ich Freierforen auch aus meinen persönlichen Erfahrungen heraus als einen Ort wahr, wo Gewalt an sexarbeitenden Menschen ausgeübt wird oder wo eine Wettbewerbsverzerrung stattfindet.

Mir würden bestimmt noch mehr Beispiele einfallen.

 

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vor 44 Minuten schrieb Anonymous:

Auch wenn Sexarbeit an sich nicht krank machen muss, dann kann durchaus der Rahmen in der Sexarbeit stattfinden muss krank machen. Mich beispielsweise machen Freierforen krank. Auch wenn ich da versuche konstruktiv mit umzugehen und manchmal etwas mitschreibe, um nicht gänzlich passiv zu bleiben, nehme ich Freierforen auch aus meinen persönlichen Erfahrungen heraus als einen Ort wahr, wo Gewalt an sexarbeitenden Menschen ausgeübt wird oder wo eine Wettbewerbsverzerrung stattfindet.

Mir würden bestimmt noch mehr Beispiele einfallen.

 

Ja, da bin ich absolut bei Dir! Was sich teilweise in diesen Freierforen tummelt und zu lesen ist - völlig unabhängig davon, ob es erstunken und erlogen, ausgeschmückt oder im Kern wahr ist - das ist unterirdisch. Das sagt eine Menge darüber aus, wie diese Menschen Sexarbeitende wirklich sehen. Und der Kontakt mit Menschen, die respektlos, abwertend, übergriffig sind und andere Personen als Gegenstände betrachten, der macht ganz sicher krank! In anderem Kontext und anderer Form, habe ich ähnliches in meinen Jahren im Einzelhandel erlebt. Und da ging es noch nicht mal um eine höchstpersönliche Dienstleistung mit und am Körper eines fremden Menschen. Ich kann mich an Abende erinnern, da war ich fertig mit der Welt.

Was auch auf Dauer krank machen kann, weil es einen zermürbt und an sich und dem eigenen Angebot oder gar "Wert" zweifeln lässt, sind die Personen (ich sage es wie es ist, meistens Männer - von einer Frau oder nicht binären Person bin ich zb noch NIE versetzt worden), die nicht zum Termin kommen, die Dates ausmachen, die sie nie wahrnehmen möchten und damit bewusst oder unbewusst unsere Zeit blockieren. Es sind die Typen, die sich regelmäßig kostenfreie Wi***vorlagen holen wollen, aber nicht im Traum daran denken, dafür zu bezahlen. Aber auch die Ansprüche "ich will das und das und das und das auch noch erleben, am besten alles in einer Stunde! Waaaas? So viel zahle ich dafür nicht!" Wenn das hie und da mal passiert, dann kann man das schulterzuckend ignorieren. Aber wenn es regelmäßig, also jeden Tag passiert - das macht was mit einem. Nichts Gutes. 

Und nicht zuletzt können auch schlechte Arbeitsstellen einen krank machen. Welche, die mehr als 50% der Einnahmen haben wollen, die aber dann nicht in der Lage sind, saubere Räume, Material, Duschen und geheizte Aufenthalts- und Arbeitsräume zur Verfügung zu stellen. Solche Läden gibt es überall, auch in der BDSM Branche. Ich habe schon in Studios zwischen Bauplane und Wasserrohrbruch, mit einer abgestellten Dusche und slalomlaufen um den aufgerissenen Boden herum gearbeitet, sollte aber dann tatsächlich mehr als 50% abgeben. Ich habe dann einfach meine Sachen gepackt, andere Kolleg*innen können vielleicht nicht ganz so schnell wechseln, abhängig von den Umständen in ihrem Leben. Wenn Besitzer*innen von Prostitutionsstätten dann auch noch die Personen von oben herab, als "Material" behandeln, dann macht das sicher auch krank, dafür muss es sich dabei gar nicht um Zwangsprostitution handeln. Ich kann gut verstehen, warum immer mehr Kolleg*innen alleine im Hotel oder bei Hausbesuchen arbeiten. 

Selbstverständlich gibt es auch Konkurrenzdenken, sich gegenseitig in die Pfanne hauen, vor Gästen schlecht rede. Es gibt Rassismus, trans Feindlichkeit und so ziemlich alle -ismen, die man sich vorstellen kann eben auch in der Sexarbeit. Wenn man damit täglich konfrontiert wird, das ist auch ein Grund krank zu werden. 

Also ja, ich bin ganz sicher, dass auch die Arbeit in der Sexarbeitsbranche krank machen kann. Ich würde aber nicht behaupten, dass das so sein muss, oder es an etwas anderem liegt, als in anderen Branchen - an den Menschen , die sich gegenseitig krank machen können. Deswegen finde ich es so wichtig über unseren Job aufzuklären, bevor jemand einsteigt. Deswegen sind gute Arbeitsbedingungen, besseres "standing" in der Gesellschaft und vor allem Alternativen für diejenigen, die einfach nur wegen des Geldes den Job begonnen haben, auch so wichtig. 

 

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Also ich persönlich  finde nicht es macht krank klar bekommt man ganz andere Sichtweisen auf die Männer welt was es zumindestens mir sehr schwer  fällt dann auch ne echte beziehung  wirklich zu führen und zu vertrauen .Aber man muss leider auch sagen das grade viele junge Frauen sehr früh eigentlich zu früh in diesen Job und Welt abrutschen Frauen die nicht für den Job gemacht sind und da sieht man leider oft das sie im alten dann körperlich  aber auch physisch kaputt gemacht worden sind was ich sehr schade finde ,habe damals schon viele Damen erlebt die einfach nervlich am Ende sind und ihre Probleme  und Schmerz in Alkohol und leider auch andern Mitteln ertrinken, und dies finde ich so schlimm und traurig auch das diese Frauen keine Hilfe wahrnehmen.Und klar muss man auch ganz klar sagen es ist nunmal ein verdammt harter job egal ob körperlich und seelisch ist was man da immer so erlebt ist schon extrem zum Teil noch schlimmer natürlich auf den straßenstrichen,aber ich finde auch jede Frau muss selber wissen wie weit und lange sie diesen Job machen kann ohne sich kaputt  zumachen ,den damit ist am Ende niemand geholfen,den klar ist schnelles Geld schön aber nie auf der Gesundheit des Körpers und Seele!!

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Macht Sexarbeit (psychisch) krank?

Genauso könnte man fragen, macht Büro-, Baustellen-, Straßenbau-Arbeiten krank etc. pp.

Frag mal eine Person die im Pflegebereich (Krankenhaus, Heime) tätig ist, wie wertgeschätzt sie sich fühlt...Dass schlecht entlohnte Arbeit per se menschenunwürdig ist, ist fraglos richtig...aber warum gerade die Sexbranche hiervon besonders betroffen sein soll, erschließt sich mir nicht...und dass Arbeit, die einem nicht gefällt, jede Person branchenübergreifend auf Dauer krank machen wird, ist auch nix, wo ich mal die Maus fragen müsste, sondern banal und sofort einleuchtend...Mein Fazit: Viel Lärm um nichts (neues)

ps: woher hast Du denn diesen Satz her? Passt  so garnicht zu Deinem gewohnten Sprach-Stil?!? - "Scheinbar korreliert die Frage der psychischen Gesundheit im Sinne einer Stabilität auch mit dem Grad der Freiheit und der Selbstbestimmung, in der sich Sexarbeitende befinden."

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Scheinbar kennst du meinen Sprachstil nicht.

Zurück zum Thema: vielleicht fallen dir im Kontext von sexarbeitenden im Vergleich zu anderen Berufen strukturelle Unterschiede auf, die durchaus belastend sein können.

 

 

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vor 23 Minuten schrieb Anonymous:

im Kontext von sexarbeitenden im Vergleich zu anderen Berufen strukturelle Unterschiede auf,

hab die Unterlagen mit den Daten zu den strukturellen Unterschieden/branchenübergreifend leider gerade verlegt...aber Du meintest sicher "anscheinend", als es um deinen Sprachstil ging;-)

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Nochmal zurück zum Thema:

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 Ja, da bin ich absolut bei Dir! Was sich teilweise in diesen Freierforen tummelt und zu lesen ist - völlig unabhängig davon, ob es erstunken und erlogen, ausgeschmückt oder im Kern wahr ist - das ist unterirdisch. Das sagt eine Menge darüber aus, wie diese Menschen Sexarbeitende wirklich sehen. Und der Kontakt mit Menschen, die respektlos, abwertend, übergriffig sind und andere Personen als Gegenstände betrachten, der macht ganz sicher krank! In anderem Kontext und anderer Form, habe ich ähnliches in meinen Jahren im Einzelhandel erlebt. Und da ging es noch nicht mal um eine höchstpersönliche Dienstleistung mit und am Körper eines fremden Menschen. Ich kann mich an Abende erinnern, da war ich fertig mit der Welt.

 

Freierforen dienen primär dazu, organisierten Kreisen ihre Frauen in Stellung zu bringen und deren vermeintliche Konkurrenz schlecht zu schreiben. Überhaupt wird sehr oft im Kontext von Sexarbeit mit zweierlei Maß gemessen. Ich könnte jetzt schreiben, dass mich das stört, aber eigentlich macht das krank.

Ich frage mich oft, ob Frauen, die sich "vermarkten" lassen wirklich nur Opfer sind. Sie schaden ja auch andern Frauen in dieser Branche, insofern sind sie auch Täterinnen. Sie nehmen einen ungleichen Wettbewerb billigend in Kauf. Und ich frage mich auch, was in den Männern vorgeht, die genau dieses Segment in der Sexarbeit abrufen.

Sind das sozusagen zwei Kranke, die sich gegenseitig bedingen?

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Was auch auf Dauer krank machen kann, weil es einen zermürbt und an sich und dem eigenen Angebot oder gar "Wert" zweifeln lässt, sind die Personen (ich sage es wie es ist, meistens Männer - von einer Frau oder nicht binären Person bin ich zb noch NIE versetzt worden), die nicht zum Termin kommen, die Dates ausmachen, die sie nie wahrnehmen möchten und damit bewusst oder unbewusst unsere Zeit blockieren. Es sind die Typen, die sich regelmäßig kostenfreie Wi***vorlagen holen wollen, aber nicht im Traum daran denken, dafür zu bezahlen. Aber auch die Ansprüche "ich will das und das und das und das auch noch erleben, am besten alles in einer Stunde! Waaaas? So viel zahle ich dafür nicht!" Wenn das hie und da mal passiert, dann kann man das schulterzuckend ignorieren. Aber wenn es regelmäßig, also jeden Tag passiert - das macht was mit einem. Nichts Gutes. 

Sexarbeitende Menschen werden definitiv nicht im Vergleich zu jedem anderen Menschen in dieser Gesellschaft gleich behandelt und dafür gibt es viele Beispiele. Deshalb muss man hier sehr vorsichtig sein, wen man trifft und was man machen möchte ohne daran kaputt zu gehen bzw. nicht zu erkranken.

Krank macht mich aber auch die mangelnde Solidarität von Sexarbeitenden untereinander. Wenn diese besser wäre, dann gäbe es viele Problemkonstellationenr nicht. Sexarbeitende haben eher keinen Ehrenkodex  oder einen ungeschriebenen Verhaltenskodex. 

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Und nicht zuletzt können auch schlechte Arbeitsstellen einen krank machen. Welche, die mehr als 50% der Einnahmen haben wollen, die aber dann nicht in der Lage sind, saubere Räume, Material, Duschen und geheizte Aufenthalts- und Arbeitsräume zur Verfügung zu stellen. Solche Läden gibt es überall, auch in der BDSM Branche. Ich habe schon in Studios zwischen Bauplane und Wasserrohrbruch, mit einer abgestellten Dusche und slalomlaufen um den aufgerissenen Boden herum gearbeitet, sollte aber dann tatsächlich mehr als 50% abgeben. Ich habe dann einfach meine Sachen gepackt, andere Kolleg*innen können vielleicht nicht ganz so schnell wechseln, abhängig von den Umständen in ihrem Leben. Wenn Besitzer*innen von Prostitutionsstätten dann auch noch die Personen von oben herab, als "Material" behandeln, dann macht das sicher auch krank, dafür muss es sich dabei gar nicht um Zwangsprostitution handeln. Ich kann gut verstehen, warum immer mehr Kolleg*innen alleine im Hotel oder bei Hausbesuchen arbeiten. 

Ganz unabhängig von Wucherpreisen: Kasernierungen im Kontext der Sexarbeit machen nicht nur krank, sondern dienen der Isolation. Die Möglichkeiten der Sexarbeitenden sich gegen Arbeitsbedingungen zu wehren, sind reduzierter als in anderen Branchen und Kontexten. Hierwürde ich wichtige Aufgaben für den BESD und andere sehen.

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Selbstverständlich gibt es auch Konkurrenzdenken, sich gegenseitig in die Pfanne hauen, vor Gästen schlecht rede. Es gibt Rassismus, trans Feindlichkeit und so ziemlich alle -ismen, die man sich vorstellen kann eben auch in der Sexarbeit. Wenn man damit täglich konfrontiert wird, das ist auch ein Grund krank zu werden. 

Das sind aber auch keine Automatismen in nur einer Richtung, sondern die einzelnen Personenkreise kämpfen auch untereinander gegeneinander auf der Basis eines schwachen (=kranken?) Selbst. Oder wie ich das eher noch vermute, dass instabile Personenkreise keine Sicherheit herstellen, sondern eine Verunsicherung. Die Sexarbeitenden werden eigentlich permanent gegen sich selbst ausgespielt und ad absurdum geführt.

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Also ja, ich bin ganz sicher, dass auch die Arbeit in der Sexarbeitsbranche krank machen kann. Ich würde aber nicht behaupten, dass das so sein muss, oder es an etwas anderem liegt, als in anderen Branchen - an den Menschen , die sich gegenseitig krank machen können. Deswegen finde ich es so wichtig über unseren Job aufzuklären, bevor jemand einsteigt. Deswegen sind gute Arbeitsbedingungen, besseres "standing" in der Gesellschaft und vor allem Alternativen für diejenigen, die einfach nur wegen des Geldes den Job begonnen haben, auch so wichtig. 

Wenn das in der Sexarbeit, genauso wie in anderen Branchen wäre, dann würden wir ganz anders stattfinden. Sexarbeit und sexarbeitende Menschen werden aber als solche prekarisiert. 

Da, wo der Begriff Sexarbeit, Prostitution o.ä. aufpoppt ist auch sofort das Vorurteil zu Hause.

 

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I think it makes you sick but not for the reasons people think. The reason it makes us sick mentally is because we have to deal with time wasters daily, the hours we spend answering their questions daily , over and over again, some questions are ok others are stupid, asking us things that are already in the profile, some guys want to write every day till the day of the date, the hours we spend doing that no one pays us, then they book a date and don't show up.

Having to be available Monday to Sunday, morning, afternoon and night spontaneous, never knowing when we can take a day off to relax or go out with our friends cause we gotta be available spontaneous every day. Then during the date we gotta answer the same questions about our private life over and over again otherwise we're too professional. ( "How long have you been in Germany? Are you studying here? Etc)  over and over again every day.

Then we also have to worry about our finances, one week we do good, another week we're struggling but that happens with most self employed.

And of course the danger of meeting strangers all takes a mental burden on us, it's not even the sex, or the intimacy without emotion, it's all the other things.

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When I began to escort I wasn't very pleased by speaking with strangers on the phone due to I was a bit shy. But after a while I figured out on how to speak with them on the phone: This is a kind of telephone interview everyone can learn. 

When men call independent escorts they should know before that we are experts in this topic because we do this on a daily basis. They believe it is all about blowjob, a-levels and boobs because we have not learned anything else before. But I believe we are the true experts on communication and spending a decent time with strangers. Because communication is the key.

WhatsApp I do not prefer to schedule a date, because time wasters are high rising there. I do not accept questions about anything what I have mentioned on my profile. I bannish time waster immediately after I recognize them.

I ask simple questions by myself: 😊

  • With whom do I speak?
  • What is his age?
  • What is he looking for and where?

Simple Questions everyone is able to answer if he expects to date.

I ask myself:

  • Does he understand my profile?
  • Is a communication working between us?
  • is he polite by asking him my questions?
  • Or is he rude?

This goes in a hurry.

Guys are fastforward in this. Most of them answer these questions on their own. Because they know what to do.

Diysfunctional guys do not.

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Krank? Natürlich kann Sexarbeit krank machen. Jeder Arbeit kann krank machen, wenn man über seine eigenen Grenzen hinausgeht.

 

Ich bin eher fest davon überzeugt, dass Sexarbeit verändert. Ich würde Veränderung aber nicht unbedingt als Krankheit bezeichnen - aber natürlich hat mich Sexarbeit verändert.

 

Aber auch das kann eigentlich jeder Job. Alles was man mit Leidenschaft und/oder Idealismus ausübt, verändert Blickwinkel. Verändert Werte oder Persönlichkeitsstrukturen. 

 

Ich bin pragmatischer geworden. Und da ich harte Gangart bevorzuge, hinterlässt das natürlich auch körperliche Spuren. Ich könnte diesen Job z.B nicht mehr hauptberuflich ausüben. Aber verzichten möchte ich darauf auch nicht. 

 

Schwierig finde ich den Job, solange man sich noch in der sexuellen Findungsphase befindet. Gerade die ganz jungen Mädchen, lasst es ein Vorteil sein oder nicht, haben für mich in diesem Job einfach noch überhaupt nichts zu suchen.

 

Und meine ganz persönliche Erfahrung, die natürlich nicht stellvertretend für Fakten stehen kann, zeigt: gerade die ganz jungen Mädels sehe ich dann mit sehr viel Alkohol, Drogen oder anderen Dingen kompensieren. 

 

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