Escort Rosi1976 hat einen sehr nachdenkenswerten Blog zum Thema Armutsprostitution geschrieben und wir sind gespannt auf Eure Meinungen im Kommentarbereich. Nimmt Euch die Zeit und schreibt uns! Da ist diese Frau. Die Frau, der Du täglich im Treppenhaus begegnest. Nennen wir sie Klarabella.

 

Klarabella ist 33 Jahre alt. Nicht mehr ganz taufrisch, aber durchaus hübsch. Klarabella hat 2 Kinder, sagen wir, 6 und 8 Jahre alt. Sie wohnt in einer Hochhaussiedlung in einer 2 ½ Zimmer- Wohnung für 850 Euro warm. Alles in allem kommt Klarabella auf ca. 1.300 Euro monatliche Fixkosten. Strom, Telefon, GEZ, Versicherungen, etc. Ein Auto kann sie sich nicht leisten. Gerne würde sie umziehen, zumal die Gegend nicht die Beste ist, aber das ist finanziell unmöglich.

 

Sie hat einen mittelprächtigen Schulabschluss, eine Lehre absolviert und seit die Keine in der Schule ist, arbeitet unsere Klarabella wieder halbtags als Verkäuferin im Drogeriemarkt.

 

Was dort am Ende des Monats netto auf der Gehaltsabrechnung steht, ist fast weniger als sie bekäme, wenn sie Hartz4 oder Sozialhilfe beantragen würde.

 

Das will Klarabella aber nicht. Klarabella hat Stolz und will ein Vorbild für ihre Kinder sein. Außerdem will sie später, wenn die Kinder größer sind, wieder nahtlos in Vollzeit einsteigen. Trotzdem reicht das Geld hinten und vorne nicht.

 

Klarabella ist zu stolz, sich vor die Schulklasse zu stellen und um finanzielle Hilfe zu bitten, damit ihr Kind mit auf Klassenfahrt kommen kann. Sie will nicht, dass ihr Sohn ausgegrenzt wird, weil seine Turnschuhe einen Streifen zu wenig haben. Sie möchte ihrer Tochter den neuen Lillyfee-Schulranzen kaufen, den die Freundinnen auch haben. Die Kinder wachsen und brauchen ständig neue Klamotten und Schuhe. Lange kann sie die gebrauchte Kleidung nicht mehr im Sozialkaufhaus für wenig Geld erwerben, ohne das es den Kindern auffällt.

 

Sich selber hat sie zuletzt, sie weiß gar nicht mehr wann, kaum etwas gegönnt.

 

Der Unterhaltsvorschuss, der sie bis dato über Wasser gehalten hat, fällt mit der Einschulung der Kleinen weg. Der Erzeuger zahlt nicht und man sagt ihr, sie könne das Geld ja einklagen.

 

Sinnloses Unterfangen. Sie hat weder einen Anwalt, noch wird sie auf diesem Weg je einen Cent sehen. Und wenn der Erzeuger verurteilt wird und zahlungsunfähig im Knast sitzt, bringt ihr das weder Befriedigung noch Bares.

 

Klarabella beschließt, sich zu prostituieren.

 

Sie hat diesen Job mit 18 Jahren schon einmal unfreiwillig gemacht und weiß, was auf sie zukommt. Damals ist sie durch ihren Freund Ronny in dieses Millieu „eingeführt“ worden. Nach kurzer Zeit gelang ihr der Ausstieg.

 

Dieses Mal wird Klarabella sich ihre Kunden selber aussuchen und keine Dienstleistungen erbringen, die sie nicht will.

 

Ein Appartement kommt für sie nicht in Frage, da sie rein zeit technisch nicht so weit fahren kann. Außerdem kann sie keine 50 Euro Tagesmiete zahlen, denn die Kinder sind oft krank und an manchen Tagen könnte sie deswegen gar nicht arbeiten. Was den Betreiber des Hauses nicht die Bohne interessiert. Kassiert wird für eine Woche im voraus. Immer. Ohne Ausnahme.

 

Laufhaus, Bordelle, Saunaclubs ist nicht Klarabellas Welt und damit will sie nichts mehr zu tun haben. Sie möchte zwar Geld verdienen, aber dabei nicht wieder„ins Milieu“ abrutschen.

 

Es ist ihr auch wichtig nach der Schule für die Kinder da zu sein. Also beschließt sie, selbständig zu arbeiten. Sie mietet sich, mit Hilfe einer Freundin, die ihren Namen für den Mietvertrag hergibt, eine 1 Zimmer Wohnung in der selben Hochhaussiedlung, in welcher sie mit den Kindern wohnt. Kosten 450 Euro warm plus Strom.

 

Klarabella schaltet entsprechende Anzeigen und fängt an, Termine zu vereinbaren.

 

Sie würde gerne mehr Termine machen, kann es aber nicht. Ihre reguläre Tätigkeit und die sonstigen Pflichten lassen dies nicht zu.

 

Manchmal belügt sie mit schlechtem Gewissen den Großen und bittet ihn, eine Stunde auf seine kleine Schwester aufzupassen, huscht schnell in die Arbeitswohnung, um dann festzustellen, dass der Kunde, der die halbe Stunde gebucht hatte, nicht erscheint. Das kommt übrigens recht häufig vor.

 

Die wenigen Dates die sie machen kann, ermöglicht u.a. ihre Freundin, die abends auf die Kinder aufpasst.

 

Klarabella hat ständig Angst.

 

Angst. entdeckt zu werden.

 

Angst, dass ein Kunde im Treppenhaus ausflippt.

 

Angst, eine schlechte Mutter zu sein.

 

Angst, an den falschen Kunden zu geraten.

 

Angst, dass das Geld trotzdem nicht reicht.

 

Angst, dass die Kinder krank werden

 

Angst, selber krank zu werden.

 

Von ihren Sorgen, Nöten und ihren Ängsten erfahren die Kunden nichts. Klarabella ist immer gut gelaunt und fröhlich. Sie will ja, dass der Kunde wiederkommt.

 

Am Ende des Monats hat Klarabella abzüglich aller Kosten von ihrem Hurenlohn vielleicht 500 Euro übrig. Manchmal auch mehr.

 

Sie überlegt oft, ob sie nicht besser „etwas Anständiges“ machen sollte z.B. die Sonnenbank in ihrer Siedlung für 8,50 Euro putzen. Besser anfühlen würde es sich schon, aber um auf zusätzliche 500 Euro zu kommen, müsste sie fast 60 Stunden monatlich putzen. Abgesehen von der Tatsache, dass die Drogerie keine Zweitjobs gestattet, ist dies mit den kleinen Kindern schlicht unmöglich.

 

Klarabella ist weder asozial noch arbeitsscheu. Sie hat auch nicht 4 Kinder von 6 verschiedenen Männern und verbringt den Tag vor dem Fernseher, auf welchem von morgens bis abends RTL2 eingeschaltet ist. Ihre Eltern sind auch keine Langzeitarbeitslosen oder Alkoholiker, sondern ganz normale deutsche Durchschnittsbürger. Genau wie sie selber auch. Und so macht Klarabella weiter.

 

Ich weiß, dass es vielen Frauen genau so oder ähnlich wie Klarabella ergeht.

 

Alleinerziehende Mütter, die jeden verdammten Tag kämpfen, kämpfen und noch mehr kämpfen.

 

Ich könnte jetzt etwas darüber schreiben, wie wunderbar und verantwortungsvoll sich unsere deutsche Regierung um die eigenen Bürger kümmert und dabei auch noch erwartet, dass deren Sprösslinge die zukünftigen Renten sichern. Oder wie schön und sinnvoll es ist, dass wir nun das neue Prostitutionsgesetz (das Wort „Schutz“ weigere ich mich zu benennen.) haben, was Frauen in Klarabellas Situation sicher alles noch einfacher und angenehmer machen wird. Aber ich will keine Diskussion über Politik oder das Prostitutionsgesetz entfachen!

 

Ich wollte nur auf eines hinweisen:

 

Armutsprostitution findet nicht immer in Billig-Bordellen oder im Ausland statt. Manchmal braucht man gar nicht so weit zu gucken. Einfach nur nach nebenan. Zu der Frau, die Dir täglich im Treppenhaus begegnet.

 

Written by Gastautor


34 Kommentare



Anonymous

Geschrieben

WOW!! Dieser Beitrag müsste in allen großen Tageszeitungen geschalten werden. Damit der deutsche Michel endlich kapiert das Zwangsprostitution nicht nur mit körperlicher Gewalt erzwungen wird , sondern auch durch finanzieller Ausweglosigkeit. Das nennt sich zwar dann Armutsprostitution, aber Zwang ist es allemal.

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Anonymous

Geschrieben

Da rückt das sogenannte Prostitutionsschutzgesetz voller Ignoranz in die Ecke von "Wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie doch Kuchen essen!".

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Anonymous

Geschrieben

ich merke da gar nichts davon, unter 130 Euro die Stunde kann man doch schon fast nirgend wo mehr hin. Das schaffe ich schwarz nebenher an einem Samstag mit 10 Stunden harter Arbeit schon fast nicht, was für Armut?

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Anonymous

Geschrieben

@ celestro Ja, ich denke auch, diese 301 Euro Unterhaltsvorschuss monatlich dürften reichen, um sich nicht mehr prostituieren zu müssen. Im Gegenteil: Man könnte fast neidisch werden, auf Mörderkohle für lau vom Staat, nur damit Alleinerziehende mit 301 Euro mehr pro Monat in Saus und Braus leben können. Alternativ könnte man die Gören ja auch zum Betteln schicken, dann kosten sie gar nix mehr und man kann das viele Geld vom Staat für sich behalten. Das ist wahrlich ein Leben, auf welches Normalverdiener neidisch sein könnten. (Zumindest drängt sich mir bei Dir dieser Eindruck auf.) Nix tun den ganzen Tag (Blagen kann man ja vor die Glotze setzen) und kassieren... Und jetzt warte ich nur noch auf den Satz: Ja und? MIR schenkt auch niemand was im Leben und ich muss hart arbeiten für mein Geld.

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Anonymous

Geschrieben

"Der Unterhaltsvorschuss, der sie bis dato über Wasser gehalten hat, fällt mit der Einschulung der Kleinen weg." Da wird sich Klarabella aber freuen zu hören, daß sich dies zum 01.07.2017 geändert hat. Somit braucht Sie sich nicht zu prostituieren und alles ist gut.

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Anonymous

Geschrieben

Aber hauptsache Paradies Papers Kandidaten .... :-( Traurig, aber wahr!

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Anonymous

Geschrieben

Ich stimme dem Artikel von Jörg Wirtz voll zu. Wie sollen wir uns verhalten - wenn ich sie danach Frage bekomme ich doch bestimmt keine ehrliche Antwort. Sollen wir sie nicht mehr besuchen wird es für sie doch noch schwieriger. Solange ich privat empfangen werde (lege darauf eingentlich sehr viel wert) ist es für mich ok. Und wenn keine Körperlichen Merkmale von äusserer Gewalt zu erkennen sind - wer kann denn in die Seele eines Menschen schauen ? Psychater eventuell ist doch eigentlich keine Not zu erkennen. Ich habe eine sehr liebe Frau hier bei KM kennengelernt - ja es geht um´s liebe Geld ist mir bewusst aber bei ihr habe ich wunderbaren P6 erlebt.

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Anonymous

Geschrieben

Also, eines vorweg: das mit der Wochenmiete ausnahmslos - stimmt nicht. Man kann nahezu überall auch eine Tagesmiete bezahlen. Aber man hat nunmal nicht jeden Tag einen Kunden, manchmal hat man nur ein oder zwei pro Woche. Was kann ich sonst dazu sagen? Ich habe keine Kinder. Ich habe Abitur, und mittlerweile auch den Studienplatz den ich wollte. Außerdem wurde ich nie zu etwas gezwungen. Aber sonst beschreibt der Artikel zu 100% meine Situation.

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Anonymous

Geschrieben

Wahre Worte Leider und es wird sicher mit dem neuen gesetz für solche Frauen noch schwieriger statt Besser

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Anonymous

Geschrieben

Wie Wahr! So geht es vielen Frauen. Die Geschichte ist so treffend und steht für alle Frauen die sich und ihre Kinder so am Leben halten. Respekt vor diesen Frauen,die sich prostituieren müssen um sich und Ihre Kinder zu ernähren. Wo bleibt da die Gerechtigkeit.

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Anonymous

Geschrieben

Daumen hoch, Sachlich erklärt. Es ist schwierig das als Freier zu erkennen. Und wenn ja steht mal zwischen den Stühlen.

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Anonymous

Geschrieben

Treffend auf den Punkt gebracht. Wir haben es immer mit Menschen zu tun, deren Beweggründe für ihre Dienstleistungen im Verborgenen bleiben. Respekt und Achtung gegenüber den Frauen sollte für jeden eine Selbstverständlichkeit sein.

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Anonymous

Geschrieben

Das mit der Armutsprostitution in Deutschland ist heftig. Es ist auch Wahnsinn das es vor allem in den Großstädten wie Berlin, Hamburg, München zur Armutsprostitution kommt, was auch an den gestiegenen Kosten wie Wohnug und Lebensmittel gekoppelt ist. Allein bestes Beispiel München. Hier zahlt man im Schnitt pro Monat 14€m2 Kaltmiete

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Anonymous

Geschrieben

Chapeau!! Toller Blog zu einem brisanten Thema. LG

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