Eigentlich muss man die Bezeichnung "berühmte Hure" sofort berichtigen, denn Annie Sprinkle ist weitaus mehr als das: sie ist Pornostar, Regisseurin, Autorin, Fotografin, Performance-Künstlerin und feministische Aktivistin. Lasst uns einen Blick auf die vielen Facetten und das bunte Leben der Annie Sprinkle werfen...
Von Ellen zu Annie
Die Amerikanerin wurde 1954 als Ellen Steinberg in Philadelphia geboren und wuchs in Los Angeles auf. Laut eigenen Angaben war sie als Teenager eher wenig an Sex interessiert und verlor ihre Unschuld relativ spät mit 17 Jahren. Initialzündung für ihr weiteres Leben war ihr Job als Kartenverkäuferin für den 70er Jahre Pornofilm
Deep Throat. Der wurde von den Behörden beschlagnahmt und Ellen wurde vor Gericht geladen. Dort lernte sie den Regisseur des Filmes Gerard Damiano kennen, dem sie nach New York folgte und ihr Leben als Annie Sprinkle begann...
Sexpositiv!
Von 1973 bis 1993 arbeitete sie als Prostituierte und von 1975 an wirkte sie in über 200 Sexfilmen mit, darunter auch
Deep Inside Annie Sprinkle, mit dem ihr in dem Genre der Durchbruch gelang und bei dem sie zusammen mit Joseph W. Sarno Regie führte. Annie steht für die sexuelle Befreiung und für den sogenannten sexpositiven Feminismus, der im Gegensatz zum klassischen antipornografischen Feminismus, den sich zum Beispiel auch Alice Schwarzer auf die Fahnen geschrieben hat, Pornofilme als mögliche Ausdrucksform weiblicher Sexualität sieht und nicht als das Paradebeispiel weiblicher Ausbeutung durch das böse Patriarchat....
Kunst, Sex & Liebe
Mittlerweile ist Annie Sprinkle auch ein großer Name in Kunstkreisen, wo sie mit ihrer Porn-Art auch in renommierten Galerien und Museen für Aufsehen sorgt, zumeist mit ihren "Tit prints", Bilder, die sie mit ihren Brüsten malt. In Deutschland erregte sie grosses Aufsehen, als sie ihre Vagina bei einer Performance vom Publikum mit einem Spekulum untersuchen ließ.
Mit ihrer Frau Elizabeth Stevens betreibt sie das Projekt
Love Art Laboratory, das sich spirituell geprägt mit dem Thema Liebe auseinandersetzt und - ähnlich wie die Love-Ins von John Lennon und Yoko Ono - eine sinnesfrohe, offene, friedliche Welt propagiert.
Summa cunt laude
Annie Sprinkle ist die erste Pornodarstellerin, die erfolgreich eine Dissertation ablegte (1992 über die Situation von Sexarbeiterinnen). Ausserdem verfügt sie über einen Bachelor in Fotografie und hält Vorträge unter dem Titel
„My Life and Work as a Feminist Porn Activist, Radical Sex Educator and Ecosexual“ an amerikanischen und europäischen Universitäten.
Mother earth - Lover earth!
Als
ökosexuell bezeichnen sich Menschen, die die Natur sinnlich und sexy finden, im Sinne einer modernen Form der sexuellen Spiritualität, das reicht von FKK über Beschränkung auf ökologisch sinnvolle Materialien bei Sexspielzeug und anderen Sexaccessoires bis zu erotischen Handlungen in und mit der Natur. Einige interessante Statements und Geschichten zur ökosexuellen Bewegung findet Ihr auch
in diesem Artikel in der Vice.
Einen Einblick in die Vielschichtigkeit der faszinierenden Frau Annie Sprinkle verschafft der kurze Clip, den Ihr im folgenden Link findet:
tracks.arte.tv/de/annie-sprinkle.
Noch mehr Infos findet Ihr hier:
Welche berühmte Hure hat Euch nachhaltig beeindruckt oder sogar inspiriert? Über wen sollten wir Eurer Meinung nach in unserer Reihe "Berühmte Huren" unbedingt schreiben? Wir freuen uns auf Eure Vorschläge in den Kommentaren!