Ein Dilemma bezeichnet im Allgemeinen eine Situation, die zwei Entscheidungen zur Lösung bietet. So weit so gut und so weit auch noch kein Problem. Zum Problem wird es aber dann, wenn – egal welche von beiden Entscheidungen man trifft – am Ende ein unerwünschtes Resultat herauskommt.
Beim Thema Erotik ist bei mir eine solche Dilemma-Situation eher die Regel als die Ausnahme. Und ich vermute mal, dass es vielen meiner männlichen Artgenossen genauso geht. Naja, eigentlich vermute ich es nicht, sondern ich weiß es vielmehr.
Es ist der ständige Kampf zwischen dem Verstand auf der einen Seite und dem Verlangen nach Erotik, Leidenschaft und Berührungen auf der anderen Seite.
Mein Verstand sagt mir: Du bist verheiratet mit einer tollen Frau. Ihr lebt schon viele Jahre weitesgehend glücklich zusammen und habt tolle Kinder.
Mein Verlangen sagt mir: Du hast Lust auf Leidenschaft, auf erotische Momente und knisternde Berührungen.
Wenn diese beiden Welten aufeinanderstoßen, ist das meistens die Geburtsstunde des Männer-Dilemma. Es gibt eine kleine Ausnahme: Die Entstehung des Männer-Dilemmas wird im Keim erstickt, wenn Mann sein Verlangen bei seiner Partnerin oder seiner Ehefrau stillen kann. Aber wie oft kommt das schon vor?
Ich zumindest habe es über einen langen Zeitraum probiert, mein Verlangen gemeinsam mit meiner Frau zu befriedigen. Ich habe ihr offen von meinen Wünschen erzählt und bin bei ihr durchaus auf Zustimmung gestoßen. Meine Frau weiß genau, dass ich tiefe Ausschnitte mag. Meine Frau weiß genau, dass ich gerne Röcke in Verbindung mit sexy Stiefeln an ihr sehe. Sie weiß noch viel mehr. Sie kennt meine Gedanken, nämlich dass ich ihr in solchen Momenten am liebsten die wenig noch geschlossenen Knöpfe ihrer Bluse aufknöpfen möchte, ihr von hinten die Brüste massieren möchte während ich Sie zeitgleich am Hals innig küsse. Sie weiß, dass ich dann am liebsten ihren Rock hoch und den Slip zur Seite schieben möchte, um mich mit ihr zu vereinen. Sie weiß das alles – aber sie hat mir diesen Wunsch noch nicht einmal erfüllt. Nicht einmal in mehr als zehn, sonst ach so schönen Jahren Beziehung.
Lange Jahre hat mein Verstand über mein Verlangen gesiegt. Lange Jahre war mein Verstand stärker als mein Verlangen. Ich habe in dieser Zeit gehofft, mein Verlangen mit meiner Frau ausleben zu können. Auch weil es meinen moralischen Vorstellungen entspricht. Irgendwann aber hat das Verlangen die Oberhand über den Verstand gewonnen.
Bei einem Aufenthalt in Berlin habe ich mir nach einem anstrengenden Arbeitstag und vielen schicken Frauen in Kostümen und Stiefeln eine Dame aufs Zimmer bestellt. Im Telefonat hatte ich sie gebeten, mir den Kleidungswunsch zu erfüllen, sie hatte zum Glück das passende Outfit in ihrem Repertoire. Scheinbar habe ich mit meiner Fantasie auch ihre Vorlieben getroffen. Wir haben eine aufregende Zeit miteinander verbracht.
Ich habe mich vorher oft gefragt, was passiert, wenn mein Verlangen mal stärker ist als mein Verstand. Kann ich mich dann noch im Spiegel anschauen, meiner Frau in die Augen schauen und weitermachen wie bisher. Zu meiner Überraschung konnte ich das und kann es bis heute.
Natürlich ist es moralisch verwerflich, was ich ab und an tue. Natürlich wünsche ich mir noch immer, mein Verlangen und meine Fantasien mit meiner Frau auszuleben. Aber manchmal akzeptiere und genieße ich einfach, dass mein Verlangen in einigen Momenten stärker ist als mein Verstand. Seit dem ist das Dilemma kein Dilemma mehr.