Termine, Termine Tja, da kann man und frau was erleben, wenn ein Termin ausgemacht wird, und dann… Ob Handwerker oder Freier, SDL oder DHL: unberechenbar! Nun gut, das Leben ist ein unberechenbares Unternehmen. Seit ein paar Jahren treffen sich in einer Kneipe zu B*** eine lustige Gruppe von Freiern zum fröhlichen Erfahrungsaustausch, zu welchem Zwecke sie sich in eine abgelegene Ecke zurückziehen, um die anderen Gäste durch ihr Thema nicht vom Trinken und Essen abzuhalten. Einer der mit großer Regelmäßigkeit teilnehmenden Freunde ist Heinrich. Er kommt bisweilen etwas formell daher, ist aber eben immer korrekt, immer verbindlich - und einer, den nur der plötzliche Tod daran hindern könnte, einer eingegangenen Verpflichtung nicht nachzukommen. Bei einem der letzten Treffen kamen auch die z.T. lustigen, z.T. dämlichen Ausreden zur Sprache, die Männer und Frauen sich so einfallen lassen, um einen Termin abzusagen. Der Hamster ist krank Heinrich, der eher schweigsam ist und nur den Mund aufmacht, wenn er wirklich was zu sagen hat, holte tief Luft. Da verstummte die Runde, um mit wachsender Belustigung zu lauschen: "Meine Herren, einmal las ich, was eine unserer lieben Damen hinsichtlich bekloppter Ausreden erzählte: Ein Freier habe kurz vor dem vereinbarten Termin abgesagt, weil sein ´Hamster plötzlich erkrankt´ sei (armes Hanserle!) - ein andermal war es ein ´plötzlicher Schnupfen der Tochter´ (armes Gretele!). Ja, soviel Einfallslosigkeit eines unserer Geschlechtsgenossen ist beschämend, aber die Dame berichtete es mit Humor, und Humor ist - wie ihr wisst, meine Herren, - erotisierend und so konnte ich gar nicht anders, als die Dame zu kontaktieren, die sich... ja also... nun, sie firmiert unter `Wilde Hure´.... Ja, meine Herren, lächeln Sie nur spöttisch ob meiner Verlegenheit. Sie kennen mich ja , solche Vokabeln kommen mir normalerweise nicht über die Lippen. Aber das sind nun mal ihre Worte. Ich wundere mich ja selber, dass auch intelligente, kultivierte Damen bisweilen zu unappetitlichen Nome de fück greifen.... Sei dem nun, wie es wolle, ich konnte nicht umhin, sie anzuschreiben, zumal sie in ihrer Anzeige ausdrücklich darauf hinweist, dass sie ´hohe Ansprüche hat!´: Genau mein Ding! Und so schrieb ich der Anspruchsvollen und wartete auf eine gnädige Antwort. --- Und wartete. --- Und geduldete mich..." Nix als Ansprüche "Nu spann uns mal nicht so auf die Folter, Hinni, wir sind gespannt, was die Wilde Hilde denn nu antwortete!” Nix: keine Antwort. - Soviel zum Thema `hohe Ansprüche´! Aber auch das ist ja nichts neues: wer an andere `hohe Ansprüche` hat, fühlt sich selber oft so genial, dass er oder sie die Erfüllung minimalster Ansprüche schon als Zumutung empfindet. - Ist halt so. Sie wissen das, meine Herren, aus eigener Erfahrung...." "Oh ja!" "Aus der Seele gesprochen!" "Verdammtekacke, so is det!" "Zut alors!" Die Gäste ums Eck schauten etwas verdutzt und neugierig, was die Herren da in der abseitigen Nische so Interessantes ausgeheckt hatten, wurden aber enttäuscht, weil Hinni die Erzählung in seiner ruhigen, den Saal durchaus nicht durchdringenden Stimme fortsetzte: "Ich habe dann nochmal - und immer schön höflich!" "Annners künnst du doch jar nich, un nu mach hinne, Hinnrich!" "... habe also nachgefragt, ob sie vielleicht nicht antworten konnte, weil ihr Hamster Schnupfen hat oder sie das Kind in die Schule bringen musste." Und wieder tobte die Männerecke und wieder guckten die Leute und wieder vergebens, denn unbeeindruckt seines Lacherfolgs - der gute Komiker lacht niemals über seine eigenen Witze! - setzte Heinrich in aller Ruhe seinen Bericht fort: Kichern in der Männerrunde "Nun, statt eines Lächelns teilte die Dame erbost mit, dass sie kein Haustier und auch keine Kinder habe! - Nun gut, das Langzeitgedächtnis lässt im Lauf der Jahrzehnte nach." Kichern am Männertisch. "Humor is, wenn man trotzdem lacht," warf einer ein, "aber so eene braucht kein Mensch!" "Aber es kam noch besser!" "Na, watt denn nu? Erzähl schon!" "Ihr Schreiben begann damit, dass sie ankündigte, sich später nochmal ausführlicher zu äußern und endete mit der Mitteilung, dass sie keinen weiteren Kontakt wünsche. - Also auch ihr Kurzzeitgedächtnis liegt im Argen," endete er nicht ohne Mitleid in der Stimme. "Dit kann ja heiter wer´n!" warf Kalle ein, "Jetzt stell´ ick mich mal ein Treffen mit die Gutsten vor: ´Guten Tag, hier sind die 100 € für die Stunde.´ - ´Ja, danke. Ich komme gleich wieder, mach dich schon mal frei.´ - Und wennse dann wenige Minuten später wieder innet Verrichtungszimmer kommen tut, plärrt se rum: ´Wer sind Sie denn und warum in Teufelsnamen sind Sie nackt? Raus!´ Und wenne denn wegen die 100 € fragen tust, meckert se: `100 €? Was für 100 €? Wovon reden Sie unverschämter Kerl eigentlich - von 100 € weiß ich schon lange nichts mehr!`" Der Tisch konnte kaum noch an sich halten. Ums Eck hatte man Kalles Rede nicht so recht verstanden, lachte aber mal zur Sicherheit mit - musste ja was lustiges sein… Kaum hatte sich das Gelächter gelegt, beschloss Klaus, dem das Liebesleben in der Tat übel mitgespielt hatte, was ihn zu einer gewissen frauenskeptischen Haltung gebracht hatte, aber seinen Humor nicht zerstören konnte, ganz trocken die Rede der Dame mit der alles toppenden Wendung: "´Und nur weil ich eine Frau bin, glauben Sie hier, irgendwelche Ansprüche stellen zu können!"`
1