Nein zu Zwangsprostitution! – Ein Appell an die Kunden von SexdienstleisterInnen

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Neues Gesetz droht Kunden von Zwangsprostituierten mit Freiheitsstrafen. Nicht wegschauen ist die Devise: In der Prostitution dürfen Ausbeutung, Zwang und Gewalt keinen Platz haben.

Auf dem Weg zu mehr Rechtssicherheit 

Das Prostitutionsgesetz von 2002 war ein erster Schritt, um die Entkriminalisierung von Sexarbeit in Deutschland voranzutreiben und die Rechte von SexarbeiterInnen zu stärken. Sexarbeit wird seitdem nicht mehr als sittenwidrig eingestuft und SexarbeiterInnen können ihr Honorar einklagen, wenn der Kunde nicht zahlen will. SexarbeiterInnen haben Zugang zur regulären Sozialversicherung und können Arbeitsverträge abschliessen. Das eingeschränkte Weisungsrecht von Bordellbetreibern soll die sexuelle Selbstbestimmung von SexarbeiterInnen erhöhen, indem diese mit ihren Kunden frei über Preise und Dienstleistungen verhandeln können. Das Prostitutionsgesetz hat insgesamt zu mehr Rechtssicherheit geführt. Die parallel existierenden Sondergesetze auf Länderebene und kommunale Sperrbezirksverordnungen tragen jedoch weiterhin dazu bei, dass Prostitution noch längst nicht überall legal ausgeübt werden darf.

Mehr selbstständige SexarbeiterInnen 

Das Prostitutionsgesetz hat dazu beigetragen, dass Sexarbeit in der Gesellschaft eine überwiegende Akzeptanz erfährt; der Anteil derjenigen, die sich für ein Prostitutionsverbot aussprechen ist laut der letzten Umfragen relativ gering und liegt bei knapp 16%. Auch die Branche hat sich in den letzten 20 Jahren geändert, so dass selbstbestimmte Sexarbeit die Szene weitgehend bestimmt. Derzeit arbeiten nach offiziellen Schätzungen etwa 200.000 SexarbeiterInnen in Deutschland (Gesetzentwurf zur Regulierung des Prostitutionsgewerbes v. 1.4.16).

Rotlichtkriminalität noch vorhanden

Leider zieht diese Branche immer noch Kriminalität an: Straftaten wie Zuhälterei oder Zwangsprostitution konnten trotz weitgehender Legalisierung bis heute nicht verdrängt werden. Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung ist in den letzten Jahren immerhin kontinuierlich gesunken wie auch Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung (Bundeskriminalamt: Bundeslagebild Menschenhandel 2014).  Abhilfe soll hier das geplante Prostituiertenschutzgesetz schaffen, die das Rotlichtgewerbe einer Vielzahl von Auflagen unterstellt, um Kriminalität zurückzudrängen und den Schutz von SexarbeiterInnen zu erhöhen.

Kaufmich.com ist mit rund 100.000 registrierten Escorts das führende Netzwerk für sexuelle Dienstleistungen in Deutschland.

“Trotz großer Bemühungen Menschenhandel und Zwangsprostitution zu vermeiden, sind auch uns schon vereinzelte Fälle bekannt geworden, welche über unsere Plattform vermittelt wurden. Aus langjähriger Erfahrung wissen wir, wie schwer es ist, Zwangsprostiution von außen zu erkennen und begrüßen den Vorschlag der Bundesregierung, die Kunden von sexuellen Dienstleistungen in die Meldepflicht zu nehmen.” Julius Dreyer, Gründer Kaufmich.com

Wie erkenne ich Zwangsprostitution?

Gerade Kunden können über ihren engen Kontakt zu den Anbietern wertvolle Hilfe bei der Aufdeckung leisten. So gibt es einfache Merkmale, welche auf Zwangssituationen von Prostituierten hindeuten können:

Skepsis ist angebracht, wenn Sexdienstleister:

  • Spuren von Misshandlungen an Körper oder Kleidung aufweisen
  • verängstigt sind oder weinen
  • signalisieren, dass sie mit Widerwillen oder Ekel ihre Dienste anbieten
  • nicht professionell, selbstbestimmt oder selbständig arbeiten
  • nicht nach den Wünschen des Kunden fragen
  • alle gewünschten Sexualpraktiken erfüllen
  • nicht auf den Gebrauch von Kondomen bestehen
  • Dauer, Beginn und Ende des Kundenkontaktes, bzw. ihrer Arbeitszeit nicht selbst bestimmen können
  • Kunden nicht ablehnen können
  • das Geld für ihre Dienste nicht selbst in Empfang nehmen
  • in abgesicherten und verschlossenen Räumen arbeiten
  • wenig oder kein Deutsch sprechen
  • erkennbar minderjährig oder unreif sind

Was tun, wenn Sie Verdacht schöpfen oder direkt angesprochen werden?

  • jeden Hilferuf, der an Sie gerichtet wird, ernst nehmen
  • nicht auf Sex bestehen
  • Respekt zeigen und die Frau beruhigen
  • eine entsprechende Beratungsstelle anrufen
  • sich an die nächste Polizeidienststelle wenden

Wie kann ich helfen?

Unserer Erfahrung nach sind die Kaufmich.com Kunden überwiegend sehr verantwortungsbewusst und gewillt, Fälle von Zwangsprostitution auch polizeilich zu melden.

Wir von Kaufmich richten hiermit einen Appell an die Community und vor allem an alle Kunden von SexdienstleisterInnen, in Verdachtsmomenten Zivilcourage zu zeigen: Wenn sie Zeugen von Ausbeutung, Zwang und Gewalt werden, darf einfach nicht wegschaut werden. Es bedarf Mut und Zivilcourage, den Opfern beizustehen und diese Fälle – auch anonym – zur Anzeige zu bringen. Dazu kann eine Polizeidienststelle oder eine Internetwache in allen Bundesländern aufgesucht werden.

Bei Verdachtsmomenten kann man sich auch an eine der Fachberatungsstellen für Prostituierte wenden und sich dort beraten lassen. Einige Beratungsstellen sind auch Mitgliedsorganisationen im KOK (Bundesweiter Koordinierungskreis gegen Menschenhandel). Der KOK unterstützt das bundesweite Hilfetelefon mit kostenloser Rufnummer, an die man sich ebenfalls kurzfristig wenden kann.

Ausbeutung und Zwang haben auf Kaufmich keinen Platz

Denn Kaufmich.com steht für einen respektvolles und faires  Miteinander in der Community. Wir unterstützen die Rechte von SexarbeiterInnen und betrachten Sexarbeit als selbstbestimmte Erwerbstätigkeit, wo Ausbeutung und Zwang keinen Platz haben.

Euer Kaufmich Team

2 Kommentare

  1. HURENLIEBSTER hat hier (leider) vollkommen Recht. Es ist ja schon “normal” das vonseiten der Regierung nur heiße Luft kommt und nichts passiert. Es gibt genug Gesetze, passiert etwas werden sofort wieder neue verabschiedet. Nur leider bringt das rein garnichts da eh keiner kontrolliert. Mal als Beispiel das aktuelle Problem mit den Drohnen. Die Modellpiloten haben seit Jahrzehnten mehr als genug Gesetze und es gab in der Zeit praktisch keine Vorfälle. Jetzt soll die ganze Sparte wegen ein paar Schwachstromindianern leiden? Was bringen hier die neuen Vorschriften? An die alten hat sich ja auch keiner gehalten und kontrolliert wurde auch keiner! Ändert sich deshalb was? Träumt weiter.

    Nebenbei bemerkt bin ich absolut gegen Zwangsprostitution und man muss dagegen vorgehen. Nur der Staat ist sich auch hier einfach zu fein um wirklich was dagegen zu unternehmen. Deshalb wird ja die Meldepflicht an den Freier abgetreten. Hauptsache es kann wieder Geld verdient werden, aber natürlich will keiner was dafür tun und sich die Finger schmutzig machen. Kosten darf es ja erst recht nichts. Deshalb muss wie immer der Bürger herhalten. Versteht mich bitte nicht falsch, aber so wird sich an der Sache nichts oder nur marginal ändern. Fragt mal eine der Damen wie oft sie die Polizei oder dergleichen sehen? Das kann sich wohl jeder selbst ausmalen. Oder glaubt ihr wirklich das auf Nachfrage eine betroffene Dame einfach mal so sagt das sie unter Zwang arbeitet? Solange der Staat hier keine regelmäßige Präsenz in irgendeiner Form zeigt mit Kontrollen und dergleichen geht es ewig so weiter. Das ist beschämend und traurig!

    Schöne Grüße

    Mr. XXX

  2. HurenLiebster on

    Ich möchte hier mal die Moralapostel in Politik und Frauenbewegung anprangern.
    Wer einheimischen, freiwilligen jungen Frauen den Einstieg in die Prostitution erschwert (bspw Altersgrenze 21 für Bordelle), braucht sich nicht zu wundern, wenn eine Marktlücke entsteht – auch gekennzeichnet durch höhere Preise – die von Kriminellen dazu genutzt wird, weniger gebildete ausländische Frauen nach Deutschland zu locken oder gar zu deportieren.
    Natürlich kommen auch viele Frauen gerade seit EU-Osterweiterung freiwillig, ich will da keine Vorurteile schüren, und auch diese leiden unter der Gefahr, durch kriminelle Behördenmitarbeiter erpresst und zwangsgeoutet zu werden, wenn ihre persönlichen Daten behördenintern frei zugänglich werden.
    Man schaue sich nur an, wie gut die Presse immer gleich informiert ist, wenn gegen einen Prominenten ermittelt wird, wie katastrophal unsere Behörden die Privatsphäre schützen!
    Ich fordere Gesetze, die die Anonymität von Sexdienstleistern soweit wie möglich garantieren und existenzgefährdende “Whistleblower” aufs härteste bestrafen!

    PS, ich würde mich über eine (junge) feste Partnerin aus der Branche freuen, ich biete guten Unterhalt, vielleicht bin ich für jemanden eine Alternative 😉

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