Frauenzimmer
Sexarbeit wird im Film oft nicht erzählt sondern vorgeführt. Eine der wenigen geglückten Ausnahmen ist für mich die Doku ‚Frauenzimmer‘, die für viele Filmpreise nominiert war und einige auch gewonnen hat.
Filme sind immer eine subjektive Perspektive. Wir sehen durch die Augen anderer, was sie für sehenswert halten. Bei vielen Themen deckt sich dieses Fremdbild mit der eigenen Wahrnehmung. Ein Film wirkt dann mehr oder weniger authentisch. In anderen Fällen erscheint er überzogen oder sogar verzerrend.
Sexarbeit ist filmemacherisch so ein Thema, bei dem ich oft beobachte, dass am Ende eher eine abgedroschene Rotlicht-Reportage herauskommt, die gängige Vorurteile bestätigt. Menschen, die Sexarbeit ausüben, werden dabei zur Staffage oder zu Randfiguren ihrer eigenen Geschichte. In Film und TV lebt das Thema dann weniger von Realität als von der Fantasie einer Gesellschaft, die Prostitution gerne bewertet und „einordnet“. Das funktioniert mit Schlagworten, einprägsamen Protagonisten und bekannten Klischees, die sich durch die Szenen jagen. Und am Ende weiß keiner mehr, ob Sexarbeit „wirklich so schrecklich“ ist oder ob sie schlicht so medial erzählt wird.
Deshalb würde ich persönlich beim Thema Sexarbeit zu Medienmachern eher größtmöglichen Abstand halten. Ich muss in den Mediatheken schon weit zurückgehen, um Filme und Protagonistinnen zu finden, die ich mir gern in Erinnerung rufen möchte. Online finde ich den Film, den ich als gutes Beispiel nennen will, gar nicht mehr. Aber zum Glück habe ich die DVD noch im Bücherschrank.
Bei „Frauenzimmer“ habe ich nicht das Gefühl, dass mir jemand Sexarbeit erklären oder mich in eine Haltung drängen will. Der Film schaut den Frauen einfach zu: ruhig, respektvoll, ohne Sensationsgier. Es geht um drei ältere Frauen in Berlin, die sexuelle Dienstleistungen anbieten, und der Film zeigt ihr Leben so, wie es ist. Eine Mischung aus Routine, Würde und Selbstbehauptung, gewürzt mit Humor und Pragmatismus und dieser ganz eigenen Art von Normalität, die von außen oft nicht verstanden wird.
Diese Doku funktioniert, weil sie unaufgeregt vorgeht und Karolina, Paula und Christel viel Raum gibt, sich selbst in ihrem Dasein zu zeigen. Ich mag, dass der Film nicht so tut, als wäre alles glamourös – aber auch nicht so, als wären die Frauen automatisch Opfer ihrer Lebensgeschichte. Er zeigt, dass Sexarbeit und Alltag nebeneinander existieren können.
„Frauenzimmer“, Dokumentarfilm, Deutschland 2009. Regie: Saara Aila Waasner.

