Vom Anrufer zum Date
Oft denken Männer, dass man als Sexworkerin ständig die seltsamsten Typen trifft. Nun ja, die eigentliche Kunst besteht eher darin, diejenigen herauszufiltern, bei denen es nicht passt. Das ist im Grunde gar nicht so weit entfernt vom normalen Dating. Auch dort trifft man schließlich nicht jeden, und ein gutes Bauchgefühl ist verdammt wichtig.
Manche fragen sich, wie man überhaupt herausfindet, mit wem ein Treffen in Frage kommt und mit wem nicht. Viele stellen sich das wahnsinnig kompliziert vor. Aber so schwer ist es meistens gar nicht. Oft hört man ziemlich schnell, ob es passen könnte, besonders dann, wenn man mit den Leuten telefoniert. Dafür braucht es kein Psychologiestudium.
Schwieriger finde ich es, wenn man nur schreibt. Vermutlich funktioniert auch das irgendwie, aber Telefonieren geht schneller. Normale Menschen stellen sich kurz vor, wenn sie irgendwo anrufen. Schon daran kann man filtern. Wenn jemand direkt unfreundlich, seltsam, übergriffig oder abweisend wirkt, sagt das oft schon genug.
Manche Männer antworten auf die Frage nach ihrem Namen zum Beispiel so:
„Das geht dich gar nichts an.“
Oder: „Warum willst du meinen Namen wissen? Du kennst mich doch nicht.“
Ich könnte theoretisch genauso gut fragen, was sie heute gegessen haben. Es geht gar nicht um den Namen an sich. Es geht darum, ob normale Kommunikation möglich ist. Und genau daran hapert es leider erstaunlich oft.
Es gibt wirklich Tage, da habe ich zehn solche Anrufer hintereinander, bei denen ich mich nur an den Kopf packe. Manchmal frage ich mich, ob es auch bestimmte Kreise gibt, die sich einen Spaß daraus machen, Escorts rauf und runter durchzutelefonieren.
Dann gibt es noch die, die so tun, als würde man sich schon kennen, obwohl ich sie noch nie getroffen habe. Bei manchen hört man einfach sofort an der Art, wie sie sprechen, dass daraus kein Date wird.
Andere wollen ein Treffen Wochen im Voraus verabreden. Selbst wenn ich darauf eingehen würde, zeigt die Erfahrung, dass es sehr oft am Ende doch nicht dazu kommt. Stattdessen läuft es auf endlose Chatterei hinaus, auf die ich wirklich keine Lust habe. Ich persönlich finde Chatten nämlich ziemlich langweilig.
Ich würde trotzdem nicht so weit gehen zu behaupten, dass alle Männer, mit denen es zu keinem Date kommt, Fakes sind. Es gibt sie ja, und irgendwen werden sie vermutlich auch treffen. Aber ich möchte es nicht sein.
Manche Leute glauben, dass man als Sexworkerin im Prinzip jeden trifft. Das halte ich für eine ganz schlechte Idee und außerdem für völlig unrealistisch. Allein schon dann, wenn man, so wie ich, nur Haus- und Hotelbesuche macht. Da überlegt man sich sehr genau, wie man mit seiner Zeit und seinen Kräften haushaltet.
Mir sind die Männer am liebsten, bei denen ich schon am Telefon das Gefühl habe, dass ein Treffen angenehm werden könnte. Oder eben die, die ich schon kenne und gerne wiedersehe.

