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#Blogcompetition KI in der Sexindustrie - F##K the Algorithm

Das Thema KI hat bereits vor einigen Jahren die Sexindustrie erreicht, als Deepfakes von prominenten Frauen anfingen, auf Plattformen für erotische Medien zu kursieren. Dieses problematische Phänomen hat inzwischen breitere Kreise geschlagen und Debatten über Nutzen sowie Schaden von KI sind, weit über das Thema Deepfakes hinaus, fest im Mainstream angekommen.


Doch was bedeutet dieser rapide technologische Wandel für Sexarbeitende? Es ist kompliziert, teils schwierig, und die einfache Antwort gibt es nicht. Wie in vielen anderen Bereichen des Lebens bringt KI teils so schnelle technologische Veränderungen mit sich, dass die gesellschaftliche Reaktion darauf fast schon hinterher hinkt. Dabei ist KI weder Allheilmittel noch Teufelszeug. Es kommt auf den Kontext um die Umstände an, und selbst der beste Algorithmus wird nicht jedes Problem lösen können. 


KI wird nie eine echte menschliche Interaktion ersetzen oder auch nur ansatzweise zufriedenstellend reproduzieren können, und das ist nicht nur ein elementarer Bestandteil des menschlichen Lebens, sondern auch ein wichtiger Bestandteil der meisten Sexarbeit. Als Offline-Domina basiert meine Tätigkeit schließlich auf der direkten, unmittelbaren Interaktion mit meinen Klientinnen und Klienten, und das wird für viele Escorts nicht anders sein. Wer den Wunsch hat, einen Menschen zu treffen, möchte schließlich auch einen Menschen treffen, und nicht eine Maschine oder einen Algorithmus. 


Gerade im Bereich BDSM ist eine Feinfühligkeit in der Kommunikation wichtig, die vieles, aber vor allem auch menschlich ist. Die inviduelle Situation und Bedürfnisse des Subs zu lesen und zu erkennen, die auch abhängig sein können von Tagesform, aktueller Lebensituation, die Räume in die man sich begibt, wortwörtlich und sprichwörtlich - ich habe große Zweifel, dass eine KI all dies je ersetzen könnte. Aus ähnlichen Gründen halte ich es für unwahrscheinlich, dass KI echte Menschen bei der Online-Dominanz komplett ersetzen kann. Schlecht imitieren und damit die Situation für Sexarbeitende erschweren? Auf jeden Fall, das passiert ja bereits. Scams und Fakes sind nicht nur für Klienten ein Problem, sie nehmen auch Sichtbarkeit und Reichweite von echten Sexarbeitenden, stehlen dafür schlimmstenfalls ihre Inhalte und Bilder. Aber wir könnnen und werden nicht von KI ersetzt werden! Unsere individuellen Erfahrungen, Persönlichkeiten und auch unser Wissen kann von keiner Maschine dieser Welt ersetzt werden. 


Schließlich fehlt selbst dem besten Algorithmus der soziokulturelle Kontext, Wissen und Erfahrungen einzuordnen. Und gerade weil dieser Kontext im ständigen Wandel begriffen ist, von sprachlichen und kulturellen und so vielen anderen Faktoren beeinflusst wird, und Nuance sowie Einfühlungsvermögen verlangt, kann KI keine Menschen in der Sexarbeit ersetzen. Die Klienten und Klientinnen genau dann genau dort zu treffen, wortwörtlich wie metaphorisch, wo es am meisten weh tut, und dann auch noch mit dem Wissen, warum genau dort, ist eine Kunst und ein Handwerk, die ein menschliches Lesen und Erkennen verlangt, wie es keine Maschine reproduzieren kann. 


Letzendlich bleibe ich leicht skeptisch, inwiefern KI positiv von Sexarbeitenden für Sexarbeitende genutzt werden könnte. Software, die jegliche illegitime Verwendung und Verbreitung des eigenen Bildmaterial erkennt und dessen Löschung beantragt, die dann idealerweise auch noch für jeden Menschen zuganglich ist, wäre ein Geschenk sondergleichen, und das längst nicht nur für Sexarbeitende. Die Nutzung solcher Technologien wird aber überhaupt erst nötig durch u.A. Deepfakes sowie die schlechten Intentionen anderer Technologienutzer. Ist neue, andere Technologie immer die einzige Antwort auf ein durch Technologie und Gesellschaft geschaffenes Problem? Die Herausforderungen, vor die KI u.A. Sexarbeitende stellt, brauchen mehr als nur technologische Antworten. Das zu diskutieren, würde aber definitiv den Rahmen dieses Blog sprengen.

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