Ein Trauerspiel
Nicht nur in Venedig
Eigentlich müssten die Trauerfeiern von Huren regelrechte Staatsbegräbnisse sein. Die größten von allen letzten Wegen. Unzählige Menschen, meist männlichen Geschlechts, hätten viele gute Gründe, an ihren Gräbern ehrlich zu trauern. Schließlich haben sie ihnen nie Ärger gemacht, sondern Momente der Freude geschenkt.
Stimmt nicht?
Über Tote soll man bekanntlich nichts schlechtes sagen. Also haben sie keinem Ärger gemacht. Höchstens sich selbst.
Sich selbst?
Das Leben als „Normalo“ könnte doch so viel leichter sein. Aber schon Erich Fromm wusste, dass die Normalen die eigentlich Seelisch-Kranken sind. Eben weil sie in einer zerstörerischen Gesellschaft so reibungslos funktionieren. Und wer tut sich diese Normalität im Alltag schon freiwillig an?
Huren scheinbar nicht und wählen ihre ganz eigene Form der Freiheit.
Dafür sterben sie schon zu Lebzeiten einen gesellschaftlichen Tod.
Und am Ende fällt dann auch noch das große Begräbnis aus.
Ich habe selten von großen Hurenbegräbnissen gehört. Weder in Berlin, Wien noch in Venedig. Das muss natürlich nicht so sein. Und es gibt Ausnahmen.
Die große Ausnahme war Domenica, die auf ihrem letzten Weg würdevoll und von vielen Hamburgern begleitet wurde. Dass solche Abschiede sonst eher im Stillen stattfinden, liegt wohl an den Ehefrauen daheim. Die Männer würden sonst bestimmt kommen.
