Von hinten, in der Hocke, kopfüber und dann nochmal von vorne
So beginnt die Fantasie. Körperlich, visuell, ein bisschen verrenkt und vielleicht sogar noch unbequem. Aber was macht man nicht alles für eine gute Nummer wie aus einem Pornodrehbuch. In der Vorstellung vieler reicht das. Eine Pose, ein Griff, ein Ziel, fertig. Doch mit der Realität hat das wenig zu tun.
So manches Vorurteil reduziert uns Sexworker auf bloße Körperlichkeit. Ohne Verstand, ohne Gefühl. Als gäbe es einen Knopf ohne Kopf, den man drückt, und schon läuft das Programm von alleine. Doch Paysex ist im Idealfall eher keine Fließbandarbeit. Nicht, wenn Erotik mehr sein soll als ein kurzer Akt zum Druckabbau.
Paysex funktioniert ein bisschen wie Kochen. Mein Rezept bleibt geheim, aber am Ende geht es nicht darum, das Wasser zum Kochen zu bringen, sondern den Mann. Und wenn alles passt, bleibt er heiß und man sieht sich wieder. Mal gelingt das besser, mal weniger. Wir sind keine Maschinen.
Gerade beim Blowjob zeigt sich, wie wenig das Klischee vom „Stellungswechsel“ trägt. Ein guter BJ hat nichts mit Akrobatik zu tun. Er braucht keinen Handstand, keinen Spagat, keine Pornopose. Es geht um Gefühl, um Rhythmus, um Timing. Es geht um Lust und Spaß an der Sache. Um Hingabe, die nicht gespielt ist. Und um Vertrauen: auch in den eigenen Körper.
Die Vorstellung vom „besten BJ“ lebt oft von übertriebenen Illusionen: POV, gierige Blicke, Deepthroat, tiefer als tief. Dabei ist das Geheimnis meist weniger trickreiche Stellungstechnik, sondern ein BJ-Date mit Tiefgang einzugehen, was auch glaubhaft rüber kommen muss. Nicht jeder Stellungswechsel macht es dann schlussendlich besser. Manchmal führt er einfach nur zum unbefriedigenden Ende ohne Orgasmus.
Auch die simpelsten Positionen können funktionieren, können besonders schön sein und machen am meisten Spaß. Und noch besser: Sie sind auch für beide bequem. Aber ohne ein Wort davor, ohne ein sanftes Ausklingen danach, bleibt oft nur ein fader Beigeschmack hinterher übrig. Ein kurzer Kontakt, der sich nicht gut anfühlt. Was einen Blowjob wirklich trägt, ist mehr: Erfahrung, Aufmerksamkeit, Feingefühl und es ist auch Kopfsache.
Schönheit kann für manche genauso reizvoll sein und der beste Sex tritt dabei zurück. Manche sehr schönen Männer haben nur guten Sex mit unattraktiven Frauen. Keine Frage von Stellungen. Charme. Neugierde auf den anderen. Und manchmal kommt es aber auch auf den gemeinsamen Humor an. Menschen sind sehr verschieden.
Sex, genauso wie Oralverkehr, ist Kommunikation. Nicht mit Worten, sondern mit echter Nähe. Gerade mit fremden Menschen braucht es dabei Feingefühl, Rücksicht, aber auch die Fähigkeit, sich aufeinander einzulassen und auch Grenzen zu kennen oder wahrnehmen zu können. Auch die Schwächen des Gegenübers wahrnehmen zu können und im Idealfall auszubalancieren.
Alle Stellungen – und ja, auch beim Blowjob – haben Konsequenzen. Sie sind nicht nur visuelle Spielerei oder Spaß und Spiel. Sie verlangen Präsenz. Spannung. Respekt. Vor dem Gegenüber. Vor dem eigenen Körper.
Manche Männer bringen die besten Voraussetzungen mit: Ruhe, Neugier, die Fähigkeit loszulassen. Und die Größe, sich führen zu lassen. Andere sind unbeholfen, zögerlich. Sie können ihren Kopf nicht ausschalten. Aber auch mit ihnen hatte ich schöne Begegnungen. Denn es geht nicht nur um Technik. Nicht um die perfekte Stellung. Sondern um Nähe. Um diesen einen speziellen Moment, in dem zwei Menschen sich nicht einfach benutzen, sondern wirklich begegnen.
Auch im Paysex gibt es solche Momente. Und das macht ihn kostbar.

