Biif gehört zu den neuesten Gesichtern auf Kaufmich. Der brasilianische Escort bietet eine authentische Boyfriend Experience und war erst vor wenigen Wochen gemeinsam mit dem Kaufmich Team auf dem SX Festival in Berlin unterwegs. Wenn er gerade keine Dates hat, schreibt er: In seinem Blog beschäftigt er sich mit den Schnittstellen von Sexarbeit, Literatur und persönlichen Erfahrungen. Wir haben mit ihm über seine ersten Wochen auf Kaufmich, Pride und die Fähigkeiten gesprochen, die diesen Beruf wirklich ausmachen.
KM-Team: Hallo Biif, schön, dass Du da bist und herzlich willkommen bei Kaufmich! Du bist noch ganz neu auf der Plattform – wie waren Deine ersten Wochen?
Biif: Vielen Dank, ich freue mich riesig, hier zu sein!
Die ersten Wochen waren unglaublich spannend. Auf der Plattform gibt es viel zu entdecken und ich bin beeindruckt, welche Möglichkeiten sie bietet. Besonders gut gefällt mir die Funktion der Erfahrungsberichte. Gute Kund*innen verdienen es, weiterempfohlen zu werden, und gleichzeitig schafft das mehr Vertrauen für alle Beteiligten.
Außerdem ist es für mich als schwuler Escort spannend, Teil einer Plattform zu sein, auf der auch viele weibliche Escorts und heterosexuelle Kund*innen aktiv sind. Dadurch erreiche ich eine ganz neue Zielgruppe, und ich konnte bereits einige Menschen neugierig darauf machen, neue Erfahrungen auszuprobieren.
KM-Team: Wir haben uns auf dem SX Festival in Berlin kennengelernt, wo Du Dich bei Kaufmich angemeldet hast. Was ist Dir von der Veranstaltung besonders in Erinnerung geblieben?
Biif: Das Festival war großartig. Und vor allem war es wichtig. Sexarbeit war schon immer ein Motor für neue Technologien. Sexualität wird immer gefragt sein und das Potenzial unserer Branche ist riesig.
Veranstaltungen wie das SX Festival zeigen, dass wir eine starke und professionelle Branche sind: Dort kommen Sexarbeitende, Kund*innen und Dienstleistende zusammen. Gemeinsam können wir daran arbeiten, unsere Branche weiterzuentwickeln, die Arbeitsbedingungen zu verbessern und für mehr Sicherheit zu sorgen. Gleichzeitig schaffen wir Sichtbarkeit und können Vorurteile gegenüber der Adult-Branche aktiv abbauen.
Und natürlich hat es etwas ganz Besonderes, wenn so viele Menschen aus unserer Branche einfach zusammenkommen können. Der Vibe war wirklich einzigartig.
KM-Team: Im Juni und Juli wird weltweit Pride gefeiert. Was bedeutet Pride für Dich persönlich als queerer Sexarbeiter?
Biif: Das ist für mich eine vielschichtige Frage, weil Pride so viele Bedeutungen hat.
Wir, als queere Menschen, verbringen einen großen Teil unseres Lebens damit, uns für einen Teil unserer Identität zu schämen oder das Gefühl zu haben, nicht gut genug zu sein. Pride bedeutet für mich, genau diesen Teil endlich anzunehmen und zu lieben – den Teil, den die Gesellschaft oft unterdrücken oder verändern wollte.
Aber Pride geht für mich noch weiter. Indem wir offen zu uns selbst stehen und sichtbar machen, was nicht den gesellschaftlichen Erwartungen entspricht, hinterfragen wir bestehende Machtstrukturen. Wir stellen infrage, was als "normal" gilt, wer darüber entscheidet und weshalb.
Unsere Freude trägt etwas Revolutionäres in sich. Sie zeigt, dass eine andere Welt möglich ist: eine Welt, die auf Liebe, Freiheit und Respekt basiert. Genau diese drei Werte sind für unterdrückende Systeme so bedrohlich, weil sie die Kraft haben, echte Veränderungen anzustoßen.
Gerade jetzt, in einer Zeit, in der Hass wieder lauter wird, ist es wichtiger denn je, uns daran zu erinnern, worin unsere wahre Stärke liegt. Diese Stärke dürfen wir nicht aufgeben – und wir werden sie auch nicht aufgeben.
Wir kämpfen für Freiheit und Respekt mit Freiheit und Respekt. Und wir hören nicht auf zu lieben – offen, stolz und mit ganzem Herzen.
KM-Team: Neben Deiner Arbeit als Escort schreibst Du auch über Deine Erfahrungen. Einer Deiner Blogbeiträge trägt den Titel „Meu corpo é terapia“ („Mein Körper ist Therapie“). Was möchtest Du Deinen Leser*innen mit dieser Botschaft mitgeben?
Biif: Ich bin überzeugt, dass Intimität genauso wichtig für ein erfülltes Leben ist wie Essen, Wasser oder soziale Beziehungen. Unser Körper braucht Berührung. Sie kann Stress reduzieren, Geborgenheit schenken und uns sogar dabei helfen, uns stärker mit uns selbst zu verbinden.
In der öffentlichen Wahrnehmung wird Sexarbeit oft auf ein verzerrtes Bild reduziert: Männer bezahlen dafür, verletzliche Menschen auszunutzen oder zu erniedrigen. Natürlich gibt es solche Erfahrungen. Sie kommen jedoch nicht nur in der Sexarbeit vor.
Ich kann dabei nur aus meiner eigenen, privilegierten Perspektive sprechen. In meiner Erfahrung suchen Menschen die Intimität, die ich ihnen geben kann, meist deshalb, weil sie im Alltag keinen einfachen Zugang dazu haben. Das kann an einem vollen Terminkalender liegen, an Scham oder Unsicherheit, an einem größeren sexuellen Bedürfnis oder einfach daran, dass es für sie die praktischste Lösung ist. Kuscheln, Küssen, Umarmungen oder Gespräche nach dem Sex gehören genauso zu meiner Arbeit wie sexuelle Begegnungen. All das kann leicht, spielerisch und bereichernd sein.
Es ist vergleichbar mit einer Massage, einem Abend beim Lieblingsrestaurant oder einer Sportart, die Dir guttut. Intimität ist ein menschliches Grundbedürfnis. Dass ich Menschen dabei begleiten darf, erfüllt mich mit Dankbarkeit und macht mich stolz.
Fühlst Du Dich inspiriert? Dann teile Deine eigene Geschichte im Kaufmich Blog!
KM-Team: Du hast sowohl in Brasilien als auch in Deutschland gelebt. Was ist für Dich der größte Unterschied, wenn es um Dating, Intimität und Sexarbeit geht?
Biif: Oh wow, darüber könnte ich ein ganzes Buch schreiben! Zuerst muss ich allerdings sagen, dass ich in Brasilien nie als Escort gearbeitet habe. Zumindest bisher nicht. Diese Seite von mir hat sich erst entwickelt, nachdem ich nach Deutschland gezogen bin. Gedatet habe ich dagegen in beiden Ländern sehr viel. Und glaubt mir: Das sind zwei völlig unterschiedliche Welten.
In Brasilien habe ich Dating immer als sehr körperlich und rhythmisch erlebt. Wir berühren uns viel und in unseren Bewegungen steckt etwas Tänzerisches. Das fängt schon beim Flirten an und zieht sich bis zur Zeit danach durch. Auf Partys merkt man das besonders: An einem guten Abend habe ich in Brasilien locker drei bis fünf Menschen geküsst.
Als ich nach Deutschland kam, habe ich diese Mischung aus einem entspannten Abend und dieser leichten sexuellen Spannung zunächst vermisst. Nach ein paar Jahren habe ich dann die sexpositive Berliner Szene entdeckt und lieben gelernt. Diese Offenheit hatte ich in Brasilien so nie kennengelernt. Viele Menschen wissen hier genau, was sie möchten, und sprechen das auch ganz offen aus. Ohne Scham oder Zurückhaltung. Das empfinde ich bis heute als unglaublich bereichernd.
KM-Team: Wie groß ist der Unterschied zwischen dem Biif, den Deine Kunden kennenlernen, und dem Biif, den Deine Freund*innen kennen?
Biif: Ich hoffe, das klingt jetzt nicht unehrlich, aber ich glaube, es gibt da keinen großen Unterschied. Das bin einfach ich.
Zum einen, weil ich meinen Freund*innen gegenüber sehr offen bin. Sie kennen auch meine sexuelle Seite. Zum anderen, weil ich meinen Beruf als Escort wirklich gerne mache. Klar gibt es manchmal Rollenspiele, und die machen mir ebenfalls Spaß. Aber abgesehen von solchen Fantasien erleben meine Kunden mich so, wie ich bin, und keine Figur, die ich für ein Date erschaffe.
Außerdem verspreche ich nichts, was ich nicht halten kann. Wenn mich jemand nach etwas fragt, womit ich keine Erfahrung habe, oder etwas möchte, das nicht zu mir passt, sage ich das offen. Mir ist wichtig, dass wir beide mit denselben Erwartungen in ein Treffen gehen. Mein Ziel ist nicht einfach eine Buchung. Ich möchte, dass meine Kunden unsere gemeinsame Zeit wirklich genießen. Deshalb ist Ehrlichkeit für mich das Wichtigste.
KM-Team: Du hast einmal gesagt, dass Du für diesen Beruf gemacht bist. Kann jede*r Escort werden? Und was braucht es dafür wirklich?
Biif: Auf keinen Fall! Und ehrlich gesagt ist das auch gut so. Die Konkurrenz ist ohnehin schon groß genug, haha!
Ganz grundsätzlich glaube ich, dass gute Kommunikation, Organisation und vor allem Empathie die wichtigsten Voraussetzungen sind. Mit diesen Eigenschaften zeigst Du Deinen Kund*innen Respekt und Wertschätzung. Genau das macht für mich professionelles Arbeiten aus.
Was einen Escort aber wirklich besonders macht, ist etwas anderes: Man sollte Freude an dem haben, was man tut. Ich glaube, genau das unterscheidet einen Beruf von einer Berufung. Die meisten Kund*innen suchen keine perfekte Performance. Sie wünschen sich echte Nähe und eine Verbindung zu ihrem Gegenüber. Wenn Du von Natur aus offen mit Deiner Sexualität umgehst und diese Begegnungen selbst genießen kannst, dann merken die Menschen das. Und genau das kann den Unterschied machen.
KM-Team: Was brauchen Sexarbeitende, besonders queere Sexarbeitende, in Zukunft mehr: Unterstützung durch Plattformen, Kund*innen oder die Community? Oder etwas ganz anderes?
Biif: Die naheliegende Antwort ist natürlich: Geld. Es wäre unehrlich, das nicht zu sagen. Viele Sexarbeitende leben in finanziell unsicheren Situationen. Das hat oft direkten Einfluss darauf, welche Risiken sie in ihrer Arbeit eingehen.
Aber Geld ist nur ein Teil der Antwort. Wir brauchen auch mehr Mitsprache und eine stärkere gesellschaftliche Vertretung. Besonders dann, wenn politische Entscheidungen getroffen werden, die unser Leben und unsere Arbeit betreffen.
Ein Projekt, das ich sehr unterstütze, ist der Entwurf des Sex Work Acts (SAG). Er basiert auf der Workshopreihe „Sex Workers Write the Law“ von SMART Berlin. Sexarbeitende haben dort selbst ihre Erfahrungen, Bedürfnisse und Forderungen eingebracht. Das Ziel ist, Rechte zu stärken, Diskriminierung und Kriminalisierung abzubauen und politische Teilhabe zu ermöglichen.
Wir möchten nicht nur gehört werden. Wir möchten mit am Tisch sitzen, wenn Entscheidungen getroffen werden. Nur so können sich unsere Lebens- und Arbeitsbedingungen nachhaltig verbessern.
KM-Team: Vielen Dank für das spannende Gespräch, Biif!
Wenn Du mehr über SMART Berlin erfahren möchtest, findest Du alle Infos direkt auf ihrem Kaufmich-Profil. Und wer weiß: Vielleicht dürfen wir schon bald einen Blogbeitrag von Biif im Kaufmich Blogbereich lesen. Wir würden uns jedenfalls freuen!
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