Länderbericht: Sexarbeit in Argentinien

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In den meisten Ländern unserer Welt gibt es spezielle Regelungen und Gesetze, die den Umgang mit Sexarbeitern, dem Prostitutionsgewerbe und / oder ihren Kunden regeln. In unseren Länderberichten versorgen wir Euch mit wichtigen landestypischen Informationen. Im folgenden Artikel geht es um Sexarbeit in Argentinien.

Sexarbeit in Argentinien: eine düstere Historie

In Argentinien ist Sexarbeit legal, aber organisierte Prostitution illegal. Dies betrifft das Betreiben von Bordellen, Prostitutionsringen, Zuhälterei etc. Trotzdem haben Bordelle dort eine lange Tradition und existieren bis in die Gegenwart.

Argentinien kann auf eine unrühmliche Geschichte zurückblicken: Es war Männern bis 1913 erlaubt, ihre eigenen Frauen und Kinder in die Prostitution zu zwingen. Ein trauriges Kapitel auch: Zwischen 1860 und 1930 wurden arme jüdische Frauen aus Osteuropa und Russland mit falschen Versprechungen nach Südamerika, darunter auch Argentinien, gelockt und in die Prostitution gezwungen. Täter waren zumeist jüdische Zuhälter. Es gibt auch vereinzelt Filme und Literatur über dieses Drama.

Heutzutage organisieren sich SexarbeiterInnen in Lateinamerika. So gibt es die gemeinsame Plattform Plaperts. Die aktivsten Gruppen arbeiten in Brasilien, Argentinien, Ecuador, Mexiko und Peru. In Argentinien gibt es ein Netzwerk bestehend aus 15.000 SexarbeiterInnen, die sich für ihre sozialen und politischen Rechte engagieren. Es heisst Ammar (Asociación de Mujeres Meretrices de la Argentina). Eine weitere regionale Organisation ist Redtrasex (Latin American and Caribbean Sex Workers Network).

Ammar wurde 1994 gegründet. Anlass waren öffentliche Aufstände, die sich gegen Polizeigewalt an Sexarbeiterinnen richteten. Seitdem machen sie politische Lobby- und Communityarbeit, sind aktiv im Bereich gesundheitlicher Fragen und HIV. Besonders hervorzuheben ist, dass sich lateinamerikanische Aktivistinnen für bessere Arbeitsbedingungen einsetzen und sich viele wie eine Gewerkschaft organisieren. Sie kämpfen z.B. für den Beitritt zur Sozialversicherung und Renten. Rechte, die andere Berufsgruppen längst haben. Offiziell sind sie als Gewerkschaft noch nicht anerkannt.

Auffällig ist, dass sich Aktivisten hier für die Regulierung der Prostitution und die Zertifizierung von Sexarbeitern aussprechen, die nachweisen, dass sie gewisse Auflagen erfüllen, im Sinne von Qualitätsmerkmalen. Dazu zählt der Nachweis, dass man nicht unter Zwang arbeitet. Es ist nämlich keineswegs so, dass die internationale Bewegung der SexarbeiterInnen mit einer Stimme spricht. Es gibt regional unterschiedliche Stimmen und Forderungen. In einem sind sich alle einig: in der Forderung nach Entkriminalisierung der Sexarbeit weltweit.

 

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