Bei den beschriebenen Begleitumständen und den Verhandlungen mit einer Agentur, bekommt man als Leser doch Zweifel, dass dort alles mit rechten Dingen vonstatten gegangen ist. Die Verlängerung des Dates wurde nicht mit der jungen Frau vor Ort vereinbart, sondern über Dritte. Kommandoton und Gebrüll am Telefon, die Erleichterung der jungen schüchternen Frau, länger bleiben zu dürfen ... ein Honorar, das auf Ausbeutung hinausläuft: 250€/24 Std.
Was bleibt nach Abzug der üblichen Agenturprovision dann wohl für die junge Frau noch übrig? Oder wurde gar das Geld komplett von der "Agentur" einkassiert, da von Seriosität keineswegs auszugehen ist. Was meint Ihr liebe Leser? Welcher menschliche Preis wird tatsächlich für Sonderpreise gezahlt?
Wer kennt sie nicht? Die Stadt mit dem dritten Mann, im britischen Thriller von Carol Reed aus dem Jahr 1949 mit Harry Lime und dem weltberühmten Musikstück auf der Zitter. Die Rede ist von Wien. Eine eindrucksvolle Stadt mit diesem weltberühmten Riesenrad auf dem Prater und – hier geht es ja um die wichtigste Sache der Welt – mit einem geradezu überquellenden Angebot an Liebesdiensten.
Man glaubt es kaum, doch das Angebot ist riesig und die Preise im Keller. Wien liegt unmittelbar an der Grenze zur Slowakei und nicht erst seit den Flüchtlingsströmen ist der Versuch der Damen vom Balkan dementsprechend groß, hier das längst nicht mehr große Geld zu machen. Wer hier Zärtlichkeit sucht, kann nicht viel falsch machen. Offiziell liegt die Stunde für einen Besuch im Hotel bei hundert Euro, wer handelt, bekommt die Stunde auch für 70 oder 80 Euro, inklusive Taxikosten, versteht sich. Oder zwei oder drei Stunden für etwas über 100 Euro und bei Sympathie auch die ganze Nacht. Zärtlichkeiten im Hotelpool und ein ausgiebiges Tête–à–tête bei Kerzenschein im Hotelzimmer sind kein Problem. Was völlig auf der Strecke bleibt, ist allerdings die Kommunikation. Die Mädchen können weder Deutsch noch Englisch und die Verständigung gelingt nur mit „Händen und Füßen“.
Anfänglich hatte ich noch Glück, weil manche Worte einer dieser Balkansprachen eine gewisse Ähnlichkeit mit Französisch aufweist und so wenigstens eine rudimentäre Verständigung möglich war. Was soll das, werden sich manche fragen, zur Sache kommen, rein-raus, das klappt auch ohne Reden. Das mag wohl sein, doch es hängt davon ab, wie man selbst den Sex begreift. Als reine Mechanik, zur Erlösung des inneren Druckes oder als Liebesspiel, also als ein anspruchsvolles Spiel zu zweit, mit gelebter Zärtlichkeit.
Dazu gehört jedoch Wohlergehen auf beiden Seiten und das Begreifen des Mannes, dass die Liebesdienerin im Idealfall eine Geliebte auf Zeit ist. Mit allem Drum und Dran, dem nötigen Respekt und ganz viel gegenseitigem Verständnis im Sinne von Verstehen. Ich weiß, da kommt bei mir der hoffnungslose Romantiker durch, der erst einmal seine Geschichte drumherum braucht, um sich überhaupt mit einem weiblichen Wesen gegen Bezahlung einzulassen.
Insofern war Wien der Sprung ins kalte Wasser mit bislang nicht gekannten Facetten bezahlter zwischenmenschlicher Beziehungen. Ein paar Tage später eine sehr unsympathische Stimme einer vermeintlich knallharten Verhandlungsführerin am Telefon, die erstaunlich schnell und unerwartet (finanzielle) Zugeständnisse machte. Der Deal brachte mir ein schüchternes Mädchen im Hotel ein, gerade 18 und ohne jede sprachliche Verständigungsmöglichkeit, so dass ich sie am liebsten wieder nach Hause geschickt hätte.
Nach Hause, was ist das? Ein Domizil ohne Rückzugsmöglichkeit für das eigene Ich, ständiges Warten und doch schnell auf dem Sprung sein, wenn Leute wie ich anrufen und sich ein menschliches Wesen wie eine Pizza bestellen. Wollen wir das? Ich wollte das jedenfalls nicht und suchte krampfhaft nach einem Ausweg aus dieser nachhaltig sprachlosen Situation. Doch die ergab sich schneller als erwartet beim Tee, im diesbezüglich reichhaltig ausgestattetem Hotelzimmer. Von mir angedeutete Schwimmbewegungen und ein erstes zartes Lächeln im Gesicht meines Gegenübers ließen den gemeinsamen Entschluss reifen, den Hotelpool aufzusuchen. Deutlich langwieriger gestaltete sich allerdings das Auftreiben eines Bikinis für die zierliche Mädchengestalt. Wasser hat etwas Natürliches. Es entspannte unsere Körper und verleitete uns zu allerlei Späßen. Das Mädchen war plötzlich ein Kind und ich merkte richtig, wie die Last ihres Tages und die Schwere ihres Lebens abgefallen war. Das Wasser war zu unserem Spielplatz geworden.
Nach zwei Stunden rief ich wieder diese unsympathische Stimme an und begehrte die vorher in Aussicht gestellte Dienstleistungs-Verlängerung, die sich wider Erwarten erstaunlich problemlos mit 280 Euronen für 24 Stunden gestaltete. Im Kommandoton wurde ich schließlich aufgefordert, mein Mobiltelefon meiner Partnerin auf Zeit auszuhändigen. Die unsympathische Stimme wurde lauter und brüllte dem Mädchen etwas ins Ohr. Mir schwante schon Böses, doch nach Beendigung des Gespräches sprang mir das Mädchen erst einmal um den Hals. Ich rutschte aus und wir fielen beide ins Wasser. Samt Handy, was sich gemäß Herstellerversprechen tatsächlich als wasserdicht entpuppte.
Wir waren allein im Pool und blieben stundenlang, bis uns das Hotelpersonal pünktlich um 23 Uhr hinauskomplimentierte. Zurück im Hotelzimmer hatte ich Lust auf Massage. Da ich mich nicht verständlich machen konnte und sie, wie sich später herausstellte, noch nie jemanden massiert hatte, fing ich an. Nachdem ich zunächst ihre Füße und Beine mit massierenden Bewegungen eingecremt hatte, kniete ich über ihr und widmete mich massagetechnisch ihrem Po und ihrem Rücken. Nach einer Weile suchte sie mit ihren Händen Körperkontakt und umfasste schließlich meine Kniegelenke. Dann verriet sie mir ihren Namen. Nennen wir sie jetzt Natalie. Nach dem Umdrehen war die Massage recht schnell zu Ende, denn Natalie zog mich an sich heran und halb auf ihr drauf und halb seitlich sind wir dann Arm in Arm eingeschlafen. Unsere ermüdende Wasserschlacht hatte ihren Tribut gefordert.
Mitten in der Nacht waren wir plötzlich beide gleichzeitig munter und es war Natalie, welche sehr zielstrebig die Initiative für richtig ausgiebigen Girlfriendsex vom Feinsten ergriff. Die Chemie zwischen uns stimmte wohl und irgendwann kündigte ein Zittern von Natalies gesamten Körpers das Ende unseres Matches an. Es war sehr schön, mein anfänglich schlechtes Gewissen war verflogen und wir schliefen solange, dass wir am nächsten Morgen nur noch mit Hängen und Würgen den Frühstückstisch rechtzeitig erreichten.
Danach verwickelte das Zimmermädchen aus dem benachbarten Bratislava Natalie in ein Gespräch. Ich vermutete, dass die beiden Landsleute sind. Anschließend haben wir Wien unsicher gemacht. Als die Stunde des Abschieds nahte, wurde Natalie ganz still und ihre Augen glänzten wässrig. Statt mit dem Taxi brachte ich Natalie mit der Bahn zu ihrer Einsatzzentrale zurück. Die unsympathische Stimme entpuppte sich als veritabler Hausdrachen. Doch es kam das Angebot, Natalie zwei Tage später erneut zu treffen, zum Sonderpreis von 250 Tacken für 24 Stunden.
Leider hat meine Geschichte kein Happy-End. Meine Vorfreude, Natalie nach zwei Tagen wiederzusehen, war trügerisch. Natalie kam nicht mehr und blieb verschwunden, vermutlich hängengeblieben in den auf Grund der Flüchtlingswirren wieder eingeführten Grenzkontrollen.
Schade. Doch ich werde Wien mit seiner käuflichen Liebe in schöner Erinnerung behalten.