Schon einige Male habe ich die Frage gestellt bekommen, wie ich das Wort "pervers" genau definiere. Ganz treffend hat diese Eigenschaft Karl Kraus in seinen "Worten in Versen" bezeichnet:
Perversität
"Der Sinn der Sinnenlust: daß Leiber sich erlaben.
Weh dem, der sich vermißt, dabei noch Geist zu haben!"
Demgegenüber wird das Perverse in unserer Gesellschaft öfters solchen Worten wie "widernatürlich", "absurd", "unerhört", "höchst merkwürdig" gleichgestellt. An diesem Beispiel sieht man, wie unterschiedlich man die gleichen Worte und Wertvorstellungen abhängig von eigener Lebenserfahrung interpretieren kann. Und wie sehr unsere Gesellschaft dazu neigt, abzustempeln, in Schubladen einzusortieren und Vorurteile aufzubauen...
Ich bevorzuge eine positive und auch komplexe Interpretation von diesem Begriff und bezeichne mich selbst gerne als pervers. Die Kombination aus wilder Lust und intellektueller Begierde macht es in meinen Augen aus. Alleine nur hemmungsloser Sex ohne geistige Tiefe artet sich schnell in eine eintönige, sinnlose und monotone Beschäftigung aus. Der reinen Vernunft fehlen die Höhen und Tiefen der puren Leidenschaft, das feurige Verlangen und die Verrücktheit. Und indem man die beiden Seiten, die sich eigentlich widersprechen, in sich vereint, kann man sich an die Grenzen der Perversität herantasten. Um sexuelle Limits zu überschreiten und Dinge zu tun, die sich die meisten Menschen nie zutrauen würden, braucht man auch eine lebhafte Fantasie. Und es geht nur, wenn man sowohl einen klaren Verstand besitzt als auch offen, vorurteilslos und versaut durchs Leben marschiert!
Gleichzeitig ist diese Kombination gefährlich und explosiv, gerade weil man in sich die Eigenschaften vereint, die sich gegenseitig nicht immer gut vertragen. "Weh dem, der sich vermißt, dabei noch Geist zu haben!"
Sehr schön hat auch Oscar Wilde, der in seiner Generation zweifelsfrei als einer der perversesten Menschen par excellence galt, über dieses Paradox geschrieben: “What the paradox was to me in the sphere of thought, perversity became to me in the sphere of passion. Desire, at the end, was a malady, or a madness, or both.” Paradoxes Denken erschüttert feste Meinungen und führt zur Entstehung von neuen Theorien, Denkmustern und gesellschaftlichen Trends. So ist es auch mit der Perversität im Bereich der sexuellen Leidenschaft… Sie sprengt bestehende Klischees, öffnet erotische Abgründe und führt unerwartete sinnliche Verwicklungen herbei… Somit brachte Wilde auch zum Ausdruck, wie ambivalent und vielschichtig die Perversität sein kann. Einerseits verrückt, verlockend und unwiderstehlich. Andererseits hat sie ein zerstörerisches Potential. Wenn man diese sinnliche Macht nicht im Griff hat, wird sie zu einer gefährlichen Waffe, zu einer allumfassenden Obsession, einer Sucht, einer Krankheit…
Das reale Leben besteht aber aus Paradoxen und Widersprüchlichkeiten, und gerade sie machen es so wertvoll und begehrenswert. Es verläuft niemals linear, es hat mehrere verschiedene Ebenen und Entwicklungsszenarien. Und je widersprüchlicher, leidenschaftlicher, perverser, intellektueller, unlogischer, sinnlicher, hemmungsloser und gleichzeitig strukturierter, sinnvoller und zielorientierter es ist, umso intensivere Erfahrungen macht man. Man kann gleichzeitig die verrücktesten sexuellen Praktiken ausleben und diese wilde Energie und die Inspirationen dafür nutzen, um eigene berufliche Ziele zu verfolgen und eigene Kreativität zu fördern. Wie es so oft im Leben ist, scheint dabei das richtige Maß entscheidend zu sein…
Ich stelle mich gerne dieser Herausforderung, das Logische und das Unlogische, das Sündhafte und das Unschuldige, das Triebhafte und das Vernünftige in mir selbst zu vereinen. Jegliche sexuellen Grenzen zu überschreiten, hemmungslos zu leben und versaute Dinge zu tun und gleichzeitig mit beiden Beinen auf dem Boden zu stehen. Es klappt nicht immer, aber ich gebe mir stets die Mühe...


@Devote Lea Ein wirklich sehr komplexes Thema. Als pervers würde ich den Grenzübertritt der Tabus des entsprechenden Partners/ Partnerin bezeichnen wollen. Sind es doch Grenzen die dann überschritten werden. Mann / Frau kann sich an Grenzen herantasten, zeitweilig auch überschreiten. Alles liegt aber im Auge des Betrachters.
Erotisch ist die Verwendung einer Feder. Pervers ist die Verwendung eines Huhns. - sinngemäß nach Terry Pratchett
Zwischen Mann und Frau ist eigentlich alles erlaubt was beiden gefällt .Ich persönlich finde es pervers mit Kot zu schmieren oder sich ins Gesicht kacken lassen .Tiere beim Sex nein niemals ,niemals nein nein .
Spießig ist zu verurteilen, wenn jemand ein Huhn verwenden will. - sinngemäß nach Devote Lea
Erotische Lyrik par excellence.....frei von Hemmungen und neugierig auf Herausforderungen. Eine süße Frucht, die man verstehen muss, um die ganzen Facetten des gutem Geschmacks genießen zu können. Pervers? Sicher! Na und?
@Lea: Dazu hat das Huhn vermutlich eine andere Meinung.
Irgendein jemand hat sinngemäß gesagt: Pervers ist man dann, wenn keiner mehr zu finden ist, der mit einem die sexuellen Vorlieben teilen möchte. Steckt für mich eine gewisse Wahrheit drin.
Ist das auch pervers ? Ich möchte die Dame in der gefüllten Badewanne gerne mal von hinten nehmen und eventuell auch anal .
Mal so zur Aufmunterung : sitzen zwei Homosexuelle in der Badewanne ,auf einmal furzt der eine .sagt der andere ; Oh Detlev unser Kind atmet schon !
Alleine um die köstlichen Kommentare zu lesen, lohnt sich das Schreiben von solchen Blogs. Da wird es nie langweilig. Danke, verehrte Herrschaften, für eure tiefsinnigen Gedanken. :)
ich kann dazu nur eine ehemalige Chefin von mir zitieren, welche das Thema Intellekt und Sexualität, etwas verkürzt zwar, aber doch auf den Punkt brachte: Dumm fickt gut, aber eben nicht sehr gut.
Eine sehr schöne Zitat! Ich würde es mit einem Wort erweitern: „Dumm fickt gut ... untereinander.“
Im Kontext zur Natur ist unsere Spezies generell pervers. Ist der Ruf erst ruiniert lebt es sich ganz ungeniert :-)
Dem stimme ich voll und ganz zu @zylkopf