Beurteile ein Buch nicht, wenn Du die Story nicht kennst. Das gleiche gilt für Menschen. Unsere Gastautorin hat bereits ein Buch herausgebracht "Dornenhimmel: Gefangen im Zwielicht" und ist in einem SM Studio aktiv. Freundlicherweise hat sie uns einen Textauszug aus ihrem Buch zur Verfügung gestellt. Das Buch ist erhältlich bei Amazon, eine Fortsetzung ist bereits in Arbeit. Wir sind gespannt!  

 

Erste Einblicke ins Milieu als Jugendliche (1973) In der nächsten Straße gab es viele alte Gebäude mit roten Lampen in den Fenstern oder über dem Eingang, was ich witzig verlockend fand. Frauen mit knielangen hochhackigen Stiefeln und in kurzen Röcken liefen langsam auf und ab. Aus jedem Lokal hörte ich laute Musik. Niemand beachtete mich, ich konnte ungestört meine Blicke schweifen lassen, während ich auf den Pflastersteinen hinunter schlenderte. Linker Hand entdeckte ich einen wunderschönen Eingang, verziert mit Lichtern und goldener Farbe, der mich magisch anzog. Hier wollte ich eine Cola trinken! Durch den dichten roten Windschutzvorhang trat ich in das Innere des Lokals und konnte kaum glauben, was ich dort sah. Dieser Ort erinnerte mich an ein Märchen aus Tausend und einer Nacht. An einem goldverzierten Tresen saßen zwei Männer, die sich mit einer atemberaubend hinreißenden Frau unterhielten. Als sie mich sah, stand sie auf und kam mit stolzen Schritten auf mich zu. Atemlos ließ ich meinen Blick über ihren makellosen Körper gleiten. Sie trug schicke hohe Schuhe und ein knielanges rot funkelndes Kleid. Ihre langen glänzend schwarzen Haare bildeten einen faszinierenden Kontrast zu ihrer hellen Haut und ihren knallrot geschminkten Lippen. Noch nie war mir eine so bildschöne sowie elegant anmutige Frau begegnet wie diese Dame. Freundschaftlich legte sie ihren Arm um mich und schaute mich aus ihren großen, perfekt geschminkten Augen fragend an: „Was tust du hier, hast du dich verlaufen, Kleines?“ Beinahe liebevoll führte sie mich an die Bar, und ich folgte ihr bereitwillig. Sie wirkte überaus erhaben und doch unheimlich sympathisch, wodurch ich mich auf seltsame Weise zu ihr hingezogen fühlte. Mir fiel auf, dass die männlichen Gäste in diesem Amüsierlokal auffallend schick angezogen waren. Sie trugen goldene Ringe und Uhren, schauten mich erstaunt an und lächelten mir freundlich zu. Einer der Herren zog Dora zur Seite und flüsterte ihr was zu, woraufhin sie zu mir herüber sah und lächelte. Doras Ausstrahlung überwältigte mich, sie bewegte sich elegant wie eine Katze und die Herren schienen sie förmlich mit den Augen zu verschlingen, als sie mit einem von ihnen verschwand. Kurz darauf kam sie zurück und fragte mich, ob ich vielleicht Lust hätte, etwas Besonderes zu sehen. Unsicher war ich schon, dennoch, obwohl ich Dora nicht kannte, vertraute ich ihr. Mutig tat ich kund: „Ja!“ Sie nahm mich an die Hand: „Keine Angst, Kleines, dir wird nichts passieren, ich bin da und passe auf dich auf.“ Dabei öffnete sie eine schimmernde goldene Tür. Mir blieb fast mein Herzchen stehen, als ich hinter ihr den Raum betrat. Da gab es so etwas wie eine Gefängniszelle, ein großes schwarzes, mit Nieten verziertes Kreuz und einige andere merkwürdige Möbelstücke, wie ich sie noch nie gesehen hatte. Ehrfürchtig betrachtete ich den schwarz glänzenden Boden und ließ meinen Blick hinauf zu der gold-schwarz-rot verzierten Decke wandern. Fragend sah ich Dora an: „Was ist das alles, wo bin ich hier?“ „Gefällt es dir, Kleines?“, fragte mich Dora lächelnd. Mehr als ein sprachloses Nicken brachte ich nicht zustande. „Dies ist mein Reich, wie es einer Herrin gebührt. Du darfst gern die anderen Räume anschauen, wenn du möchtest!“ Von dem Raum, in dem wir uns befanden, gingen fünf Türen ab, von denen eine wieder zur Bar zurückführte. Nun öffnete ich eine Tür nach der anderen und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Hinter einer der Türen entdeckte ich eine Wand mit verschieden großen Löchern, durch die ein sanftes Licht fiel, und mit einem Schiebefenster. Wenn man durch dieses schaute, sah man ein traumhaftes Himmelbett aus Metall, mit roten Samtvorhängen und einer roten Samtdecke. In dem Raum standen überall königliche Kerzenständer mit großen Kerzen, über dem Bett entdeckte ich einen Spiegel. Noch nie hatte ich goldene Möbel gesehen, wie diese Kommode und diesen Spiegeltisch, auf welchem Parfümflaschen wie auch unzählige Kerzen standen, welche Dora entzündete, während sie das Licht langsam löschte. Nun wurde der Raum in ein sanftes, flackerndes Candlelight getaucht. Unfähig etwas zu sagen, stand ich da, völlig eingenommen von dieser knisternden geheimnisvollen Atmosphäre. Als Dora meine Schulter berührte, zuckte ich zusammen. Sie kam, um mich zu dem goldenen Schminktisch zu führen, damit ich auf dem barocken Stuhl davor Platz nehmen konnte. Sie fragte, ob ich Angst hätte. „Angst? Nein, ich habe keine Angst, ich finde alles himmlisch, fühle mich wie in einem Theater!“ „Dies ist eine interessante Beschreibung“, lachte Dora, nahm die goldene Bürste und strich damit zärtlich über mein langes Haar, während sie mich im Spiegelbild liebevoll betrachtete. Nach einer Weile führte sie mich wieder zurück in die Lokalität, die nun mit mehr Gästen besetzt war. Hinter der Theke bediente ein Schwarzer, bekleidet mit einer hautengen schwarzen Lederhose und einem weißen Hemd. Wir setzten uns hin und Dora fragte mich, ob ich gerne einmal zuschauen möchte, was sie mit ihrem Spielzeug in ihrem Reich machen würde. Geld würde ich selbstverständlich auch dafür bekommen, versprach sie. Ich war wahnsinnig neugierig und gab meine Zusage, ohne über ihr Angebot noch einmal nachzudenken. Nun waren wir für den kommenden Freitag verabredet. Ich sah auf die Armbanduhr und stellte mit Erschrecken fest, wie spät es schon war. Eilig ging ich aus dem Nachtclub und zu der Kaschemme, in der meine Schwester mich sitzen gelassen hatte. Zum Glück war sie noch nicht da. Aufgeregt wartete ich noch eine Weile. Das war mir recht, ich wäre viel zu durcheinander gewesen, um jetzt noch belangloses Geplauder mit ihr zu halten. So hatte ich noch ein wenig Zeit, mich zu sammeln. Nach etwa einer halben Stunde kam sie und fragte mich, ob es schlimm für mich gewesen wäre, da sie mich lange allein gelassen hätte. Ich verneinte und erzählte ihr, die Stunden mit einem Mädchen Darts gespielt zu haben, was voll lustig gewesen sei. Als wir zuhause ankamen, verzog ich mich sofort in mein Zimmer. Ich war froh, endlich allein zu sein, nur mit den Erlebnissen, die ich nicht geträumt hatte. Einschlafen konnte ich in dieser Nacht noch lange nicht, dafür war ich zu aufgewühlt. Ich konnte es kaum erwarten, am nächsten Tag auf dem Schulhof meine Freundinnen zu treffen und ihnen von dem Abenteuer zu berichten.

 

Written by Gastautor


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