Man könnte meinen, alle Welt würde stetig freizügiger werden. Trends wie das After-Sex-Selfie sind in Zeiten von Social Media längst keine Besonderheit mehr. Doch gleichzeitig regen sich Regierungen und Organisationen rund um den Globus zum Widerstand gegen die promiskuitive Gesellschaft und versuchen insbesondere das älteste Gewerbe der Welt mehr und mehr zu maßregeln. Wir haben drei Regulierungsversuche exemplarisch zusammengefasst.
Verschworen gegen die frauenverachtende Pornoindustrie
In der australischen Gartenstadt Toowoomba, etwa 100 Kilometer von Brisbane entfernt, haben rund 200 Männer, angeführt durch den Bürgermeister Paul Antonio, einen Schwur geleistet. Sie wollen keine Pornos mehr schauen. Die Stadt will damit einen symbolischen Akt leisten, einen ersten Schritt gegen eine frauenfeindliche Industrie. Schließlich gibt es ja auch Kampagnen gegen unheilbringende Substanzen wie Drogen und Alkohol. Jetzt also auch gegen Pornos. Eine revolutionäre Idee? Nicht so ganz, denn allzu strikt geht das Stadtoberhaupt nicht vor. Wie in jeder größeren Stadt gibt es natürlich auch in Toowoomba Bordelle und Stripclubs. Diese sollen aber weiterhin offen bleiben. Mit diesem dramatischen Akt wird die komplette Pornofilm-Industrie diskreditiert und man fragt sich ernsthaft, wie die Stadt an dem Schwur festhalten will, ohne nicht großflächig Internetzugänge zu deaktivieren.
Frankreich lässt seine Freier zahlen

Regierungssprecherin Najat Vallaud-Belkacem setzt sich dafür ein, dass Frankreichs Freier zahlen müssen (c)
Wikicommons
In Sachen Gleichstellung von Frauen und Männern tut sich einiges in Frankreich. Vor allem die junge Regierungssprecherin Najat Vallaud-Belkacem ist Redelsführerin neuer Gesetze, die beispielsweise das Abtreibungsrecht liberalisieren, Elternzeiten zwischen Müttern und Vätern gerecht aufteilen und nun eben auch Freier zur Kasse bitten. Das Gesetz zum Kampf gegen das System der Prostitution lässt Freier zahlen, die Geschlechtsverkehr gegen Bezahlung empfangen bzw. empfangen wollen. Das Gesetz soll den Opfern der Prostitution zu Gute kommen und das älteste Gewerbe der Welt erheblich maßregeln. Das Gesetz wird allerdings nicht allerorten gleichermaßen erwirkt. In Lyon beispielsweise musste noch nicht ein einziger Freier zahlen, weil es laut polizeilicher Behörden nicht, oder nur sehr schwer nachzuweisen ist, ob jemand Sex gegen Bezahlung empfangen hat. In der Stadt Narbonne, einer Hafenstadt im Süden Frankreichs, wurden hingegen 17% der landesweit ausgesprochenen Strafgelder eingetrieben. Dabei werden fast immer Männer belangt.
Warten im Gebüsch und in Klohäuschen um die Übeltäter zu erwischen
Die eifrigen Polizisten verstecken sich an Orten, an denen die Prostituierten in der Regel auf Freier warten, wie etwa in Klohäuschen oder im Gebüsch an Parkbuchten. Sobald ein/e SexarbeiterIn in Begriff ist, mit dem Freier mitzugehen, greifen die Gesetzeshüter ein und lassen den Freier ein stolzes Sümmchen zwischen 200 und 500 Euro zahlen. Diese zahlen aus Angst vor Schmach oder der Familie im trauten Heim bereitwillig. Diese Strafgelder entsprechen weit nicht der Höchststrafe von 15.000 Euro für Ersttäter. Laut Angaben der Polizei wolle man die Männer nur verwarnen und keine Familien zerstören. Der Widersinn dieser Aussage spricht Bände über das eigentliche Gesetz. Insgesamt wurden in Frankreich bisher durch Einschreiten der Polizei ca. 249 Freier mit der Geldstrafe für ihr Vergehen belegt. Angesichts der 30.000 Prostituierten im Land lässt sich allerdings erahnen, dass Städte wie Narbonne eher die Minderheit im Kreuzzug gegen die Freier sind.
Girls of Paradise - Telefonsex aus dem Jenseits
Das Sexgeschäft im Internet bleibt derweil ungebrochen. Die französische Frauenrechtsorganisation Nid stellt fest, dass Callgirls weiterhin gefragt sind. Wer hätte das gedacht? Als Reaktion für dieses ungebührliche Verhalten stellte die Organisation vor einigen Wochen eine Website ins Internet, die die Interessenten von Callgirls ins buchstäbliche Netz laufen lässt. Sobald ein Kunde sich auf der Website, die wie eine herkömmliche Webpräsenz für Callgirl-Services aussieht, für eines der Mädchen entschieden hat, kann er das Callgirl per Videoanruf oder per Live-Chat anschreiben. Wird die Frage, ob der Besucher mehr Bilder sehen möchte, oder Näheres zu dem Mädchen erfahren möchte, bejaht, folgt der Schock: Alle Mädchen auf der Website sind augenscheinlich tot. Die Mädchen sind laut Angaben der Organisation von Freiern erschlagen, von Zuhältern erstochen oder anderweitig bei der Verrichtung ihrer Arbeit ums Leben gekommen. Mehr als 4.000 Anrufe und 600 Chatgespräche verzeichnet die Organisation bereits. Die Interessenten zeigen sich natürlich größtenteils betroffen. Früher oder später überwiegt bei den Kunden allerdings das Interesse an einem noch lebenden Mädchen.
Sinnvolle Maßregelung oder gefährliche Verdrängung?
Maßnahmen wie diese zeigen, wie vielerorts mit dem Thema Sexarbeit umgegangen wird. Die Kunden werden bestraft, was in der Konsequenz dazu führen kann, dass die Geschäfte im Geheimen abgewickelt werden und damit die tatsächlichen Opfer überhaupt nicht mehr geschützt werden können. Die Ergebnisse der Kampagnen und Gesetze zeigen außerdem deutlich, wie schwer sich diese Branche überhaupt regulieren lässt.
Wie steht Ihr zu diesen Regulierungen? Haltet Ihr sie für sinnvoll oder seid Ihr der Meinung, dass sie das Geschäft in den Untergrund verdrängen? Wir sind gespannt auf Eure Kommentare!
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