Mit 15 hab ich noch gedacht, mein Leben wird irgendwann aussehen wie in so einer Mischung aus Sex and the City und Hochglanzmagazin. Schuhe, Männer, Cocktails, funkelnde Nächte. Mit 18 stand ich dann allein in einem Hotelzimmer, mein Handy in der Hand, Herzklopfen, und hab auf den ersten Kunden gewartet. Kein Glamour, kein Blitzlicht, nur ein leises Summen vom Kühlschrank in der Ecke und das Gefühl: Okay, das hier ist es jetzt. So sieht Escort werden aus.
Inzwischen hab ich Jahre in diesem Job hinter mir. Unglaubliche Höhen, frustrierende Tiefen, sehr viel Kaffee und ein paar Lektionen, die ich so nie erwartet hätte.
Und genau die möchte ich teilen. Nicht, weil ich jemanden abschrecken möchte, der Escort werden oder etwas verherrlichen will, sondern weil es ehrlicher ist als das, was man sich draußen so zusammen fantasiert.
Hinweis: Die Autorin dieses Textes ist Kaufmich-Escort, die bewusst anonym bleiben möchte.
Von außen sieht Escort sein so aus: Termine, Reisen, Action. Von innen ist es oft Handy checken, mein Profil aktualisieren (Text, Fotos etc.), auf Kundenanfragen warten, oftmals über bestimmte Dinge verhandeln (Preis, Angebote, Extra Wünsche etc.), um dann endlich ein Date auf die Reihe zu bekommen...
Man sitzt da, gestylt oder auch mal im Schlafanzug, und wartet darauf, dass das Handy vibriert.
Und ja, meistens meldet sich der eine Kunde natürlich genau dann, wenn du dir gerade Pizza bestellt hast oder die Haare voller Haarkur sind.
Die Wahrheit: 80 Prozent des Jobs besteht nicht aus Dates, sondern aus Verfügbarkeit per Handy.
Und das ist was, was dir vorher niemand sagt.
Klar, ich hab am Anfang Panik geschoben: "Was, wenn es jemand rausfindet?" Ich hab Listen im Kopf gehabt, wem ich es niemals sagen darf: Partner, Eltern, Freundeskreis. Und ja, Stigma ist da, gar keine Frage.
Aber das, was mich am meisten gestresst hat, war etwas ganz anderes: das unberechenbare Einkommen als Escort-Dame.
Eine Woche läuft es wie im Traum: mehrere Dates, Luxus-Hotel, vielleicht sogar eine kleine Reise. In der nächsten Woche bricht alles zusammen, alle Buchungen storniert, du bist krank und gar nichts läuft. Dieses Auf und Ab ist mental viel härter als die Angst vor dem Gerede.
Escort werden funktioniert wie "kalte Provision". Es gibt keine Fixgehälter, keine Sicherheit, nur einzelne Deals. Kein Chef, der dir ein Gehalt überweist, nur Du, Dein Handy und Deine Kunden.
Ich war überzeugt: Schönheit ist die halbe Miete. Make-up on point, Extensions drin, Outfit teuer... läuft. Denkste.
Das Problem: Es gibt sehr viele schöne Frauen, die sich als Escort bewerben. Und Schönheit allein sorgt nicht dafür, dass ein Kunde wiederkommt. Kunden kommen vielleicht wegen der Fotos, aber sie bleiben wegen dem Gefühl, das sie mitnehmen.
... Ein Lächeln, das echt wirkt. Eine Stunde, in der er sich gesehen fühlt. Nähe, die glaubwürdig ist, auch wenn sie gebucht wurde.
Ich hab gelernt: Perfekte Wimpern bringen dir vielleicht einmalige Buchungen. Echtheit bringt dir Stammkunden, wenn du als Escort arbeitest.
Viele Neueinsteigerinnen glauben, Schönheit ist das Wichtigste. Aber wenn man länger dabei ist, merkt man, dass Service und Persönlichkeit das Wichtigste sind. Viele Kunden suchen gezielt nach erfahrenen Ladies, weil sie wissen, dass dort die Chemie und Professionalität stimmt.
Meine erste "fette Woche" waren 5.000 Euro in bar. Ich hab auf den Stapel geschaut und gedacht: "Wow. Das ist es. Das bleibt jetzt so für immer!"
Aber so ist es dann leider nicht gelaufen. 5.000 Euro in einer Woche heißt nicht, dass du 260.000 Euro im Jahr machst. Es heißt: Vielleicht nächste Woche null. Vielleicht die Woche drauf auch. Und dann sind die 5.000 plötzlich alles, was du im Monat hast.
Und noch was: Wenn Geld schnell reinkommt, geht es auch schnell wieder raus. Neue Tasche? Klar. Abendessen für 300 Euro? Warum nicht. Problem: Am Ende sitzt du mit dem Bauch voll da und dem Konto leer.
Das sagt einem keiner, aber als Escort arbeiten ist körperlich. Klar, Sex gehört dazu, aber auch Nähe geben, präsent sein, Energie abgeben. Und das zieht Kraft.
Dein Körper ist dein Kapital, aber er ist nicht unendlich belastbar.
Nach Jahren spürst du Müdigkeit, emotionale Abnutzung. Ich hab irgendwann gemerkt: Das ist nicht alles, was ich kann. Alles, was ich in der Zeit gelernt hab, nämlich Selbstorganisation, Marketing, Kommunikation... sind Skills, die ich in ganz anderen Jobs nutzen konnte.
Diesen aha-Moment musste man sich zuerst erarbeiten... zwischen vielen Kunden-Nachrichten, Hotel-Zimmern und erotischen Massagen...
Früher hab ich sofort die Krallen ausgefahren, wenn jemand Escorts kritisiert hat. "Wie kannst du nur so engstirnig sein?!" Heute bin ich gechillter. Es ist okay, wenn jemand sagt: "Ich könnte das nicht." Oder es einfach nicht versteht.
Ich muss nicht alle überzeugen. Wichtig ist, dass ich selbst mit meinen Entscheidungen im Reinen bin.
Die großen Geschichten von Reisen oder High-Class-Hotels klingen toll. Aber die Wahrheit ist: Stabilität bringt dich weiter als die aufregenden Einzelfälle.
Das bedeutet für mich: morgens aufstehen, Nachrichten beantworten, Anzeigen pflegen, auch eine 30-Minuten-Buchung ernst nehmen. Das ist das, was am Ende das Einkommen trägt.
Langweilig? Ja. Aber lieber fünf normale Kunden in einer Woche als drei abgesagte „Luxus-Termine“.
Einmal hatte ich einen Kunden, der mir erzählte, er hätte monatelang gespart, um ein Date mit einer Escort zu buchen. Ich war baff. Für mich war es ein normaler Abend. Für ihn war es der Abend.
Seitdem behandle ich jeden wie einen VIP Kunden. Denn auch, wenn es für dich "nur ein Job" ist, für ihn ist es vielleicht ein Erlebnis, an das er sich jahrelang erinnert.
Das war mein größter Fehler am Anfang: Ich hab die Grenzen verschwimmen lassen. Ich dachte, wenn ich ein bisschen mehr "echt" wirke, läuft es besser.
Aber: Kommerzielle Intimität hat Regeln. Sie endet mit der Buchung. Wenn du dich emotional reinziehen lässt, ruinierst du dich selbst.
Kunden können süß sein, charmant und nett. Aber wenn sie anfangen zu glauben, dass es "mehr" ist, verlierst du sie am Ende und dich gleich mit...
Das Märchen vom reichen Stammkunden, der alles zahlt? Klingt super, ist aber eine Falle denke ich.
Weil Abhängigkeit macht Dich verletzlich. Wenn er geht... und er geht irgendwann... ist dein Einkommen als Escort futsch. Deshalb: lieber viele kleinere Kunden, die dich tragen. Das ist weniger aufregend, aber sicherer. Auch wenn es manchmal heißt, mit kleineren Buchungen oder Kunden zu arbeiten, die sonst eher bei Taschengeldladies suchen würden.
Meine ersten Jahre hab ich stundenlang im Bad verbracht. Haare, Make-up, Nägel, damit alles perfekt für das Date ist. Aber weißt du was? Das bringt dir keine Wiederbuchungen.
Business-Skills bringen dir Erfolg. Anzeigen schreiben, Kundenbindung, Organisation. Das ist, was dich langfristig nach vorn bringt. Denn Eyeliner hält dir keine Kunden, ein gut getimtes Follow-up schon.
Escort ist kein reines Glamour-Leben. Es ist ein Job mit Höhen, Tiefen, Wartezeiten, tollen Begegnungen und bitteren Stornos.
Aber: Es ist auch eine verdammt gute Schule fürs Leben. Ich hab gelernt, Grenzen zu setzen, Respekt einzufordern, mit Geld besser umzugehen und meine Skills über die Branche hinaus zu nutzen.
Wenn mich heute jemand fragt, wie das Leben als Escort wirklich ist? Ich sag: Es ist alles, nur nicht so, wie man es sich von außen vorstellst.
Kuss
Eure Elle.
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