Wir hatten vor einiger Zeit schon über die Rechtslage von Sexarbeit in Indien berichtet. Es ist schon erstaunlich, wie stark sich Prostituierte in anderen Ländern der Welt organisieren.

 

Prominentes Beispiel ist die indische Sex Worker Gewerkschaft Durbar in einem einzigen Bundesstaat mit mehr als 65.000 Mitgliedern. Der Organisationsgrad in Indien ist ausgesprochen hoch und weltweit einmalig. Diesmal möchten wir Euch eine andere Organisation vorstellen, nämlich Sangram.

 

In den ländlichen Gegenden des indischen Bundesstaates Maharashtra arbeitet die Organisation Sangram, die sich u.a. um die HIV Prävention von Sexarbeiterinnen kümmert. Die HIV Infektionsrate ist in Indien leider sehr hoch. Sangram ermutigt zu regelmässigen Gesundheits-Untersuchungen und klärt die Sexworker über ihre Rechte auf, um sich gegenüber Kunden, Zuhältern und Polizei besser durchzusetzen.

 

Die Organisation Sangram existiert seit mehr als 15 Jahren und engagiert sich praktisch und politisch nicht nur für den Zugang zu HIV Prävention und Gesundheitsfragen, sondern auch für die rechtlichen Belange der Community. Mittlerweile hat sie mehr als 5.000 Mitglieder, die alle Sexworker sind. Darunter auch männliche Sexworker und Trans*Personen. Sie alle arbeiten in verschiedenen Gruppen zu unterschiedlichen Themen, die männliche Prostitution ist eins davon.

 

Insbesondere kümmert sich die Community um die Kinder von Sexarbeiterinnen, die wie ihre Mütter gesellschaftlich geächtet und ausgestossen sind. So gibt es beispielsweise eine eigene Schule, wo diese Kinder unterrichtet werden.

 

Sangram hat über viele Jahre ein Netz von Helferinnen aufgebaut, die selber Sexarbeiterinnen sind und andere beraten. Man nennt dies Peer-Arbeit. Vereinzelt gibt es das in der aufsuchenden Sozialarbeit auch in Deutschland wie z.B. bei Hydra in Berlin, wo Sexarbeiterinnen Workshops und Beratung für KollegInnen anbieten.

 

Wer sich in Deutschland für die Rechte von SexarbeiterInnen engagieren möchte, kann sich u.a. an den Verein der Beratungsstelle Hydra in Berlin wenden, in dem SexarbeiterInnen organisiert sind oder sich dem Bundesverband erotische und sexuelle Dienstleistungen (BesD) anschliessen, der auch Anfang März einen Kongress in Hamburg veranstaltet, wo es u.a. um das geplante "Prostituiertenschutzgesetz" geht, dass 2017 in Kraft tritt. Hier kann sich jeder Interessierte anmelden, ohne selber Mitglied zu sein. Kaufmich wird vor Ort sein und darüber berichten.

 

 

 

Zum Weiterlesen: Bericht über das internationale Gipfeltreffen von SexarbeiterInnen in Indien 2012

 

Hier ein englisch-sprachiger Artikel u.a. über die Arbeit der Organisation Sangram

 

Written by Susi


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